Wenn Schweine, Rinder und andere Nutztiere nicht anständig behandelt und gequält werden, liegt das auch an fehlenden Kontrollen. Und dafür tragen, so meint unser Autor, Bund und Land die Hauptverantwortung. © picture alliance / dpa
Landwirtschaft

18 Euro für ein Ferkel – davon kann niemand leben!

Die Preise für Schweinefleisch sinken und sinken, die Gründe für das Desaster sind vielfältig. Ein Ausweg aus der Misere ist derzeit für viele Landwirte nicht in Sicht.

Die Preise für Schweinefleisch befinden sich weiterhin im Sinkflug – und die Landwirte sehen derzeit noch kein Licht am Ende des Tunnels. „Irgendwann sagt man normalerweise, der Tiefpunkt ist erreicht, jetzt geht es aufwärts“, berichtet der Legdener Landwirt André Bücker im Gespräch mit der Redaktion. „Diese Trendwende ist aktuell noch nicht in Sicht und keiner kann sagen, wann die kommt.“

Ein Blick auf die Preise verdeutlicht, wie dramatisch die Situation derzeit ist. Für die aktuelle Schlachtwoche setzt die Vereinigung der Erzeugergemeinschaften für Vieh und Fleisch (VEZG) für ein 25 Kilo schweres Ferkel einen Preis von 18 Euro an. „Da fehlen 30 Euro“, erklärt André Bücker, der 500 Sauen hält. „Momentan muss ich Geld mitbringen, damit ich arbeiten kann.“ Im Sommer notierten die Preise wenigstens noch bei 48 Euro, aber dieser Preis deckte so gerade die Kosten.

Weit entfernt von der Kostendeckung

Beim Schweinefleisch ist die Lage nicht besser. Für das Kilo empfiehlt die VEZG derzeit 1,20 Euro. Anfang des vorherigen Jahres lag der Preis schon mal knapp unter zwei Euro. „Bei den enorm gestiegenen Energiepreisen müssten wir 1,60 bis 1,80 Euro haben“, erklärt Markus Weiß, stellvertretender Vorsitzender der Borkener Sektion des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands (WLV). Zugleich ziehen die Futterpreise an, ergänzt André Bücker.

Zu den gestiegenen Kosten kommen die gesunkenen Notierungen für das Fleisch, deren Ursachen vielfältig und nicht nur auf dem heimischen Markt zu finden sind. Das Geschäft mit dem Schweinefleisch ist schließlich global, doch wegen der Afrikanischen Schweinepest ist derzeit kein Export in die meisten Nicht-EU-Länder möglich.

Die Konsumenten von gestern haben in der Zwischenzeit eigene Bestände aufgebaut. „China war ein wichtiger Markt, aber die haben die Eigenversorgung verbessert“, so André Bücker weiter. Zugleich schläft die Konkurrenz aus den anderen EU-Ländern – die sich mit ähnlichen Problemen plagen muss – nicht: „Was wir an Beständen abbauen, bauen die Spanier wieder auf. Die drücken dann auf den Markt.“

Nicht Wandel, sondern Bruch

Aber wie geht es weiter? „Diese Preismisere wird einen Strukturbruch, keinen Strukturwandel verursachen“, ist sich André Bücker sicher. Viele Betriebe werden seiner Ansicht nach schließen und nicht wiederkommen, sollten sich die Preise eines Tages erholen. Er wünscht sich von der Politik ein klares Bekenntnis zur deutschen Landwirtschaft – und vor allem Planungssicherheit.

Viele Landwirte sind derweil dabei, sich weitere Standbeine aufzubauen neben dem eigentlichen Kerngeschäft, das längst nicht mehr die Erträge von einst bringt. Manche setzten beispielsweise auf die Energieerzeugung per Biomasse, Wind und Photovoltaik, sagt Jörg Sümpelmann, Geschäftsführer des Landwirtschaftlichen Kreisverbands Borken.

Da, wo es geht, hätten einige Landwirte ihre Abläufe optimiert, neue Vermarktungsformen wie Direktvermarktung, den Verkauf über digitale Plattformen oder an regionale Anbieter weiter ausgebaut. „Da ist einiges in Bewegung“, so Jörg Sümpelmann.

Entscheidung an der Fleischtheke

Das zählt allerdings nur bedingt für die Konsumenten. „Letztlich entscheidet der Verbraucher an der Theke“, meint André Bücker. Derzeit arbeitet er auf seinem Hof konventionell. Umstellen auf Bio oder Tierwohl würde der 35-Jährige schon – wenn das denn nachgefragt würde. Hier macht er erste positive Anzeichen aus.

Ein Teil der Kunden sei bereit, an der Theke „für unsere hoch qualifizierte Wertarbeit“ mehr zu bezahlen, erklärt auch WLV-Vize Markus Weiß. Am Ende entscheide dennoch der Preis: „Dann bleibt es bei Lippenbekenntnissen.“