24-Jähriger muss für Falschaussage teuer bezahlen

rnStrafprozess

Er hielt es wohl für einen Freundschaftsdienst. Doch selbst der Verteidiger eines 24-Jährigen sprach von einem „schweren Delikt“. Bei Falschaussagen verstehen die Juristen keinen Spaß.

Legden

, 04.07.2019 / Lesedauer: 3 min

Wegen uneidlicher Falschaussage musste sich am Montag ein junger Ostfriese vor dem Amtsgericht in Ahaus veranworten. Das Gericht verurteilte den 24-Jährigen zu einer saftigen Geldstrafe über 4200 Euro (140 Tagesätze à 30 Euro).

Schlägerei im Dorf Münsterland

Angefangen hatte alles im vergangenen Jahr mit einer Schlägerei im Dorf Münsterland in Legden. Ein Freund des Angeklagten hatte einem Heeker ins Gesicht geschlagen. Dafür stand der Schläger im Juli 2018 in Ahaus vor Gericht. Als Zeuge sagte der 24-Jährige aus, das Opfer habe geschlagen und sein Freund habe ihn nur abwehren wollen. Nach dem Vorhalt anderer Zeugenaussagen passte der 24-Jährige seine Version immer neu an – bis seine Falschaussage offensichtlich war.

„Kein notorischer Lügner“

Dafür stand der vormalige Zeuge nun selbst als Angeklagter vor Gericht. Erschwerend kam hinzu, dass er im vergangenen Sommer auch noch alkoholisiert einen Unfall verursachte und bei der Polizei fälschlicherweise einen anderen Bekannten beschuldigte. Sein Mandant sei aber kein notorischer Lügner, auch wenn er durch die beiden Taten innerhalb weniger Wochen den Anschein erweckt habe, erklärte der Verteidiger. Der junge Mann habe sich nach der Ausnüchterung am nächsten Tag aus eigenem Antrieb direkt an die Polizei gewandt und die Alkoholfahrt eingeräumt.

Am Montag zeigte sich der junge Mann vor Gericht geständig und reumütig: „Ich bedauere die Falschaussage. Ich hätte deutlich machen müssen, dass ich mich wegen des Alkohols nicht genau erinnern kann.“ Das betonte auch sein Verteidiger: „Ich habe ihm wegen der falschen Aussage schon den Kopf gewaschen“, erklärte er. Der Richter erklärte, dass das Strafgesetzbuch für uneidliche Falschaussagen eine Mindestfreiheitsstrafe von drei Monaten vorsehe.

„Falschurteile sind unerträglich“

Der Staatsanwalt erklärte dem Angeklagten eindringlich, warum das so ist: „Die Justiz ist auf wahre Aussagen angewiesen. Falschaussagen können zu falschen Urteilen führen. Und das ist unerträglich.“ Der Staatsanwalt nannte das Bedauern des Angeklagten „glaubwürdig“. Er forderte in seinem Plädoyer eine Geldstrafe von 150 Tagesätzen à 30 Euro. Darin sollte auch die Geldstrafe aufgehen, die der 24-Jährige noch wegen der falschen Beschuldigung nach dem Alkoholunfall abstottert. Der Verteidiger hielt 130 Tagesätze für ausreichend, der Richter fällte das Urteil in der Mitte.

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