31-jähriger Legdener lieferte sich wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei

rnAmtsgericht Ahaus

Eine nach Darstellung der Polizei wilde Verfolgungsjagd ereignete sich im Juni dieses Jahres in Legden. Ein 31-Jähriger floh mit hoher Geschwindigkeit durch eine Wohngebiet vor den Beamten.

Legden

, 11.11.2020, 12:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein 31-jähriger Legdener hat sich im Sommer dieses Jahres eine Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert. Dabei missachtete er unter anderem Geschwindigkeitsbegrenzungen und die Vorfahrtsregeln. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, dabei Leib und Leben anderer Menschen fahrlässig gefährdet zu haben. Daher stand er nun wegen Nötigung und verkehrswidrigen Verhaltens vor dem Amtsgericht Ahaus.

Der Vorsitzende Richter bat den 31-Jährigen in der Verhandlung, seine Sicht auf die Ereignisse zu schildern. Nach Rücksprache mit seinem Anwalt beschloss der Angeklagte, sich zu dem Vorfall äußern zu wollen. Am 5. Juni sei er gegen 22.20 Uhr mit seinem Auto auf dem Legdener Nordring unterwegs gewesen. Als er nach links auf den Fliegenmarkt abbiegen wollte, habe er den Streifenwagen entdeckt. Entgegen der Schilderung von zwei Polizisten behauptete der Angeklagte: „Für mich sah es so aus, als hätten sie auf der Verkehrsinsel geparkt.“

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Die Beamten hatten jedoch im Protokoll vermerkt, sie hätten eine Vollbremsung hinlegen müssen, um nicht mit dem 31-Jährigen zusammenzustoßen. Dieser habe ihnen an der betreffenden Kreuzung ohne Rücksicht die Vorfahrt genommen. „Das stimmt nicht. Sie standen einfach dort“, wiederholte der Legdener auf Nachfrage des Richters seine Wahrnehmung. Der Vorsitzende wollte von ihm wissen, warum er auf das Martinshorn und das Blaulicht nicht reagiert habe und stattdessen geflohen sei.

„Es war eine Kurzschlussreaktion“

„Ich höre nicht sehr gut und das Blaulicht habe ich erst später gesehen“, erklärte der 31-Jährige. Als er den Streifenwagen dann im Rückspiegelt erblickt hatte, habe ihn die Panik gepackt. „Zwei Jahre zuvor wurde mir der Führerschein wegen THC-Konsums entzogen. Das wollte ich natürlich nicht noch einmal. Es war eine Kurzschlussreaktion.“ Daher habe er sich dazu entschieden, seine Flucht fortzusetzen.

Die von der Polizei angegebene Geschwindigkeit von „mindestens 110 bis 120 km/h“ sei allerdings eine Übertreibung. „Ich war zu schnell, aber das waren maximal 80 oder 90 Stundenkilometer. Mehr gab der Streckenverlauf gar nicht her. Vielleicht für einen Formel-1-Fahrer, aber nicht für mich.“ Zur Erklärung: Die Verfolgungsjagd setzte sich bis in eine Tempo-30-Zone fort.

Auch einen weiteren Vorwurf aus der Anklageschrift wollte der Legdener nicht so stehen lassen. Er habe während der Verfolgungsjagd nicht das Abblendlicht ausgeschaltet. Wenn überhaupt sei die Beleuchtung des neuen Edekas dafür verantwortlich gewesen, da sein Licht auf „Automatik“ eingestellt gewesen sei. „Dort ist es mittlerweile auch nachts taghell.“

Richter ist skeptisch, schlägt aber Einstellung vor

Der Richter beäugte die Aussagen des Angeklagten mit erkennbarer Skepsis, erklärte allerdings auch: „Es ist schwer, das Gegenteil zu beweisen.“ Im Raum stand zu diesem Zeitpunkt weiter die Anschuldigung, dass der 31-Jährige eine entgegenkommende Autofahrerin dazu gedrängt habe, ihm in einer engen Seitenstraße auf seiner Flucht auszuweichen. Dazu der Legdener: „Sie musste nicht ausweichen, sondern hat ihr Fahrzeug freiwillig zur Seite gesetzt. Ich kannte die Dame.“

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Obwohl der als Zeuge geladene Polizist eine gänzlich andere Wahrnehmung der Dinge präsentierte, schlug der Richter vor, das Verfahren gegen eine Geldauflage einzustellen. Das stieß bei der Verteidigung wie erwartet auf Zuspruch. Nach mehreren Telefonaten mit seiner Dienststelle stimmte auch der Vertreter der Staatsanwaltschaft zu. Sollte der Legdener in den nächsten Monaten die vom Gericht auferlegten 1800 Euro bezahlen, wird das Verfahren endgültig eingestellt.

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