402 neue Hoffnungen auf Leben

LEGDEN Größer als erwartet war der Andrang bei der Typisierungsaktion im Dorf Münsterland. 402 Männer und Frauen schenken Leukämiekranken mit ihrer Bereitschaft zur Stammzellspende eine neue Hoffnung auf Leben.

von von Sylvia Lüttich-Gür

, 14.05.2009, 17:51 Uhr / Lesedauer: 2 min

Fünf Milliliter genügen

Fünf Milliliter genügen

"Schon fertig!" Ansgar Wolf löst den roten Spanngurt von Zajonzs Arm und hebt ein kleines Pastikfläschen in die Höhe: fünf Milliliter Blut - genug, um später die individuelle Gewebemerkmale des Mannes zu bestimmen und sie mit denen der Hilfe suchenden Leukämiekranken aus der ganzen Welt zu vergleichen.

Die weitgehende Übereinstimmung dieser Werte ist die Voraussetzung für eine Stammzelltransplantation - und damit für die Rettung eines sonst totgeweihten Patienten. Die Suche nach einem solchen genetischen Zwilling "gleicht der Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen", weiß der Allgemeinmediziner, der bereits den nächsten Wartenden aus der Schlange zu sich winkt. Und trotzdem: "Man wird immer wieder fündig." Schon drei Mal habe er in seiner Praxis Patienten betreut, die zuvor in einer Klinik Stammzellen gespendet haben, ergänzt er - und greift zu einer neuen Injektionsnadel, um die nächsten fünf Milliliter rote Hoffnung abzufüllen.

"Eine Stammzellspende ist kein großer Eingriff", weiß Michael Hamm. Der 37-Jährige sitzt am anderen Ende der Halle und sortiert die mit Strichcodes markierten Blutproben in die dafür bereit gestellten Transportbehälter. Hamm weiß, wovon er spricht: Vor zwei Jahren hat er Stammzellen gespendet, die Dank moderner Medizintechnik direkt aus seinem Blut entnommen wurden. Die viel aufwendigere und schmerzhaftere Punktion aus dem Knochenmark - ein Verfahren, dem die DKMS ihren Namen Knochenmarkspenderdatei verdankt - ist heute kaum noch notwendig. "Und was ist aus Ihrer Spende geworden", will eine Frau fragen, deren Blutprobe Hamm gerade in dem Styroporkarton vor ihm auf dem Tisch verstaut hat. Der Mann blickt hoch und strahlt: Seine Stammzellen sind nach Ungarn geflogen worden, sind dort einer Leukämie-Patientin injiziert worden, haben sich in ihrem Körper verteilt, in den Knochehohlräumen erfolgreich eingenistet - haben und neue, gesunde Blutzellen gebildet. "Die Frau ist gerettet!"

Andrang aus Region

Der Andrang der nächsten Lebensretter bricht nicht ab. DRK-Vorsitzender Herbert Lenz berichtet seinen Vereinskollegen an der Kontrollstation - einer von dreien, an der jeder Spender von der Anmeldung bis zur Abgabe der Blutprobe vorbei muss - von der Schlange im Foyer. "Männer und Frauen aus der ganzen Region", erzählt er, "und besonders viele junge Leute sind dabei."

Wenn das kein Grund ist zum Feiern ist - allerdings nicht mit Bier und Live-Musik wie sonst im Dorf Münsterland, sondern mit Kaffee, Kuchen, Schnittchen - und dem guten Gefühl, vielleicht bald auch ein Held zu sein, der Leben schenkt. sy-

 

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