44 Legdener Landwirte bei der Demo in Münster

rnDemo der Landwirte

Mehrere Tausend Landwirte haben am Donnerstag auf dem Domplatz in Münster gegen die Verschärfung der Düngeverordnung protestiert. Mit dabei waren auch 44 Landwirte aus Legden.

Legden

, 04.04.2019, 19:20 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Verhungert die Pflanze, verhungert das Volk!“ „Wir sind Teil der Lösung, nicht des Problems!“ „Ohne Not macht die EU Existenzen tot!“ Mit Plakaten wie diesen haben Landwirte aus ganz Deutschland am Donnerstag in Münster gegen die geplante neue Düngeverordnung protestiert. Die Landwirte sehen große Probleme auf sich zukommen, sollte die Düngeverordnung so umgesetzt werden, wie von der EU-Kommission gefordert. Zu den Teilnehmern der Großkundgebung auf dem Domplatz – Schätzungen gingen von rund 6000 Menschen aus – gehörten auch 44 Landwirte aus Legden. 20 von ihnen hatten sich am Donnerstagmorgen mit ihren Traktoren auf den Weg in die Domstadt gemacht, 24 waren mit dem Zug nach Münster gefahren; unter ihnen Christian Bomberg, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsvereins Legden.

In einem Telefongespräch mit unserer Redaktion schilderte er die Demo-Vorbereitungen und seine Eindrücke von der Kundgebung.

Schilder befestigt

Um 7 Uhr hatten sich die Legdener Landwirte mit ihren Treckern am Busparkplatz am Dorf Münsterland getroffen. Dort wurden erst einmal Schilder an den Schleppern befestigt. Darauf war unter anderem zu lesen: „Regionale Lebensmittel gehen nur mit uns Bauern“ und „Auch dein Job hängt vielleicht an der Landwirtschaft“. Auf den Straßen im Münsterland und rund um Münster sorgten die Demo-Teilnehmer zeitweise für Verkehrsbehinderungen, unter anderem am Schöppinger Berg. Die Legdener hatten sich mit weiteren Landwirten, darunter Heeker und Ahauser Kollegen, in Schöppingen einer rund 180 Trecker umfassenden Kolonne angeschlossen.

Einstündige Fahrt nach Münster

Über Laer, Billerbeck und Havixbeck ging es nach Münster. „Die Kolonne ist sehr gut durchgekommen“, berichtete Christian Bomberg. Zwischendurch sei sogar Zeit für eine Kaffeepause gewesen. „Die reine Fahrt dauerte eine gute Stunde.“ In Münster selbst sperrte die Polizei zeitweise Straßenabschnitte, um den Treckern die zügige Einfahrt zu ermöglichen. Geparkt wurde auf dem Schlossplatz. Christian Bomberg und die weiteren Zugfahrer hatten sich um 7.15 Uhr an der Genossenschaft in Legden getroffen und Handplakate untereinander verteilt. „Als wir um 9 Uhr auf dem Domplatz waren, war noch recht wenig los“, berichtete er. „Aber minütlich füllte sich dann der Platz.“

Kundgebung auf dem Domplatz

Um 10.30 Uhr begann die vom Westfälisch-Lippischen und vom Rheinischen Landwirtschaftsverband organisierte Kundgebung. Zu den Rednern gehörten auch Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Nordrhein-Westfalens Umwelt- und Agrarministerin Ursula Heinen-Esser (beide CDU).

Kern des Bauernprotestes ist die geplante Verschärfung des Düngerechts. „Die neue Düngeverordnung war erst 2017 in Kraft getreten und soll jetzt schon wieder verändert werden“, erklärte Christian Bomberg. „Wir sind doch gerade erst dabei, sie umzusetzen. Da ist es doch klar, dass man noch keine Erfolge sehen kann. Das muss man doch über einen längeren Zeitraum betrachten.“

Vorgaben aus Brüssel

Das Problem: Die 2017 von der Bundesregierung verschärfte Düngeverordnung reichte der Europäischen Union (EU) nicht. Die EU-Kommission verlangt weitere Maßnahmen zum Schutz des Grundwassers. Geschehen soll dies mit einer nochmals drastischen Reduzierung der Stickstoff-Einbringung in die Böden. In sogenannten roten Gebieten – jene mit besonders hohem Nitratgehalt – sollen 20 Prozent Dünger eingespart werden.

44 Legdener Landwirte bei der Demo in Münster

Vom Parkplatz am Dorf Münsterland fuhren die Landwirte am Donnerstagmorgen in gut einer Stunde mit ihren Traktoren nach Münster. © Privat

„Brüssel zeigt mit dem Finger auf uns und sagt, dass die Nitratwerte nicht passen“, sagte Christian Bomberg dazu. „Das geht in die falsche Richtung.“ Eine weiter reduzierte Düngung sei nicht mehr bedarfsgerecht. „Dann können wir die Pflanzen nicht mehr ernähren.“ Die Folge seien wirtschaftliche Verluste, Landwirte seien in ihrer Existenz bedroht. „Weniger Ernte bedeutet weniger Einkünfte“, fasste der LOV-Vorsitzende die Sorgen des Berufsstandes und der Legdener Landwirte zusammen. Könne man Ackerflächen nicht voll nutzen, könne zum Beispiel kein Qualitätsgetreide wie Braugerste produziert werden. „Nicht umsonst haben auch viele Landwirte aus Bayern am Donnerstag in Münster protestiert.“

Sieben-Punkte-Plan

Ministerin Julia Klöckner und ihre Kollegin Ursula Heinen-Esser stellten bei der Kundgebung ihren Sieben-Punkte-Plan vor, mit dem sie dem Grundwasserschutz erfüllen und den Bedürfnissen der Landwirte gerecht werden wollen. Dazu zählen unter anderem Investitionen in Maschinen und Geräte, um die Emissionsminderung bei Wirtschaftsdünger auszubauen; eine Unterstützung der Nährstoffverwertung durch satellitengestützte Ausbringungsverfahren des Düngers, mehr Investitionen in das Tierwohl und freiwillige Vereinbarungen zwischen der Wasserwirtschaft und der Landwirtschaft zum Schutz des Grundwassers. Klöckner kündigte für kommende Woche dazu ein Treffen mit den Ländern, Landwirtschafts- und Umweltverbänden an.

Zukunftsangst der Landwirte

„Die Ministerin steht unter Zwang aus Brüssel und muss liefern“, sagte Christian Bomberg zu den Plänen. Er habe schon das Gefühl, dass sich die Ministerin für die deutschen Bauern in Brüssel einsetze. „Aber gerade kleinere Betriebe haben Zukunftsängste und stehen vor dem Aus. Diese Angst ist heute, auch mit Blick auf den Sieben-Punkte-Plan, geblieben.“ Wasserschutz müsse sein, sagte Christian Bomberg, „aber bitte mit fachlicher Kompetenz, nicht mit der Brechstange.“ Wieder zurück in Legden redeten die Landwirte noch eine Weile über die Eindrücke des Tages. Bei aller Sorge über das auf die Landwirte Zukommende, zog Christian Bomberg doch auch ein positives Fazit: „Der Zusammenhalt unter den Landwirten, das war heute ein sehr schönes Bild.“

Lesen Sie jetzt