59-jährigem Lkw-Fahrer droht nach Autobahnunfall eine empfindliche Strafe

Übermüdung am Steuer

Im Lkw wollte ein 59-Jähriger am Dienstag zur Verhandlung am Amtsgericht Ahaus fahren. Ein Stau durchkreuzte seinen Plan. Wegen eines Unfalls auf der A31 könnte er seinen Job verlieren.

Legden

, 14.02.2019 / Lesedauer: 3 min

Ein 59-Jähriger Lkw-Fahrer gerät auf der A31 in Höhe Legden erst nach rechts auf den Seitenstreifen, touchiert die Leitplanke, kippt beinahe um. Der Fahrer kann seinen Sattelzug im letzten Moment noch nach links ziehen. Am nächsten Parkplatz hält er an. Zeugen alarmieren die Polizei. Am Dienstag sollte sich der Fahrer vor Gericht verantworten. Der Tatvorwurf: unerlaubtes Entfernen vom Unfallort.

Angeklagter wollte mit Lkw zum Gerichtstermin anreisen

Doch vor Gericht erschien der aus Polen stammende Lkw-Fahrer nicht, weil er mit samt seinem Lkw auf der Autobahn im Stau stand. Das teilte der Verteidiger zu Beginn der Verhandlung mit. Sein Mandant wäre von einer Tour direkt nach Ahaus gefahren. Weil sich jedoch schon am Tag vor der Verhandlung erhebliche Verspätungen ergeben hätten, würde er das nicht schaffen. „Der Plan, zu dieser Verhandlung mit dem Lkw anzureisen, ist aber auch schon wagemutig“, sagte der Richter und konnte sich selbst ein Schmunzeln nicht ganz verkneifen.

Doch zurück zum bitteren Ernst: Wegen eines ähnlichen Vorfalls ist der Mann bereits vorbestraft. Auch da war er – offensichtlich übermüdet – von der Straße abgekommen. Auch bei dem jetzt verhandelten Fall hatte er zwar laut Fahrtenschreiber seine Lenkzeiten eingehalten, seine Übermüdung stand aber dennoch im Raum. Die Erklärung, er habe im Führerhaus eine Wespe vertreiben wollen, mochte der Richter nicht glauben.

Einspruch gegen Strafbefehl

Nach dem Vorfall auf der A31 hatte der 59-Jährige Einspruch gegen den Strafbefehl eingelegt. Der hätte eine Geldstrafe, den Entzug der Fahrerlaubnis sowie eine Führerscheinsperre von zwölf Monaten bedeutet. Den Einspruch konnte der Verteidiger am Dienstagmorgen auch nicht zurücknehmen. Das hatte der Richter zunächst noch vorgeschlagen, als klar war, dass der Fahrer nicht zum Termin erscheinen würde. Doch dem Verteidiger waren an der Stelle die Hände gebunden: Sein Mandant wäre im selben Moment ohne Fahrerlaubnis im Lkw unterwegs gewesen. Mit Blick auf die berufliche Zukunft seines Mandanten versuchte er auch noch, die Führerscheinsperre wegzudiskutieren. „Was auch immer dort passiert ist, war nicht schlecht gemeint“, sagte der Verteidiger. Sein Mandant sei nur weitergefahren und habe erst auf dem nächsten freien Parkplatz angehalten, um die Autobahn nicht zu blockieren und den Verkehr zu behindern. Auf dem Weg zum Rastplatz sei die Polizei aber bereits hinter ihm gewesen.

Gefährdung stand für Richter im Vordergrund

Der Richter mochte dieser Argumentation nicht folgen. Für ihn stand auch nicht das Entfernen vom Unfallort, sondern die mögliche Gefährdung durch den Fahrer im Vordergrund: „Ich will nicht hier stehen, wenn ihr Mandant wieder einschläft und jemand zu Tode kommt“, sagte der Richter. Schließlich hätte der Fahrer den Wagen einer Familie erwischt, wenn er zunächst nach links ausgeschert wäre. Der Fahrer des Pkw, ein Mann aus Borken, ist als Zeuge geladen, sagt an diesem Tag aber nicht mehr aus.

Kurze Unterbrechung, der Verteidiger greift zum Telefon und berät sich mit seinem Mandanten. Der erklärt sich mit den Vereinbarungen einverstanden. Auch scheint klar, dass er sich einen neuen Beruf suchen muss. Der Verteidiger: „Mit der Führerscheinsperre wird er für seinen jetzigen Arbeitgeber nicht mehr arbeiten können.“

Der Verhandlungstermin wird ausgesetzt. Im April soll neu über den Fall gesprochen werden. Ob es zu einer erneuten Verhandlung kommt oder ob der Angeklagte seinen Einspruch zurückzieht, war am Dienstag noch nicht klar.

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