Premiere im Altenheim St. Josef: Musik-Studenten spielen Konzert für Bewohner in Legden

rnBesonderes Konzert

Musik hat die Kraft, Menschen aus ihrem Alltag zu ziehen und auf andere Gedanken zu bringen. Im Altenwohnheim St. Josef sorgte nun ein Cello-Konzert für eine besondere Abwechslung.

Legden

, 07.11.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Stimmung ist andächtig. Es herrscht eine besondere Atmosphäre im Speisesaal des Altenwohnhauses St. Josef in Legden. Man könnte eine Stecknadel fallen hören, so aufmerksam und gespannt lauschen die Bewohner und andere Besucher den Ausführungen der Musiker.

Es sind nicht irgendwelche Musiker, die am Mittwochnachmittag im St. Josef spielen, es sind Cellisten. „Sonst treten hier verschiedene Chöre auf: Frauenchor, Polizeichor, Feuerwehrchor. Aber ein Konzert mit diesem Instrument haben wir hier noch nicht gehabt“, sagt Marianne Kaminski, die im Betreuten Wohnen des St. Josef noch selbstständig lebt.

„Musik war eine schöne Abwechslung“

Besonders die schnellen Stücke haben Marianne Kaminski gefallen. „Gerne hätte ich auch noch den Hummelflug gehört.“ Aber das können die Musiker spontan leider nicht umsetzen. Auch Franz Limmer hat das Konzert sehr gefallen. „Ich fand es sehr schön. Die Musik war eine schöne Abwechslung“, meint der Bewohner des St. Josef.

Beim Konzert spielen Carlos Ferrer und Karl Figueroa Stücke von Antonio Vivaldi, einen Tango aus Argentinien und zwei Lieder von Edith Piaf. Beide Musiker studieren an der Musikhochschule in Münster. „Ich studiere seit drei Jahren das Instrument. Mein Ziel ist es, meinen Master an einer Musikhochschule in Berlin zu machen“, erzählt Karl Figueroa.

Musiker aus Chile und Venezuela

Der 21-Jährige stammt ursprünglich aus Chile und kam durch einen Professor, der an der Musikhochschule in Münster unterrichtet, nach Deutschland – die Motivation dafür: das musikalische Niveau. „Es gibt hier einfach viel mehr Musiker und damit ist die Konkurrenz höher. Das hat mich angespornt.“

Sein Partner an diesem Tag ist Carlos Ferrer. Er kommt aus Venezuela und wohnt seit fast fünf Jahren in Deutschland. Seit vier Jahren studiert er Cello. „Ich habe bereits meinen Bachelor abgeschlossen und studiere jetzt den pädagogischen Master“, sagt der 30-Jährige.

Musiklehrer als Ziel

Momentan unterrichtet der Cellist an Musikschulen in Münster. Daher könnte sich Carlos Ferrer perspektivisch auch vorstellen, als Musiklehrer zu arbeiten. „Alternativ nehme ich immer wieder an Probespielen für Orchester teil. Auch dieser Weg ist gut möglich.“

Organisiert hat das Konzert der Verein „Live Music Now“. Gegründet vom weltberühmten Geiger Yehudi Menuhin will der Verein die Überzeugung vermitteln, dass Musik auch Therapie ist. Die Musik soll Menschen zugutekommen, die aufgrund ihrer Lebensumstände nicht in Konzerte gehen können.

Besondere Energie im Publikum

Neben Altenheimen werden Konzerte in Gefängnissen, Hospizen und Palliativanstalten gespielt. „Das ist für uns Musiker ein ganz besonderes Gefühl. Man spürt, dass die Menschen sehr dankbar sind“, empfindet Carlos Ferrer. Das Publikum versprüht eine besondere Energie, sagt Karl Figueroa.

Beim Verein werden junge, besonders qualifizierte Künstler gefördert, die am Beginn ihrer Karriere stehen. „Jedes Jahr findet ein Probespielen statt und wir wählen 30 Musiker aus, die dann im Münsterland und Umgebung spielen“, erklärt Stephanie von Olfers, stellvertretende Vorsitzende des Vereins „Live Music Now“ Münsterland.

Die Konzerte sind für die Institutionen kostenlos. Für ihren Auftritt bekommen die Musiker eine kleine Aufwandsentschädigung. Die Gelder dafür werden durch verschiedene Benefizkonzerte generiert. Das nächste Konzert ist für den 24. November unter dem Motto „Wir können auch anders...“ um 16 Uhr in der Aula der Universität im Schloss Münster geplant.

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