Am Beichtstuhl zelten

Asbeck Sie haben ihr Zelt direkt hinterm Beichtstuhl aufgeschlagen: eine Holzkonstruktion mit dicken, grauen Plastikplanen. Darin sind die beiden jungen Männer am Morgen verschwunden. Seitdem erfüllt nicht mehr andächtige Stille das Asbecker Gotteshaus , sondern Hämmern, Surren, Bohren - und leiser Gesang.

18.11.2008, 18:01 Uhr / Lesedauer: 1 min

<p>Kaum auszumachen im Staub: Andreas Nettels und Matthias Vinkelau. </p>

<p>Kaum auszumachen im Staub: Andreas Nettels und Matthias Vinkelau. </p>

"Aloha heja he" dringt aus dem Zelt - mit jedem Schritt durch das Innere des stickigen Plastik-Schlauchs ein wenig lauter. Der Weg führt vorbei an dem noch zusätzlich verpackten Taufbrunnen, dann scharf rechts und später wieder rechts - immer der Außenmauer des südlichen Kirchenschiffes entlang. Dort stehen die beiden Männer: Andreas Nettels und Matthias Vinkelau, Mitarbeiter des Legdener Hochbauunternehmens Scharlau. Keiner von den Zweien singt - angesichts des dichten Staubs kein Wunder. Die Stimme kommt aus dem Radio zu ihren Füßen. Was sie da machen? Die Antwort ist präzise - genauso wie jeder Handgriff der Maurer: "Alter Putz runter, Sanierputz drauf."

Die Kirchengemeinde St. Brigida-St. Margareta hat der aufsteigenden Feuchtigkeit in dem alten Mauerwerk den Kampf angesagt: "Das Längsschiff der Kirche haben wir bereits vor etwa 15 Jahren saniert", blickt Klemens Vennekötter von der Zentralrendantur Ahaus zurück. Das nördliche Kirchenschiff sei mit den jüngsten Anstrich erneuert worden: Seit Montag sei nun die Seite gegenüber an der Reihe. Kosten: 3500 Euro. Um den Reinigungsaufwand möglichst gering zu halten, habe die Firma beschlossen, unter Zeltplanen zu arbeiten, die kaum Staub durchließen.

Draußen liegen Spitzhacken und Spaten auf dem durchnässten Rasen. Der Graben entlang der Kirchenmauer ist bereits ausgehoben. Die Drainage liegt zum Verlegen bereit. So weit das bei einem so alten Gemäuer wie der Kirche aus dem zwölften Jahrhundert überhaupt möglich ist, will die Fachfirma der Ursache für die Feuchtigkeit im Mauerwerk und für das oberflächige, meist weißliche Ausblühen des Salpeters auf dem Putz beikommen.

Ende der Woche sollen die Arbeiten beendet sein - und das graue Zelt wieder abgebaut. Dann wird wieder live gesungen - "Halleluja" statt "Aloha heja he". sy-

<p>Die Heiligenfiguren durften an ihrem Platz bleiben, die Bibel ist aufgeschlagen: Dank des Zelts rund um den Beichtstuhl bleiben Staub und Dreck, die bei der Sanierung anfallen, unter der Plane.  MLZ Fotos (3) Lüttich-Gür</p>

<p>Die Heiligenfiguren durften an ihrem Platz bleiben, die Bibel ist aufgeschlagen: Dank des Zelts rund um den Beichtstuhl bleiben Staub und Dreck, die bei der Sanierung anfallen, unter der Plane. MLZ Fotos (3) Lüttich-Gür</p>

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