Auf der Suche nach Fledermausquartieren

Waldgebiet Heying Esch

Für den Wald im Heying Esch hat das letzte Stündchen geschlagen. Die ersten Buchen sind bereits für die Erweiterung des Gewerbegebiets gefallen. Doch nun schweigen die Motorsägen vorerst. Biologen wollen sichergehen, dass Fledermäuse im Winterschlaf nicht der Waldrodung zum Opfer fallen.

LEGDEN

, 07.01.2015, 17:54 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit dem Fernglas streift in diesen Tagen Eva Kemper durch den knapp 37 000 Quadratmeter großen Mischwald. Die Diplom-Landschaftsökologin arbeitet für das von der Gemeinde Legden beauftragte Fachbüro Ökon. Sie inspiziert nun insbesondere die Buchen. Und wird fündig: Aus einer Buche ragt in sieben Metern Höhe dicker morscher Ast. Darunter hat sich ein kleiner Hohlraum gebildet. Das könnte ein ideales Winterquartier für die kleine Rauhautfledermaus sein. Eva Kemper sprüht ein signalrotes "H3" den Baumstamm: Die dritte Höhle, die sie an diesem Tag entdeckt hat. Auch Bäume mit Spechtlöchern werden auf diese Weise markiert.Höhlen wirklich bewohnt?

Hier könnte ein Großer Abendsegler seinen ausgedehnten Winterschlaf halten. Und der könnte noch je nach Witterungslage noch bis März andauern. Aber bis dahin sollte der Wald doch längst gerodet sein. Schließlich beginnt dann die Brut- und Setzzeit, ebenfalls keine gute Zeit für einen Kahlhieb. Wie geht es nun weiter? Landschaftsökologin Eva Kemper erklärt die nächsten Schritte.

Zunächst muss geklärt werden, ob die entdeckten Höhlen tatsächlich von schlafenden Fledermäusen bewohnt werden. Vom Erdboden aus lässt sich das auch mit einem Fernglas nicht feststellen. Daher muss nun ein Hubsteiger eingesetzt werden.Tiere umbetten

Bewohnte Höhlen werden mit der Motorsäge komplett und inklusive der Fledermäuse mit einem Teil des Stamms herausgetrennt und in einem anderen Waldgebiet wieder aufgehängt. Sollte die Fledermaus allerdings aufwachen und munter werden, wird sie ohne ihre angestammte Höhle in ein neues Winterquartier umgebettet. Das aber, so Landschaftsökologin, wäre nur die zweitbeste Lösung.

Möglicherweise werden aber in den Baumhöhlen überhaupt keine schlafenden Fledermäuse entdeckt. Dann könnten die Baumfällarbeiten umgehend wieder aufgenommen werden. "Das wäre", so Eva Kemper, "für alle Beteiligten die einfachste Lösung - auch für die Fledermäuse."Artenschutzrechtliche Prüfung

In einem Ratsbürgerentscheid 2012 hatten die Legdener mit einer Mehrheit von 57 Prozent für die Erweiterung des Gewerbegebietes Heying Esch auf Kosten des Waldes gestimmt. Das Ökon-Büro hat 2013 in der artenschutzrechtlichen Prüfung im Heying Esch den Großen Abendsegler und die Rauhautfledermaus beobachtet. Die Winterquartiere können aber erst ermittelt werden, wenn die Bäume laubfrei sind. Der Große Abendsegler (Nyctalus noctula) gilt als typische Baumfledermaus. Sie ist etwas acht Zentimeter groß. Die Spannweite der Flügel beträgt rund 40 Zentimeter. Sie ernährt sich von Nachtfaltern, Grillen und Käfern. Die Rauhautfledermaus (Pipistrellus nathusii) wird nur etwa fünf Zentimeter groß bei einer Flügelspannweite bis zu 25 Zentimetern. In Nordrhein-Westfalen gilt diese Art als gefährdet eingestuft.

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