Bildstock mit einem Rätsel

Restaurator an der Arbeit

Eine Nase hat keiner mehr – nicht Jesus am Kreuz, nicht seine Peiniger. Das wird sich ändern. Robert Wennemer restauriert den Bildstock an der Neustadt. Bürste, Pinsel, Schwamm und Spatel sind sein Werkzeug.

LEGDEN

, 07.09.2017, 19:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Restaurator und Steinbildhauer wird außerdem zwei Bildstöcke in Asbeck – am Wiesengrund und unter der dicken Linde – behutsam restaurieren. Hände werden wieder komplett, der Faltenwurf soll deutlich werden. Aber nicht jede Einzelheit soll wieder so aussehen wie bei der Entstehung.

„Um 1700 plusminus 30 Jahre“, schätzt Ludger Wennemer, Chef des gleichnamigen Steinmetzbetriebes aus Münster, das Alter des barocken Bildstocks. Er stand früher an der alten Heeker Straße und wurde umgesetzt, als 2001 die Umgehungsstraße gebaut wurde. Jetzt findet man ihn am Ende der Neustadt.

Ludger Wennemer hat sich gestern mit Bürgermeister Friedhelm Kleweken am Bildstock getroffen. Gemeinsam mit seinem Sohn Robert stößt er auf eine Ungereimtheit. Die Ornamente an der Seitenwand laufen nach oben, der Rundbogen ist ungewöhnlicherweise unten. „Es könnte sein, dass die Wände bei der Umsetzung vertauscht und deshalb auf den Kopf gestellt wurden“, vermutet er.

Dass die Kante des Giebels auf der Hinterseite herausragt und nicht vorne als schützendes Dach stärkt diese Ansicht. Fotos von dem Bildstock aus alten Tagen hat die Gemeinde Legden nicht. „Vielleicht haben ja Bürger noch alte Fotos. Das war früher ein beliebtes Motiv“, will Kleweken das Rätsel gerne noch aufklären.

„Von Lindenkraut umschattet, der kleine Bildstock ruht. Hier fand schon manche Seele zum Guten Kraft und Mut“ – so beginnt die Inschrift. Auch heute noch steht der Bildstock unter Linden. Ein schöner Arbeitsplatz für Robert Wennemer, der während seiner Ausbildung auch in Carrara, berühmt für seinen weißen Marmor, gelernt hat. Der Bildstock ist für ihn ein alltägliches Geschäft. Vorsichtig hat er mit Wasser den Baumberger Kalksandstein gereinigt. „Er ist sehr fein und relativ weich“, sagt er. Gerade deshalb sei er aber auch gut zu bearbeiten. Anschließend wird die Substanz gesichert. Injektionsmörtel wird in kleine Hohlräume unter der Oberfläche gespritzt. Schließlich schafft er mit speziellem Restauriermörtel Falten, Nasen, Hände, Ornamente.

In den Pausen geht es in Asbeck weiter

Noch die nächsten drei Wochen wird er immer wieder an der Neustadt arbeiten. In notwendigen Pausen, wenn beispielsweise Mörtel aushärtet, geht es in Asbeck weiter. Vor allem der Bildstock am Wiesengrund hat es den beiden Restauratoren angetan – gerade, weil es sich nicht um eine klassische Kreuzwegstation handelt. Das zentrale Relief ist viel älter als das Gehäuse. „Spätgotisch, um 1550“, so Ludger Wennemer. Er kennt den Bildstock gut. „1979 war die letzte Restaurierung. Damals war ich in der Ausbildung. So sieht man sich wieder“, sagt er und lacht.

Damals, so erinnert er sich, musste viel Farbe entfernt werden. „Es sind wunderschöne Skulpturen“, schwärmt er, „das war ein sehr guter Bildhauer.“ Wahrscheinlich, so sagt er weiter, stamme das Relief aus einem Innenraum, vielleicht aus einem Kreuzgang. Deutlich kann man sehen, wie hier Feuchtigkeit in den Stein eindringen konnte. Deshalb wird hier ein Zinkblech auf das Dach gelegt. Robert Wennemer betont mit Blick auf alle drei Bildstöcke: „Es ist ein sehr guter Zeitpunkt für die Restaurierung. Die Schäden sind erkennbar, aber der Materialverlust ist nicht dramatisch. Langfristig ist das kostensparend.“

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