Charolais-Bulle „Picador“: Mit Maggi und Kaffee zum Bundessieg

rnCharolais-Zucht in Legden

Bernfried Brinker aus Legden züchtet seit 27 Jahren die Rasse „Charolais“. Sein Bulle „Picador“ brachte es am vergangenen Wochenende zum Bundessieger. Geholfen haben Maggi und Kaffee.

Legden

, 18.10.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Er sei ein „kleiner Brummer“ sagt Birgit Brinker – und untertreibt damit gewaltig. Satte 522 Kilogramm bringt Picador auf die Waage. Der Charolais-Bulle ist seit dem vergangenen Wochenende Bundessieger.

Die Jury überzeugte er bei der Bundesschau im hessischen Alsfeld laut Wertung duchr seinen „hervorragenden Rassetyp, ein gutes Skelett und eine beeindruckende Fleischfülle in jungem Alter“.

Charolais-Bulle „Picador“: Mit Maggi und Kaffee zum Bundessieg

Seit 27 Jahren züchtet Bernfried Brinker in Legden-Isingort die Rasse Charolais. © Christian Bödding

Birgit Brinkers Ehemann Bernfried Brinker züchtet in Legden seit 27 Jahren „Charolais“. Damals schwenkte der heute 53-Jährige Nebenerwerbslandwirt um. „Ich hatte zwölf Milchkühe, das lohnte sich nicht mehr.“

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Um Vollerwerbslandwirt zu sein, hätte er viel Land pachten müssen. „Das wollte ich nicht.“ Doch ganz auf die Tierhaltung verzichten, das wollte der Legdener auf seinem Hof im Isingort auch nicht.

Hauptberuflich arbeitet er bei einem Bauunternehmer. Nebenberuflich schwenkte auf die Mutterkuhhaltung um.

2009 war Bernfried Brinker noch einer von neun Charolais-Züchtern im Kreis Borken. „Momentan gibt es neben mir nur noch einen weiteren“, sagt der Legdener.

40 Tiere im Stall

Über die Gründe der Betriebsaufgaben kann er nur spekulieren. „Vielleicht brachen die Absatzmärkte weg, vielleicht wurden auch die Pachtflächen zu teuer oder man schwenkte vom Zuchtvieh auf Mastviehproduktion um.“

In Brinkers Stall stehen um die 40 Tiere, Bullen, Mutterkühe und Kälber. Der Legdener vermarktet Zuchtvieh, „wenn es geht“, der Rest wird zur Schlachtung gegeben. Bullen werden im Alter von ein bis eineinhalb Jahren verkauft, weibliche Tiere etwa ab neun Monaten bis zur Kuh.

Seine Charolais direkt zu vermarkten, das hat Bernfried Brinker versucht. Ohne Erfolg. „Direktvermarktung ist relativ schwierig geworden. Die Haushalte werden immer kleiner. Fast keiner hat noch die Möglichkeit, auf einen Schlag 30 Kilogramm Fleisch einzufrieren.“

Charolais-Bulle „Picador“: Mit Maggi und Kaffee zum Bundessieg

Diverse Plaketten an der Stalltür zeugen von den züchterischen Erfolgen. © Christian Bödding

Weil fast kein Haushalt sich noch die stromfressenden Gefriertruhen leisten kann. „Acht Kilo Schnitzel und zehn Rollbraten packt sich keiner mehr weg.“ Zudem gebe es kaum noch Metzgereien, die bei der Direktvermarktung mitwirken würden.

„Ich habe mal Metzger wegen des Vertriebs von Fleischpaketen angefragt, aber es gab keinen, der bei der Herstellung mitwirken wollte.“

Mit Rückschlägen hat Bernfried Brinker in den vergangenen 27 Jahren so manches Mal klarkommen müssen. „Das gibt es immer wieder, dass man ein Kalb verliert“, nennt er einen.

Die Gründe können eine Lungenentzündung sein oder Komplikationen bei der Geburt – mit fatalen Folgen. „Das tut schon weh.“ Der 53-Jährige ist Charolais-Züchter mit Herzblut. Darum drückt er auch ein Auge zu und gibt der Mutterkuh eine zweite Chance.

Kostendeckende Zucht

„Andere würden eine solche Kuh zur Schlachtung geben.“ Er nicht. Und er weiß: „Wirtschaftlich ist das nicht prickelnd.“

Die Charolais-Zucht sei kein „Wahnsinns-Geschäft“. Die Tiere decken die Kosten, es bleibt ein bisschen für die Arbeit über. „Dann ist es aber auch schon gelaufen.“ Seine Tiere verkauft er vorwiegend nach Niedersachsen und in die östlichen Bundesländer.

Die Rasse stammt ursprünglich aus Frankreich. „Sie eignet sich sehr gut für die Mutterkuhhaltung“, sagt Bernfried Brinker. Das heißt, die Kälber bleiben fast zehn Monate lang bei der Kuh und wachsen mit der Kälbermilch auf. „Sie bekommen kein Austauschfutter.“

Charolais-Bulle „Picador“: Mit Maggi und Kaffee zum Bundessieg

Charolais auf der Weide in Isingort © Christian Bödding

Zwei Zuchtbullen aus Frankreich stehen in Legden auf der Weide, der eine fast drei Jahre alt, der andere eineinhalb. „Genügsame Tiere“, sagt der 53-Jährige. Gras, Heu, Getreidemischung, das reiche ihnen.

Allen Charolais auf seinem Hof hat er Namen gegeben, wobei er sich nach den französischen Vorgaben und dem Alphabet richtet. „In diesem Jahr fangen alle neugeborenen Tiere mit „P“ an. 2018 kamen unter anderem „Omega“ und „Oase“ auf die Welt, 2017 „Nania“ und „Nivea“, 2016 waren es „Mozart“ und Mirabel“. Das „Q“ lassen die Franzosen allerdings aus, 2020 geht es direkt mit dem „R“ weiter.

Zurück zu P und „Picador“. Was ihn zum Champion und Bundessieger macht, das weiß Bernfried Brinker ganz genau. „Seine Ausstrahlung“, antwortet der Züchter. „Die ist enorm für sein Alter.“

Gegen 54 andere Bullen sei Picador angetreten, „auch gegen wesentlich ältere. Aber er war trotzdem nicht zu schlagen.“ Insgesamt 125 Tiere waren bei der Bundesschau in Alsfeld zu sehen.

Fellpflege mit dem Hochdruckreiniger

Bei der Ausstrahlung von „Picador“ half Bernfried Brinker ein bisschen mit. Natürlich hat er den Bullen vorbereitet, hat ihn gewaschen – mit dem Hochdruckreiniger – ihn gewachst und das Fell mit Kaffee und Maggi gebräunt, damit es schön cremefarben aussieht. Mehr Tricks verrät er aber nicht, die Konkurrenz liest schließlich mit.

„Viel verwöhnen“, antwortet der Legdener Züchter auf die Frage nach seinem züchterischen Erfolgsrezept. „Andere beschäftigen sich als Hobby mit Hunden, ich beschäftige mich mit Charolais.“ Mit Erfolg. Picadors Bundessieg ist für Bernfried Brinker der dritte Bundessieg nach 2004 und 2005.

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