Christian Dieker will nicht mehr im Zölibat leben

Ab sofort kein Pfarrer mehr

Er kann nicht mehr im Zölibat leben. Christian Dieker ist seit heute kein Pfarrer mehr, der Münsteraner Bischof Dr. Felix Genn hat ihn suspendiert. Beim Gottesdienst in Asbeck am Sonntagmorgen hat Dieker öffentlich seine Entscheidung mitgeteilt.

LEGDEN

, 12.06.2016, 10:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
Christian Dieker will nicht mehr im Zölibat leben

Christian Dieker möchte nicht mehr Pfarrer sein, weil er nicht mehr zölibatär leben kann. Seit 2007 war Dieker Pfarrer in St. Brigida und St. Margareta und hat viel bewegt. Das Bild zeigt ihn 2014 vor einer Baustelle am Kindergarten am Trippelvoetsweg.

Seit 2007 war Christian Dieker Pfarrer in Legden. Im Alter von 42 Jahren trat er seinerzeit die Nachfolge von Pfarrer Hoinka an. Schon am Samstag hatte der Pfarrer die Haupt- und Ehrenamtlichen der Gemeinde St. Brigida und St. Margareta per E-Mail und Whats-App darüber informiert, dass er aus dem Priesteramt ausscheiden werde. Christian Dieker war gestern für die Redaktion nicht zu erreichen.

Diakon Josef Honermann sprach im Telefonat mit der Münsterland Zeitung in einer ersten Reaktion von einer „konsequenten Entscheidung“ Diekers. Zu der Liebe zu einer Frau zu stehen, sei „ehrlicher und aufrichtiger, als das im Verborgenen zu tun“, so Honermann. Der Zölibat, also das Versprechen der katholischen Pfarrer zur Ehelosigkeit, werde schon lange diskutiert. Er persönlich halte es für sinnvoll, die Entscheidung für oder gegen den Zölibat freizustellen. Das Leben mit der Liebe zum Beruf und zu einer Frau sei einfach ein „Riesen-Spagat“, so Honermann.

In den vergangenen Tagen hatte er darüber schon in einem Gespräch den Bischof von Münster, Dr. Felix Genn, informiert, wie die Pressestelle des Bistums am Sonntagmorgen mitteilte. Bischof Genn habe Christian Dieker nun mit Wirkung vom 13. Juni suspendiert. Mit der Suspendierung ist Dieker ab sofort die Ausübung seines priesterlichen Amtes untersagt. Bischof Genn hatte Dieker im persönlichen Gespräch ausdrücklich für seinen Dienst als Priester des Bistums Münster gedankt, heißt es in der Pressemitteilung.

"Bischof hat keine andere Möglichkeit"

Wenn ein Pfarrer angebe, das Zölibat nicht einhalten zu können oder zu wollen, habe der Bischof keine andere Möglichkeit als die Suspendierung, sagte Dr. Stephan Kronenburg, Pressesprecher des Bistums Münster, auf Anfrage der Redaktion: "Da hat  das Kirchenrecht klare Vorgaben." 

Es komme es "immer mal wieder" vor, dass Pfarrer wegen den Zölibats aus dem Amt ausscheiden. "Wir führen darüber aber keine Statistik", so der Pressesprecher. Aber in diesem Jahr sei es das erste Ausscheiden eines Pfarrers aus dem Amt wegen des Zölibats.

Pfarrer Stephan Wolf aus Schöpping verwaltet die Gemeinde 

Die Pfarrverwaltung in Legden übernimmt Pfarrer Stephan Wolf, Schöppingen. Die Stelle in Legden solle möglichst bald wiederbesetzt werden, so das Bistum.

Die Gespräche mit möglichen Nachfolgern würden unmittelbar beginnen. Das Verfahren sieht unter anderem vor, dass Diekers möglicher Nachfolger sich auch den örtlichen Gremien (Pfarreirat und Kirchenvorstand) vorstellt. In der Pfarrei Legden St. Brigida und St. Margareta leben rund 5300 Katholiken.

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Der Zölibat ist im Christentum das Versprechen, für das weitere Leben die Verpflichtung zur Ehelosigkeit zu übernehmen. Das Wort stammt aus dem Lateinischen: Caelebs heißt allein, unvermählt lebend, Caelibatus demnach Ehelosigkeit. Neben der römisch-katholischen Kirche kennen auch die orthodoxe, anglikanische und evangelische Kirche für Ordensfrauen und -männer, Eremiten, geweihte Jungfrauen und Diakonissen das Versprechen beziehungsweise Gelübde der Ehelosigkeit. Während das zölibatäre Leben in der lateinischen Teilkirche der römisch-katholischen Kirche für die Priester verpflichtend ist, gilt dies in den katholischen Ostkirchen sowie in den orthodoxen Kirchen nur für Bischöfe und Mönche sowie für Priester, die zum Zeitpunkt der Weihe unverheiratet sind. Für evangelische und anglikanische Geistliche besteht keine Zölibatsverpflichtung. Quelle: Wikipedia 

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