Der Praktikant aus Pakistan

Integration von Flüchtlingen

„Ich habe richtig Spaß daran, mit Shahnawaz Khah hier zu arbeiten. Er ist einfach klasse: aufmerksam, fleißig, interessiert. Ich bin von ihm angenehm überrascht.“ Hubert Uppenkamp macht keinen Hehl aus seiner Begeisterung über den 19-jährigen pakistanischen Praktikanten.

LEGDEN

von von Susanne Menzel

, 01.01.2017, 20:04 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Praktikant aus Pakistan

Bilden ein gutes Team: Chef Hubert Uppenkamp (r.), Shahnawaz Khah (M.) und Mitarbeiter Andreas Wolter.

Shahnawaz Khah ist über die „Perjuf“-Maßnahme der Berufsbildungsstätte Westmünsterland (BBS) und der Kreishandwerkskammer Borken vor einigen Monaten in das Coesfelder Unternehmen gekommen. Bis zum Sommer nächsten Jahres macht er in dem Unternehmen für Massivmöbelbau und Inneneinrichtungen ein bezahltes Praktikum, finanziert als Einstiegs-Qualifizierung-Jahr (EQJ) über die Arbeitsagentur. Dann kann der junge Mann als Auszubildender in dem Handwerksbetrieb starten.

Seit 2015 in Legden

„Eigentlich“, so stellt Hubert Uppenkamp klar, „nehmen wir jedes Jahr nur zwei neue Azubis auf. Mit Shahnawaz Khah machen wir allerdings eine Ausnahme. Er hat es einfach verdient.“ Der Pakistani kam im August 2015 nach Deutschland, wohnt seitdem in Legden. Glücklicherweise. Denn ein Arbeitskollege stammt ebenfalls von dort – und so können die beiden vielfach eine Fahrgemeinschaft nach Coesfeld bilden. „Shahnawaz Khah hat aber auch eine Bus- und eine Bahnkarte“, unterstreichen Anna Fleer (BOZ) und Renate Hölscher (Kreishandwerkerschaft Borken), die sich weiterhin um ihren Schützling kümmern. Der lernt jetzt im EQJ nicht nur weiter die deutsche Sprache, er besucht parallel zum Einsatz im Betrieb auch die Berufsschule. „Das Jahr ist ähnlich gestaltet wie später dann die Ausbildung. Die Inhalte gleichen auch denen im ersten Ausbildungsjahr“, erklärt Arbeitskollege Andreas Wolter. So hat Shahnawaz Khah ab August schon mal einen kleinen Vorsprung.

Spaß an der Technik

Der 19-Jährige hat vor allem Spaß an der technischen Seite seines Berufes, Maschinenarbeit interessiert ihn besonders. „Die Fachbegriffe muss man ihm kaum zweimal erklären“, lobt Chef Hubert Uppenkamp. „Wenn’s auf Deutsch nicht sofort klappt, versuchen wir’s auf Englisch. Shahnawaz Khah spricht immerhin vier Sprachen.“ In seiner Heimat, berichtet der 19-Jährige, hätten seine Eltern darauf bestanden, dass er Englisch lernt: „Dazu habe ich ein Jahr lang kostenlos in einer Apotheke ausgeholfen. Anschließend war ich fit in Englisch.“ In Deutschland möchte Shahnawaz Khah auf jeden Fall bleiben. In Legden fühlt er sich wohl, wohnt dort mit seinem Onkel und seinem Cousin in der Asylbewerberunterkunft. „Ich schaue mal, was die Zeit bringt“, gibt er sich in seinen Wünschen ganz bescheiden. Hubert Uppenkamp ist da wesentlich zuversichtlicher: „Wir werden zum ersten Mal einen Auszubildenden mit Migrationshintergrund einstellen. Wenn ich sehe, wie geschickt und aufmerksam sich Shahnawaz Khah anstellt, dann habe ich keine Bedenken. Auch die Kollegen sind voll des Lobes über ihn – selbst wenn es anfänglich Vorurteile gegeben haben sollte. Die sind längst alle ausgeräumt.“ 

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