Die Feuerwehr in der Corona-Zeit: Geschützt zum Einsatz

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Simone Schulze Beikel, Mitarbeiterin der Münsterland Zeitung, engagiert sich bei der Freiwilligen Feuerwehr. Sie gibt Einblick in den Alltag der Feuerwehren in Corona-Zeiten.

von Simone Schulze Beikel

Legden

, 13.05.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Anders als bei Polizei oder Rettungsdienst sind Feuerwehrfahrzeuge in der Regel mit mehr als zwei Personen besetzt. Die braucht man auch, um einen Löschangriff oder eine technische Rettung durchführen zu können. Doch wie machen die Feuerwehren das in Zeiten von Kontaktverbot und Social Distancing?

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Für uns Feuerwehrleute ist es normal, unter extremen Bedingungen zu arbeiten. Zu jeder Tages- und Nachtzeit, an allen Tagen des Jahres retten wir Menschen und Tiere, schützen Sachwerte oder die Umwelt und löschen Feuer. Wir stellen uns in Minuten auf die jeweilige Situation ein, erkennen, was zu tun ist, und arbeiten die Lage dann ab. Daher stellt uns die Corona-Situation als solche nicht vor ein großes Problem, zumal ja bekannt ist, wie man sich schützen beziehungsweise das Ansteckungsrisiko minimieren kann.

Viel schwieriger ist es für uns, die Fülle der erforderlichen Maßnahmen, die getroffen werden müssen, um jeden Feuerwehrmann und -frau bestmöglich zu schützen, in kurzer Zeit neben unserem Beruf umzusetzen. Dabei geht es um so banale Sachen wie die Beschaffung von Mund-Nase-Bedeckungen oder auch Desinfektionsmitteln.

Oder um die Weiterleitung von Anordnungen der Regierung und die Überlegungen, wie man auch den Übungsbetrieb wieder aufnehmen kann, ohne jeden Einzelnen einer zu hohen Ansteckungsgefahr auszusetzen. Das alles muss organisiert, kommuniziert und manchmal auch ausprobiert werden.

Abstand beim Umziehen

Wir in Legden haben in den vergangenen Tagen ein Konzept zur Wiederaufnahme des Übungsdienstes unter den momentan herrschenden Bedingungen erarbeitet. Wir teilen die Löschzüge in kleine Gruppen auf und üben dann im Rotationsprinzip mit den verschiedenen Fahrzeugen die unterschiedlichen Themen und Situationen. Beim Betreten des Gerätehauses tragen wir eine Mund-Nase-Bedeckung, beim Umziehen achten wir auf ausreichend Abstand, ziehen uns also nacheinander um, wir waschen und desinfizieren uns regelmäßig die Hände.

Sowohl auf den Feuerwehrfahrzeugen als auch im Gerätehaus steht genügend Desinfektionsmittel zur regelmäßigen Händedesinfektion bereit.

Simone Schulze Beikel am Fahrzeug: Sowohl auf den Feuerwehrfahrzeugen als auch im Gerätehaus steht genügend Desinfektionsmittel zur regelmäßigen Händedesinfektion bereit. © Markus Gehring

Besprechungen werden draußen mit großem Abstand zueinander gehalten oder neuerdings auch online. Die personelle Zusammensetzung der Gruppen wird streng protokolliert. Wir hoffen, unter diesen Bedingungen bald wieder praktisch üben zu können. Selbstverständlich freiwillig.

Wir stehen in engem Kontakt mit dem Kreis Borken, um bei einer Lageveränderung direkt reagieren zu können. Bis dahin treffen wir uns regelmäßig online und üben theoretisch. Anhand von Präsentationen werden unterschiedliche Szenarien diskutiert oder Vorgehensweisen besprochen.

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An meinem ersten Online-Seminar habe ich am Samstag teilgenommen. Eine Form des Austauschs, die ich durchaus sympathisch finde, auch wenn sie den persönlichen Kontakt niemals ersetzen kann. Nachdem die „Spielregeln“ – für die meisten ist diese Art des Austauschs ja neu – geklärt waren, haben wir genauso produktiv wie sonst, vielleicht sogar etwas disziplinierter, über die verschiedenen Themen diskutiert und unsere Ideen zum Thema Frauen in der Feuerwehr ausgetauscht.

Hilfsfristen und Schutzziele

Im Einsatz sieht die Sache etwas anders aus. Hier gilt es, Hilfsfristen und Schutzziele einzuhalten. So nennt man die Zeiten, in denen Hilfe, bestehend aus Rettungsdienst und/oder Feuerwehr, in einer Notsituation eingreifen soll. Eine Mund-Nase-Bedeckung trägt seit einigen Wochen jeder, der das Gerätehaus betritt. Die Fahrzeugbesatzung muss schon allein für den Einsatzbericht auch in nicht Corona-Zeiten festgehalten werden.

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Es gibt auf jedem Feuerwehrfahrzeug ausreichend Desinfektionsmittel zur Handdesinfektion. Benutzte Gerätschaften – besonders Atemschutzmasken, die bei Brandeinsätzen oder im Umgang mit gefährlichen Stoffen und Gütern zum Einsatz kommen – werden nach dem Gebrauch gesondert gelagert, gereinigt und desinfiziert. Gleiches gilt für Dinge, die mit Patienten in Kontakt gekommen sind.

Lediglich die Sache mit dem Abstand kann schlecht eingehalten werden, aber in diesen Situationen geht schnelle Hilfe für die Bürger vor.

Die Feuerwehren im Kreis Borken

  • Im Kreis Borken gibt es 19 Feuerwehren, je Kommune eine plus zwei Werkfeuerwehren in Gronau.
  • Insgesamt gibt es 41 Löschzüge, so nennt man die Einsatzabteilungen die in 38 Feuerwehrstandorten untergebracht sind. Die Gemeinden Legden zum Beispiel, hat zwei Löschzüge, einen je Ortsteil, Stadtlohn nur einen.
  • Vier Städte haben hauptamtliche Kräfte mit denen die jeweilige Feuerwache ständig besetzt ist und die bei einem Einsatz direkt ausrücken.
  • Die übrigen 34 Feuerwehrstandorte im Kreis beherbergen eine Gruppe Feuerwehrmänner und –Frauen die rein ehrenamtlich arbeiten. Und das auch zu Corona-Zeiten.
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