31-Jähriger tritt am Boden liegenden Mann vor Disco ins Gesicht und entblößt sich

rnLandgericht Münster

Haft statt Bewährung: Ein 31-Jähriger Stadtlohner muss für einen Vorfall vor dem Eingang des Dorf Münsterland in Legden ins Gefängnis. Seine Vorstrafen wurden ihm zum Verhängnis.

Legden

, 04.09.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Vor einem halben Jahr kam ein 31-jähriger Stadtlohner vor dem Amtsgericht Ahaus nach einer gefährlichen Körperverletzung im übertragenden Sinne noch einmal mit einem blauen Auge davon. Seine anderthalbjährige Freiheitsstrafe wurde vom Schöffengericht zur Bewährung ausgesetzt. Allerdings ging die Staatsanwaltschaft in Berufung.

Am Dienstag hat das Landgericht Münster nun das Urteil vom 7. Mai aufgehoben. Die Folge: Der 31-Jährige muss nun doch für zwei Jahre ins Gefängnis. „Wir sehen die positiven Umstände, die es für eine Bewährungsstrafe braucht, nicht. Dafür ist zu viel passiert“, erklärte der Richter nach dem Verlesen des Urteils. Auch von einem minderschweren Fall könne nicht die Rede sein.

Zwischenfall vor dem Eingang des Dorf Münsterland

Dem Stadtlohner wurde zum Verhängnis, dass er strafrechtlich alles andere als ein ungeschriebenes Blatt ist. 17 Vorstrafen zählt sein Auszug aus dem Bundeszentralregister – weitere Ermittlungen gegen ihn laufen.

Der Zwischenfall, der letztlich für das harte Urteil des Landgerichtes Münster sorgte, ereignete sich am 13. Mai 2018. Vor der Großraumdisco des Dorf Münsterland in Legden traf der nach eigenen Angaben stark alkoholisierte Stadtlohner mit seinem Cousin gegen 4.30 Uhr auf eine Damen-Gruppe.

Eine der Frauen nahm der 31-Jährige besonders ins Visier; forderte sie auf, mit ihm nach Hause zu kommen. Er ließ auch nicht von ihr ab, nachdem diese seine Avancen eindeutig zurückwies. Erst als ein Bekannter der Ahauserin sich zu ihrem Schutz als ihr Freund ausgab, entfernte sich der Stadtlohner zunächst.

Stadtlohner lässt Hosen fallen

Allerdings nur, um aus der Entfernung seine Hose und Unterhose fallen zu lassen und der Gruppe zuzurufen: „Mit meinen 23 Zentimetern stopf ich euch jedes Loch.“ Daraufhin kam es zu einem Handgemenge, bei dem eine andere Ahauserin weggestoßen wurde und ein Hämatom am Oberschenkel erlitt.

Noch übler erwischte es den Bekannten der Frauen-Gruppe, der dazwischen gehen wollte. Als er nach einer Rangelei auf dem Boden landete, trat der Stadtlohner ihm mit voller Wucht ins Gesicht. Unter anderem brach er dem Mann dabei das Jochbein. Zwei Operationen und ein einwöchiger Krankenhausaufenthalt folgten.

Angeklagter: „Ich hatte damals ein Alkoholproblem.“

Bereits vor dem Amtsgericht Ahaus hatte der 31-Jährige die Vorwürfe gegen ihn komplett eingeräumt. Zu seiner Verteidigung brachte er seinen Alkoholpegel vor: „Ich habe über den Abend verteilt 15 Whisky-Cola a 0,3 Liter getrunken.“

Der Stadtlohner erklärte vor dem Landgericht, dass er sein Alkoholproblem mittlerweile komplett im Griff habe und seit drei Monaten keinen Tropfen mehr angerührt habe. „Ich will mich unter Kontrolle halten, damit so etwas nie wieder passiert“, begründete er seine Abstinenz.

Auch seine Spielsucht gehöre der Vergangenheit an. Eine Therapie habe er dafür nicht gebraucht: „Ich habe mich selbst behandelt.“

Vorstrafen wegen Betruges, räuberischer Erpressung und Diebstahls

Vor Gericht offenbarten sich die zwei Facetten des Angeklagten. Auf der einen Seite betreibt er einen Online-Shop, der ihm ein regelmäßiges Einkommen sichert. Auch die Beziehung zu seiner Freundin in Limburg scheint gut zu laufen. Eine Hochzeit steht im Raum.

Auf der anderen Seite weisen seine Vorstrafen auf andere Charakterzüge hin. Von verschiedenen Gerichten wurde er unter anderem wegen Betruges, räuberischer Erpressung und gemeinschaftlichen Diebstahls verurteilt. Einen Türsteher der Discothek „Index“ in Schüttdorf beleidigte er zudem als „Hurensohn“, nachdem dieser ihm ein Hausverbot erteilt hatte.

Auch eine Haftstrafe, die er mit zum Sommer 2017 verbüßte, brachte keine Wende in seinem Leben. Das erkannte auch der Richter: „Wenigstens sieben Straftaten haben sie seitdem begangen. Trotz der Hafterfahrung gibt es keine Besserung.“

Bewährungshelfer stellte bedingt positive Sozialprognose

Sein Bewährungshelfer war der einzige Zeuge, den das Landgericht am Dienstag geladen hatte. Im Mai dieses Jahres hatte er dem Ahauser eine „bedingt positive Sozialprognose“ bescheinigt. Diese zog er allerdings teilweise zurück, da er erst im Landgericht von den laufenden Ermittlungen gegen seinen Klienten erfuhr.

Zwar verwies der Anwalt darauf, dass sich der Stadtlohner im Amtsgericht Ahaus bei den Opfern entschuldigt und vollumfänglich geständig gezeigt hatte. Die Meinung, dass die Entwicklung seines Mandanten „mustergültig“ sei, hatte er an diesem Tag allerdings exklusiv.

Auch der große Wunsch des Stadtlohners „nach einer letzten Chance“ reichten nicht aus, um den Richter und die zwei Schöffen von einer Bewährungsstrafe zu überzeugen.

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