Ein Buch und seine Folgen

Heimatverein entschuldigt sich

"Briefe an Rika" heißt ein Buch, das 2009 erschien und sich mit dem Schicksal jüdischer Familien befasst. Jetzt hat Josef Bücker darauf gedrängt, dass Fehler, die ihn betreffen, richtig gestellt werden. Der Heimatverein hat dies bei der Mitgliederversammlung getan.

Legden

, 18.03.2016, 17:51 Uhr / Lesedauer: 2 min
Josef Bücker vor seinem Haus am Haulingort 11.

Josef Bücker vor seinem Haus am Haulingort 11.

Manchmal sind es nur zwei Worte, die den Sinn eines Satzes ins Gegenteil verkehren. Wir und uns – zwei Worte, die nach Jahren Folgen haben. Josef Bücker will einen Fehler, zu lesen in dem Buch „Briefe an Rika“ nicht auf sich beruhen lassen. „Ich stehe in der Pflicht gegenüber meinen Vorfahren“, sagt der Legdener und spricht von Rufschädigung.

Seligmann und Rosenbaum

Das Buch ist bereits vor sieben Jahren als Beitrag des Heimatvereins erschienen. „Briefe an Rika“ beleuchtet das Schicksal der jüdischen Familien Seligmann und Rosenbaum. Jetzt hat Bücker mit Hilfe eines Rechtsanwalts eine Richtigstellung vom Heimatverein gefordert. Heinz Kroschner hat sie bei der Mitgliederversammlung verlesen. Der Vorsitzende Gerd Heuser entschuldigte sich im Namen aller Verantwortlichen.

Genau andersherum

Im Buch heißt es: „Josef Bücker weiß, dass sein Vater häufig sagte: ,wie oft uns Seligmanns, als es uns schlecht ging, Essen brachten.‘“ „Falsch“, sagt Bücker, „es war genau andersherum: Wir brachten Seligmanns Essen.“ Nachts, wenn es keiner sehen konnte, ging der Vater los.

Erinnerung ist lebendig

Einmal, so Bücker, packte Rika Seligmann den Vater und hielt ihn an der Tür zurück. Dann sei plötzlich ein Findling, von Unbekannten geworfen, geflogen. „Kinder, wenn ich den Findling auf den Kopf bekommen hätte, dann hättet ihr jetzt keinen Vater mehr“, hat Bückers Vater damals zuhause gesagt.

Und auch die Behauptung, Josef Bücker habe als Gehilfe des Bauern Lenfert beobachtet, wie Koffer von Henriette Rosenbaum in dessen Speicherkeller gebracht wurden, kann der Legdener nicht stehen lassen. „Ich war damals erst etwa neun Jahre alt.“

Buch ist vergriffen

So ganz mag man die Aufregung nicht verstehen. Das Buch ist längst vergriffen und in so manchem Bücherschrank verschwunden. Warum jetzt also? „Die Rufschädigung ist noch nicht weg,“ sagt Bücker. Man muss zurückgehen bis 2009, um das Ganze nachvollziehen zu können. Der Fehler fiel Bücker schon damals auf. „Ich bin sofort zu Alfred Janning gegangen und hab’ gesagt, das Buch muss vernichtet werden.“ Damals habe man sich auf eine Korrekturliste geeinigt. „Ich dachte, alles sei in Ordnung.“

Doch im vergangenen Jahr haben ihn sowohl ein Vetter als auch ein Nachbar darauf angesprochen. Von Korrekturlisten wussten, so Bücker, beide nichts. Er forderte vom früheren Vorsitzenden des Heimatvereins, Alfred Janning, eine Richtigstellung. Als die Frist verstrich, ohne dass er etwas hörte, schaltete er einen Rechtsanwalt ein.

Korrekturblätter beigelegt

Gerd Heuser erläutert: „Als die ersten Exemplare verkauft wurden, gab es die Korrekturblätter noch nicht.“ Außerdem wurden diese nur den eingeschweißten Exemplaren beigelegt, nicht eingeklebt. Für Heuser ist mit der Mitgliederversammlung das Thema abgeschlossen. „Korrekturblätter können bei mir, Tel. 3234, und Heinz Kroschner, Tel. 1818, angefordert werden.“ Und sollte es eine Neuauflage geben, würden die Fehler natürlich verbessert.   

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