Elisabeth Schulze Niehoff lebt mit dem Wind

Bürgerwind Isingort

Mit dem Wind hat der erste aus der langen Reihe der Schulze Niehoffs schon 1545 auf seinem Hof gelebt. Vom Wind leben werden demnächst seine Nachkommen. Sie sind eine von vier Familien, die sich zur Bürgerwind Isingort GmbH & Co. KG zusammengetan haben. Der Bauantrag für drei Windräder ist gestellt. Möglichst bald soll gebaut werden.

LEGDEN

, 23.09.2016, 18:31 Uhr / Lesedauer: 2 min
Elisabeth Schulze Niehoff  lebt mit dem Wind

Elisabeth Anna Schulze Niehoff steht auf dem Verbindungsweg zwischen Holtwick und Legden, von wo aus alle drei Windräder zu sehen sein werden. Eines von ihnen wird in Richtung des Hofs Große Puppendahl (im Hintergrund) stehen.

Seit zwei Jahren, so erzählt Elisabeth Anna Schulze Niehoff, beschäftigen sie sich mit dem Thema. Außer ihnen sind die Legdener Familien Große Puppendahl, Brüning und Wermelt dabei. Alle Hürden haben sie gemeistert. Jetzt muss es nur noch klappen, dass der Bauantrag in diesem Jahr bewilligt wird. Dann könnten sich 2017 die drei Windräder im Isingort drehen.

Auch im Bauausschuss war der Bürgerwindpark im Isingort kürzlich Thema. Bürgermeister Friedhelm Kleweken informierte über das Projekt, das bereits alle Voruntersuchungen hinter sich hat.

Der Anfang wurde ihnen leicht gemacht, so erzählt die Sprecherin der Gesellschafter. Das Leader-Projekt zur Erforschung der Potenziale für Windkraft in Ahaus, Heek und Legden beinhaltete auch die ersten Gutachten, beispielsweise über das Vorkommen von Fledermäusen.

Vorarbeit geleistet

So war schon einiges an Vorarbeit geleistet, als Bürgermeister Friedhelm Kleweken auf die Familien im Isingort zukam. „Wir wussten schon, dass es funktioniert“, erinnert sich die Landwirtin, die mit ihrer Familie zwar in Rosendahl wohnt, aber auch Legdener Boden bewirtschaftet. Denn es geht um einiges: 18 Millionen Euro werden die drei Windkraftanlagen kosten. Gemeinsam mit der Beratungsgesellschaft BB Wind aus Münster haben sich die vier Familien dann auf den Weg gemacht.

Zehn Stunden die Woche beschäftigt sie das Projekt, so schätzt Elisabeth Schulze Niehoff, die von den meisten Lisa genannt wird. Sie hat die Geschäftsführung der Bürgerwind Isingort übernommen, schließt Verträge, führt Finanzierungsgespräche. Die Rosendahlerin hat Agrarwirtschaft und Agrarmanagement studiert. Mit Michael Brüning ist außerdem jemand dabei, der sich im technischen Bereich auskennt. Wichtig war ihnen zum Beispiel, Unternehmen und Banken aus der Region einzubeziehen. „Wir wurden ins kalte Wasser gestoßen“, sagt Elisabeth Schulze Niehoff. Inzwischen sind sie alle fit in der Thematik. Sie ergänzt: „Und wir haben Gas gegeben.“ Denn mit Beginn des Jahres 2017 ändert sich das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG). Deshalb ist es wichtig, dass der Bauantrag noch in diesem Jahr bewilligt wird.

Ohne die Beratung der BB Wind, einer Tochtergesellschaft des Landwirtschaftsverbands WLV, so sagt die Landwirtin, wäre das so schnell nicht möglich gewesen. „Sie begleiten uns bei jedem Schritt“. Und es laufe so reibungslos, weil hier nur vier Familien sich schnell und unkompliziert austauschen und entscheiden können.

Windräder schon gekauft

Inzwischen sind die Windräder schon gekauft. Am liebsten würden sie sofort loslegen. „Wir werden immer wieder angesprochen“, erzählt Ehemann Berthold Schulze Niehoff: „Das Interesse ist groß.“ Denn außer den Gesellschaftern werden sich zum einen die Anwohner, zum anderen interessierte Bürger an dem Bürgerwindpark beteiligen können. Und wie steht es für diese künftigen Anteilseigner mit der Rendite? Elisabeth Schulze Niehoff kennt Berechnungen, aber schweigt dazu lieber noch. Doch so wie sie lächelt, sind die Aussichten gut.

In Legden gibt es drei Windkonzentrationszonen.
Zone I ist der Bereich Wehr bis zur Grenze zu Schöppingen. Hier stehen bereits Windkraftanlagen, weitere können nicht gebaut, die bestehenden aber ertüchtigt werden.
Zone II Isingort ist knapp 50 Hektar groß und reicht bis an die Gemeindegrenze zu Rosendahl.
Die drei Windräder dort werden jeweils 199 Meter hoch, haben eine Nabenhöhe von 134 Metern, einen Rotordurchmesser von 130 Metern und eine Leistung von 3,2 Megawatt. Die einzelnen Windenergieanlagen werden in einem Dreieck angeordnet und liegen auf Gebiet, das landwirtschaftlich genutzt wird. Zwischen ihnen liegen 383, 665 und 993 Meter.
In der Zone III Haulingort mit 16,5 Hektar sollen zwei Windkraftanlagen errichtet werden. Dort laufen aber noch Voruntersuchungen.

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