Erdverkabelung ist noch Neuland

Freilietung geplant

Sie wird eine der größten Baustellen der nächsten Jahre in der Gemeinde. Und sie erschließt technologisches Neuland. Nachdem es in Legden zuletzt ruhig um den geplanten Neubau der 380-kV-Höchstspannungsleitung geworden ist, nimmt das Projekt nun Fahrt auf. Dieter Picklapp vom Übertragungsnetzbetreiber Amprion hat in dieser Woche das Projekt im Planungsausschuss der Gemeinde Legden vorgestellt. Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten.

LEGDEN

, 06.03.2015, 18:40 Uhr / Lesedauer: 2 min

Um welche Hochspannungsleitung geht es?

Amprion plant den Bau einer neuen 380-kV-Höchstspannungsfreileitung von Wesel durch das Münsterland bis nach Meppen im Emsland. Am Niederrhein und in Raesfeld hat der Bau bereits begonnen. Der Verlauf der Trasse folgt der dem der vorhandenen 220-kV-Hochspannungsleitung aus dem Jahr 1928, die von Gescher kommend in Höhe der Waldkronensiedlung die Ahauser Straße überquert und dann westlich von Asbeck verlaufend nach Metelen weiterführt.

Warum wird die alte Stromleitung durch eine neue ersetzt?

Die fast 90 Jahre alte Leitung ist nicht mehr leistungsfähig genug. Sie wird abgebaut. Das Netz muss für den Transport der steigenden Windstrommengen von Nord nach Süd fit gemacht werden.

Was genau ist in Legden geplant?

Für die ersten zwei Kilometer auf Legdener Gebiet im Bereich der Autobahn ist eine neue Freileitung geplant. Die Masten sind 65 bis 68 Meter hoch und stehen in einem Abstand von 450 Metern. Für diesen Bereich läuft zurzeit das Planfeststellungsverfahren. Baubeginn soll im Jahr 2016 sein. Zwischen dem Beginn der Bebauung im Südwesten Legdens bis Asbeck werden fünf Kilometer Stromkabel unter die Erde verlegt. Dafür hatten sich viele Legdener Bürger und der Rat in den Jahren 2008 und 2009 stark gemacht. Die Planfeststellung für den Erdkabelabschnitt ist erst 2016, Baubeginn wohl frühestens 2017.

Warum wird nicht überall ein Erdkabel verlegt?

Das wäre nicht bezahlbar, so Dieter Picklapp. Erdkabel kosten im Vergleich zur Freileitung ein Vielfaches. 250 Millionen Euro kostet das Gesamtprojekt, die zehn Kilometer Erdkabel 100 Millionen Euro. Außerdem ist die Erdkabeltechnik bundesweit ein Pilotprojekt. Picklapp: "Das machen wir zum ersten Mal."

Können die Flächen oberhalb des Erdkabels noch genutzt werden?

Ja, aber eingeschränkt. Das Kabel liegt zwei Meter tief und ist durch eine Betonplatte geschützt. Eine landwirtschaftlich Nutzung ist oberhalb möglich. Die Leitungen werden nach Picklapps Angaben maximal 32 Grad warm. "Da werden Sie im Winter keinen Spargel anbauen können." Tiefwurzelnde Bäume oder gar eine Bebauung sind auf der 23 Meter breiten Erdkabel-Trasse allerdings nicht möglich.

Wie lange hält das Erdkabel?

40 Jahre, so Picklapp, sind vom Hersteller versprochen. Aber es fehlen noch die Erfahrungswerte. Vorsichtshalber werden auch Leerrohre verlegt, in die notfalls neue Leitungen eingezogen werden können.

Wird es während der Bauarbeiten ein kilometerlange Baugrube geben?

Nein. Es wird eine Wanderbaustelle eingerichtet. Täglich können 60 bis 70 Meter Leerrohre für zwölf parallel laufenden Adern verlegt werden. Während der Bauzeit ist die Trasse 40 Meter breit. Die Kabel werden auf Rollen angeliefert. 1100 Meter auf einer Rolle wiegen 55 Tonnen. Picklapp: "Das ist echte Schwerstindustrie".

Wie werden die Bürger informiert?

Die Planfeststellungsunterlagen für den ersten Freileitungsabschnitt liegen noch bis zum Ende des Monats im Rathaus aus (Münsterland Zeitung berichtete). Am 11. und 12. März beantwortet ein Experte des Unternehmens im Rathaus von Gescher Fragen. Wer diese Möglichkeit nutzen möchte, kann unter der kostenlosen Amprion-Hotline (0800) 58 95 24 74 vorab einen Gesprächstermin vereinbaren. In Sachen Erdverkabelung werden die direkt betroffenen Grundstückseigentümer in den nächsten Wochen von Amprion angeschrieben und informiert. Darüber hinaus wird es Bürgerversammlungen geben. Vor den Sommerferien in Metelen und Wettringen, und voraussichtlich im September in Legden.

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