Etwa 100 Essen auf Rädern kommen täglich aus dem Altenwohnhaus St. Josef

Auf den Tisch

Pastor Wolfgang Metz muss gar nicht bis an die Tür kommen. Bernd Klöpper hat einen Schlüssel und bringt ihm sein Mittagessen bis an den Tisch. Vorher wischt er diesen noch ab und legt Serviette und Besteck zurecht. Ein besonderer Service, den er gerne für den Pastor macht. Auch ein bisschen Zeit zum Quatschen hat Klöpper immer für ihn.

LEGDEN

von Von Jessica Beck

, 23.11.2013, 08:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Olaf Lindenbaum und sein Team verpacken das Essen.

Olaf Lindenbaum und sein Team verpacken das Essen.

Fein säuberlich aufgereiht warten schon die Warmhalteboxen darauf, dass sie befüllt werden. Ein Schild an jeder Box informiert darüber, wer das Essen bekommt und was darin sein soll. „Rot bedeutet Diätkost, gelb heißt halbe Portion und blau Vollkost“, erklärt Lindenbaum. Auch Sonderwünsche sind kein Problem, wie zum Beispiel laktosefreies Essen. „Wenn wir es wissen, schneiden wir das Schnitzel auch in der Küche schon klein.“ Auch die Kindergärten St. Martin, St. Brigida und St. Margareta bekommen das Essen aus dem Altenwohnhaus. Für sie gibt es aber keine einzelnen Portionen, sondern große Behälter. Um halb elf wird das Essen abgefüllt. Erst die Kindergärten, dann die Sonderwünsche und schließlich der Rest. Wie am Fließband arbeiten Lindenbaum und seine Mitarbeiter Hand in Hand. Einer stellt die Warmhaltebox hin, packt den Nachtisch und die Suppe rein und schiebt sie weiter. Lindenbaum und eine Kollegin verteilen das Essen in die Vertiefungen des Tellers. Dann kommen die Gummideckel drauf und schließlich der aus Styropor. Fertig zum Abtransport.

Seit zehn Jahren fährt Bernd Klöpper schon Essen auf Rädern aus. Flink sortiert er die Kartons in umgekehrter Reihenfolge, seine Kollegin schnappt sich die für den Außenbezirk. Schon kurz nach dem Altenwohnhaus hält Klöpper den Sprinter an, greift hinter sich nach einer Box und läuft zur Haustür. Ein kurzer Wortwechsel, die volle wird gegen eine leere Kiste ausgetauscht und weiter geht‘s. „Die Leute wollen erzählen. Viele von ihnen sind oft den ganzen Tag alleine“, erklärt der Fahrer. Wenn es eben geht, nimmt er sich auch die Zeit dafür. „Aber man hat nicht immer die Zeit dafür, sonst bekommt der Letzte sein Essen um halb zwei.“ Bei manchen Kunden bringt Klöpper das Essen bis in die Küche, bei anderen legt er die Box nur vor die Tür – je nach den Bedürfnissen des Kunden. „Mancher hat auch noch eine Aufgabe, wie eine Kiste Wasser aus dem Keller holen“, sagt er. Natürlich macht er das dann auch.

Beim ersten Kindergarten stapelt Klöpper die großen Warmhalteboxen auf einen Rollwagen und schiebt sie bis in die Küche. Keiner zu sehen. Kinder und Erzieherinnen sind beschäftigt. Kein Problem, das Essen steht bereit, sobald sie fertig sind. Im Gewerbegebiet Heying Esch hält der Asbecker an einem Haus an und sagt: „Die Frau hier wohnt auch oben, da muss ich hin. Den Schlüssel hab‘ ich in der Tasche.“ Kurz darauf ist er schon wieder da und fährt weiter zum nächsten Kunden. Dabei erzählt er, dass immer gefahren wird – egal ob Wochenende, Feiertag, Weihnachten oder Silvester. „Die Leute müssen ja essen.“ Übrigens sind es nicht nur ältere Menschen, die den Service von Essen auf Rädern in Anspruch nehmen. „Wenn einer sich zum Beispiel ein Bein gebrochen hat, dann bestellt er auch mal Essen für vier Wochen“, erzählt Klöpper. Eine Baustelle erschwert ihm die Anfahrt zu seinem letzten Kunden an diesem Tag. Vor dem Haus von Pastor Wolfgang Metz steht ein Bagger. Das hindert Klöpper aber nicht an der Auslieferung. Wie immer nimmt er sich etwas Zeit für den Pastor. Setzt sich zu ihm. „Ich bekomme schon seit zehn Jahren Essen auf Rädern. Es schmeckt immer gut“, sagt Pastor Metz. Und seit zehn Jahren bringt meist ein und derselbe die Mahlzeit: Bernd Klöpper.

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