Fabrik als Motiv der Kunst

Asbeck Kunst kennt keine Urlaubszeit. Jedoch war der informative, reich bebilderte Vortrag von Dr. Reinhold Hülsewiesche im Asbecker Dormitorium über die «Geschichte der Industriemalerei», mitten zwischen den Industriebildern von Dieter Götze, nur spärlich besucht.

10.07.2007, 17:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

Umso herzlicher wurden die Besucher von Bernhard Laukötter im Namen des veranstaltenden Heimatvereins Asbeck begrüßt. «Industriemalerei gibt es nicht in der Zunft der Kunsthistoriker, allenfalls Industriebilder», eröffnete Hülsewiesche, der in Philosophie promoviert hat, den kurzen Spaziergang durch die Kunstgeschichte.

Das Mittelbild des Altars in der Kirche St. Lorenz zu Nürnberg, datiert um 1460 und Hans Pleydenwurff zugeschrieben, zeigt als Hintergrund der Anbetung des Kindes eine Landschaft mit einer damals üblichen Drahtziehmühle.

Ältestes Beispiel

Es war das älteste Beispiel einer Industrieanlage, die Hülsewiesche in Wort und Bild den Besuchern vorstellte. Noch bis in die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts existieren solche frühindustriellen Anlagen als Detail im Hintergrund, immer eingebettet in die Landschaft, demonstrierte der Referent an Bildern von Albrecht Dürer und Pieter Brueghel.

Erst im 30-jährigen Krieg malte Alert van Everdingen die Kanonenfabrik der Schweden als erste Industrielandschaft, in der die Fabrik Hauptmotiv wurde. Mit der zunehmenden Industrialisierung häufen sich die Beispiele bis heute. Hüttenwirtschaft, Bergbau, der Einsatz von Dampfmaschinen förderten die Lust der Maler, diese visuell festzuhalten.

1912 gab es die allererste Ausstellung zum Thema im Essener Museum, übertitelt «Industrie in der Bildenden Kunst». Ein weiterer, bisher letzter Versuch, dies auch kunsthistorisch aufzuarbeiten, war der Katalog zum Ingenieurstreffen 1928, ebenfalls in Essen.

Motive häufen sich

Trotz gehäufter Beispiele von Adolph von Menzel über Francis Picabia, Marcel Duchamp, Carl Grossberg, Bauhauskünstlern bis zu Konrad Klapheck, James Rosenquist und der Industriefotografie von Bernd und Hilla Becher fehle eine kunsthistorische Aufarbeitung. «Die Bilder von Dieter Götze werben für weitere Akzeptanz dieser Gattung», schloss Hülsewiesche seinen Vortrag, der mit viel Beifall bedacht wurde. emk

Die Ausstellung «Dialog Industrie-Architektur-Kultur» von Dieter Götze im Dormitorium ist noch bis zum 5. August zu sehen. Öffnungszeiten: Di 14.30 bis 17.30 Uhr, Sa/So 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung unter Tel. (0 25 66) 90 94 19.

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