Familie Hülsken engagiert sich für Flüchtlinge

Ehrenamt in Legden

"Kannst Du ein paar Möbel transportieren?" Mit dieser Frage fing alles an. "Das ist für mich ein Klacks", so erinnert sich Josef Hülsken rund eineinhalb Jahre später an seine Antwort von damals. Ein Klacks ist es nicht, was er, seine Frau Renate und ihre Tochter Carolin seitdem leisten. Als Integrationslotsen haben sie schon vielen Flüchtlingen geholfen.

Legden

, 23.03.2017, 18:49 Uhr / Lesedauer: 2 min
Familie Hülsken engagiert sich für Flüchtlinge

Renate und Josef Hülsken in ihrem Garten - auch das ist ein Hobby des Ehepaars.

Es ist ein engagierter Kreis von Menschen aus Legden und Asbeck, die sich der Herausforderung stellen, die die Ankunft der Geflüchteten aus Asien und Afrika mit sich bringt. Jeder bringt seine Stärken ein. Familie Hülsken kann sozusagen auf dem kleinen Dienstweg untereinander abstimmen, wer was macht. Renate Hülsken betreut Familien mit Kindern und übernimmt, wenn Englischkenntnisse gefragt sind. Deutschunterricht, das überlässt sie lieber Tochter Carolin. "Ich hab' schon ungern mit den Kindern für die Schule Vokabeln geübt", sagt sie und lacht.

Mehr Zeit zu helfen

Josef Hülsken ist jemand, der anpackt. "Nachdem ich den Hof an meine Tochter abgegeben habe, habe ich mehr Zeit", sagt der 68-Jährige. Er zeigt den Neuankömmlingen, wo sie ihr Geld bekommen und wo sie einkaufen gehen können, begleitet sie zu ihrer Unterkunft. Doch das ist nicht alles.

Neugierig

Woher kommt die Bereitschaft zu helfen, sich mit fremden Kulturen auseinanderzusetzen? "Die ganze Familie ist sehr neugierig", erzählt Josef Hülsken. Sei es in der Landwirtschaft, oder in anderen Bereichen - Neues interessiert die Familie. Ängste, wie sie sie bei anderen erleben - vor dem Unbekannten, vor den Unbekannten - haben sie nicht. Renate und Josef Hülsken haben neben den eigenen Kindern Pflegekinder groß gezogen und immer wieder mal vorübergehend Menschen in ihr Heim aufgenommen. Berührungsängste hat man da nicht mehr.

Haus am Deipenbrock

Jetzt sind sie Ansprechpartner für etliche der rund 150 Flüchtlinge, die in Legden und Asbeck leben. Anfangs kümmerte sich das Ehepaar um die Bewohner des Hauses an der Stadtlohner Straße. Seitdem der Standort aufgegeben wurde und am Deipenbrock ein Haus mit Flüchtlingen bewohnt wird, haben sie es näher.

Klare Worte

Immer wieder schauen sie nach dem Rechten. Und wenn die Küche mal nicht so aufgeräumt ist, wie Renate Hülsken es gefällt, dann findet sie auch klare Worte. Zu einigen der Gäste, wie Hülsken sie manchmal nennt, bestehen freundschaftliche Beziehungen - bei aller Distanz, die bleibt. "Fremd sind sie oft", sagt der Legdener, "wie sollte es auch anders sein." Da sind der Ziegenhirte aus Eritrea, von dem sich jeder fragt, wie er es überhaupt hierher geschafft hat, oder die Ingenieure aus Sri Lanka und dem Irak. Da ist der Ehemann, der Frau und kleine Tochter abschottet - erst mal auch vor Renate Hülsken, die den Kinderarztbesuch organisieren will. Manche haben sich eingerichtet, in Deutschland zu bleiben, andere sehnen sich nach einem friedlichen Zurück.

"Nicht leben wie ein Tier"

So unterschiedlich die Menschen, so unterschiedlich sind auch die Erfahrungen, die die Integrationslotsen machen. Josef Hülsken hat schon viel dafür getan, Flüchtlinge in Arbeit zu bringen. Es hat geklappt wie bei dem Syrer, einem gelernten Elektroingenieur, der inzwischen jeden Morgen mit dem Fahrrad nach Heek zur Arbeit fährt. "Ich will nicht leben wie ein Tier, nicht nur schlafen und essen", hat er zu Renate Hülsken gesagt. Ein Moment, der sich ihr eingeprägt hat. Da ist aber auch der Flüchtling, dem Hülsken ein Praktikum vermittelt hat und der am zweiten Tag wegblieb.

Das Ehepaar ist realistisch. "50/50", sagen sie, befragt nach Erfolgen und Misserfolgen. Da sind die Enttäuschungen, wenn man sich umsonst engagiert und dafür auch andere Menschen einbezogen hat. Die Mühen bei Behördengängen. "Wenn jemand kommt mit seiner endgültigen Ablehnung und Tränen in den Augen, das tut schon weh", sagt Renate Hülsken.

Winziges und wichtiges Rädchen

Aber da sind auch die schönen Momente. Wenn Josef Hülsken bei seiner Suche nach Jobs bei fast allen Betrieben auf große Hilfsbereitschaft stößt. Wenn sie jemandem wirklich helfen konnten. "Ihre Herzlichkeit ist Belohnung", sagt Renate Hülsken. Ihr Mann überlegt kurz und sagt: "Wir sind nur ein winziges Rädchen. Aber für ein paar Leute sind wir ein wichtiges Rädchen."

 

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