Farben explodieren im Schatten

Legden Caspar Hauser steht vor der Haustür: sprachlos, aber kein bisschen verstört. Im Gegenteil: Selbstbewusst reckt er seinen roten Schopf in die Höhe und überragt sogar noch den in Pink uniformierten Major Heaphy.

20.07.2007, 20:55 Uhr / Lesedauer: 1 min

Wilhelm Hausen tritt zwischen dieses stumme Begrüßungskommitee im Vorbeet. Die Fuchsien mit den illustren Namen - jeder ist mit schwarzem Filzstift auf ein gelbes Etikett am Stamm geschrieben - reichen ihm bis zur Hüfte. Das - er deutet zu Caspar und seinen Freunden - sei nur der Anfang. "Kommen Sie mit!"

Durch das geöffnete Gartentor geht es in den Garten. Garten? Die Farben explodieren hinter dem Haus: Das Dunkelgrün des Tannenwaldes, der einen Steinwurf weiter beginnt, vermischt sich mit dem etwas helleren Grün des gepflegten Rasens und der sauber beschnittenen Buchsbäume. Vor diesem Hintergrund tanzen die weißen, rosa und roten Blüten der Fuchsien - ob aus Kübeln, Ampeln oder im Freiland. Hausen bleibt nicht stehen, sondern geht weiter - quer durch das gemütliche Idyll mit lauschigen Sitzecken - in den Wald: den Fuchsienwald.

Nicht hüfthoch, sondern mehrere Meter hoch sind die Nachtkerzengewächse im Schutz der hohen Bäume geschossen. Hausen macht seinen Besucher mit ihnen bekannt: Bianca, Bolivia, Temptation... Bei zweien verharrt er besonders gerne: Christina und Katie - nicht nur, weil es zwei seiner wenigen eigenen Züchtungen sind ("die Zucht ist langwierig und teuer, deshalb vermehre ich vorwiegend"), sondern, weil sie ihm auch besonders gut gefallen: kleine rote Blüten voller Anmut. Kein Wunder: "Ich habe sie für meine beiden Enkelkinder gezüchtet und sie nach ihnen benannt."

Familientradition

Der grüne Daumen liegt in der Familie Hausen, wie Opa Wilhelm eindrucksvoll beweist. Sein Großvater war Gärner, der Vater auch. "Ich bin mit Blumen groß geworden" - in Berlin. Nach dem Krieg verschwand der Familienbetrieb für ihn unerreichbar hinter der Mauer - und Wilhelm Hausen ging seinem Beruf in Legden nach: 50 Jahre im Dahlienzuchtbetrieb Schwieters. Doch auf seinem schattigen Waldgrundstück fühlen sich Dahlien nicht wohl. Deswegen gehörte nach Feierabend seine Leidenschaft den Fuchsien. sy-

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