Was genau im Februar 2021 auf der A31 passiert ist, blieb unklar. Per Video konnte dem 31-jährigen Mann aus Bottrop aber nachgewiesen werden, dass er einen Autotransporter bis zum Stillstand ausgebremst hatte. © picture-alliance/ dpa
Kein Fahrverbot

Faustrecht auf der A31? Busfahrer bremst Autotransporter radikal aus

Klar ist, dass ein 31-jähriger Berufskraftfahrer bei Legden einen Autotransporter bis zum Stillstand ausgebremst hat – mitten auf der A31. Trotzdem behält der Mann seinen Führerschein.

Quer über beide Fahrbahnen und die Standspur hat ein 31-jähriger Autofahrer aus Bottrop auf der A31 in Höhe Legden einen Autotransporter wüst ausgebremst und zum Stillstand gebracht. Dann gab er wieder Gas.

Zu seinem Pech hatten die Insassen des Transporters das Ganze gefilmt. Pikant dabei: Der Mann sitzt normalerweise beruflich hinter dem Lenkrad. Er steuert Reisebusse quer durch Europa. Und das wird er auch zukünftig tun: Denn vor Gericht kam er mit einer Geldstrafe davon. Weder der Staatsanwalt noch der Richter wollten ihm die Fahrerlaubnis abnehmen.

Video lieferte glasklaren Beweis für Nötigung

Auf dem Video war klar zu sehen, wie der Bottroper mit seinem BMW über ein längeres Stück die Autobahn in Richtung Emden dicht machte. Kurz hinter der Abfahrt Ahaus/Legden bremste er den Autotransporter so weit herunter, dass dieser auf dem Standstreifen stehen bleiben musste. Ganz klar eine Nötigung.

Dafür wurde der Mann schließlich auch verurteilt: 50 Tagessätze zu je 50 Euro, also 2500 Euro muss er bezahlen. Seinen Führerschein darf er behalten. Und damit auch weiter als Berufskraftfahrer arbeiten.

31-Jähriger erst mit 230, dann mit 140 km/h unterwegs

Vor Gericht gab es zwei unterschiedliche Varianten, wie es überhaupt zu der gefährlichen Situation kam. Laut Angeklagtem war er kurz zuvor mit 230 km/h in Richtung Norden unterwegs. Plötzlich sei der Autotransporter ausgeschert, ohne zu blinken.

Nur durch eine Vollbremsung habe er den Zusammenstoß verhindern können. Danach sei er mit exakt 143 km/h weitergefahren. „Um Sprit zu sparen. Und weil ich so eine Situation vermeiden wollte“, gab er vor Gericht an.

Loch im Kofferraum: Wurde auf den Pkw geschossen?

Danach habe der Autotransporter jedoch über mehrere Kilometer gedrängelt. Mit Gesten hätten ihn die beiden Insassen beleidigt und bedroht. Schließlich habe er eine Art Explosion oder Knall und kurze Zeit später einen Einschlag in seinem Auto gehört. Daraufhin habe er die Fahrer des Transporters festhalten wollen und sie ausgebremst.

Von der Standspur sei er dann zu einem nahen Parkplatz gefahren. Dort habe er tatsächlich ein kleines Loch an seiner Heckklappe entdeckt. Der Transporter sei jedoch weitergefahren. Erst die Polizei habe die Männer später anhalten können. Eine 18-jährige Kollegin saß mit ihm im Auto und bestätigte vor Gericht seine Sicht der Dinge.

Viele Widersprüche bleiben vor Gericht ungeklärt

Warum er nicht einfach wieder Gas gegeben habe, um sich der Situation zu entziehen, konnte er vor Gericht nicht erklären. Auch der Widerspruch zwischen der enormen Geschwindigkeit am Anfang und der zurückhaltenden Fahrweise nach dem Überholmanöver ließ er offen.

Ebenso konnte er nicht erklären, wie er Gesten der beiden Männer überhaupt sehen konnte: „Die waren doch links von ihnen, konnten aber nicht überholen. Das ist doch der toteste aller toten Winkel“, sagte der Staatsanwalt.

Die beiden 24 und 28 Jahre alten Brüder aus Moers, die im Autotransporter saßen, schilderten die Situation anders. Demnach habe sich der BMW-Fahrer aus heiterem Himmel vor sie gesetzt und sie ohne Grund ausgebremst. Auch das mochte der Richter nicht glauben: „Irgendetwas muss vorher passiert sein“, sagte er. Schließlich müsse es einen Anlass für die Nötigung gegeben haben. Auf keinen Fall wollten beide etwas mit dem Loch in der Heckklappe zu tun haben.

Vielen bleibt im Unklaren

Was genau passiert ist, blieb auch nach mehreren Stunden Verhandlung im Dunkeln. Richter und Staatsanwalt blieben bei dem, was beweisbar war: Die Tat, die auf dem Video zu sehen war. Und weil er bisher auch in Flensburg noch keine Eintragungen hat, zweifelte der Richter nicht an der charakterlichen Eignung zum Führen eines Kraftfahrzeugs.

Nur dann hätte er den Führerschein einziehen können. Er gab dem Bottroper aber noch ein paar Worte mit auf den Weg: „Das war saugefährlich. Lassen Sie solche Spielchen.“

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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