Freiheitsberaubung: Betrugsopfer macht sich strafbar

Boten eingeschlossen

Ein betrogener Angeklagter, Freiheitsberaubung und Sprachschwierigkeiten – vor dem Amtsgericht Ahaus wurde gestern ein Fall verhandelt, bei dem das Opfer sich in reiner Verzweiflung selber strafbar gemacht hatte.

LEGDEN

, 28.03.2017, 18:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das sahen am Ende wohl auch der Vorsitzende Richter und der Staatsanwalt. Sie einigten sich auf die Einstellung des Verfahrens und beließen es bei einer Belehrung des 56-jährigen Legdeners, der den Boten eines vermeintlichen Betrügers bis zum Eintreffen der Polizei in seiner Wohnung festgehalten hatte. Freiheitsberaubung lautete die Anklage. Der gebürtige Namibianer „hatte Probleme mit seinem Führerschein“. So drückte er es vor dem Richter aus, dass er zur Wiedererlangung seiner Fahrerlaubnis eine Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU) machen musste. Ein von ihm kontaktierter Psychologe stellt einen Termin erst in einigen Wochen in Aussicht und so suchte die Tochter des Angeklagten „eine schnellere Lösung“. Im Internet wurde sie fündig.

3400 Euro weg

Ihr Vater, der Angeklagte, traf sich ein paar Tage später in Gronauer Gewerbegebiet mit dem Mann, der für diesen ersten Kontakt schon 240 Euro von dem Legdener erhielt. Insgesamt verlangte der Mann 3400 Euro von dem 56-Jährigen für seine Hilfe bei der MPU. Die lieh der Legdener sich bei Freunden und Bekannten zusammen. „Den Mann habe ich nicht mehr wiedergesehen“, schilderte der Angeklagte, dass er nach der Geldübergabe keinen Kontakt mehr zu dem vermeintlichen Helfer herstellen konnte. Aber: Nach mehr als drei Monaten erreichten den Legdener Dokumente, die er seinem Anwalt übergeben sollte. Darunter eine Fahrschulbescheinigung des Gronauers.

Den Schlüssel umgedreht

„Ich war nie in der Fahrschule“, erkannte der Angeklagte selber, dass etwas nicht stimmte. Als der Gronauer dann kommen wollte, um einen Teil der Dokumente wieder abzuholen, drehte der Legdener den Schlüssel in seiner Wohnung zweimal um und steckte ihn in die Tasche. Zuvor hatte er die Polizei alarmiert. Sein Pech: Bei dem Abholer handelte es sich nur um einen Bekannten des Betrügers, der allein wusste, dass er einen Brief abholen sollte. Der Mann hatte in den 10 bis 20 Minuten seiner Gefangennahme „richtig Angst“, wie er gestern vor dem Richter aussagte. Erst als er von dem Angeklagten hörte, dass die Polizei kommt, habe er sich „etwas erleichtert gefühlt“.

Tränen am Sitzungsende

„Das ist eine Straftat“, versuchte der Richter dem Legdener über eine Dolmetscherin die Freiheitsberaubung zu erklären. „Ich habe nichts Schlechtes getan“, fand der 56-Jährige, der nur sein Geld von dem Betrüger zurückhaben wollte. „Sie fühlten sich im Recht und übers Ohr gehauen“, sagte der Richter, betonte aber, dass der Angeklagte trotzdem eine Straftat begangen hatte. „Der Mann hat 3400 Euro von mir und ich habe nichts dafür bekommen“, brach der Angeklagte am Ende der Verhandlung in Tränen aus. „Sie sind möglicherweise einem Betrüger aufgesessen. Aber da können wir hier nichts machen“, meinte der Richter, darauf hinweisend, dass es gestern nur um Freiheitsberaubung ging. 

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