Führerscheinprüfung mit 35 Jahren Erfahrung

Fahrtest

Wie können Sie beim Fahren gefahrlos feststellen, ob die Fahrbahn vereist ist? Ok, das ist noch einfach. "Kräftig Gas geben" kann nicht die richtige Antwort sein. Andere Prüfungsfragen sind schwieriger. Schnell häufen sich die Fehlerpunkte. Nur gut, dass ich meinen Führerschein schon in der Tasche haben.

LEGDEN

, 05.02.2016, 17:29 Uhr / Lesedauer: 2 min
Führerscheinprüfung mit 35 Jahren Erfahrung

Redakteurin Ronny von Wangenheim hat in Andre Jungs Fahrschulauto den Test gemacht.

Meine Prüfung liegt allerdings schon mehr als 35 Jahre zurück. Mein Führerschein ist keine schicke Plastikkarte, sondern noch der sprichwörtliche "graue Lappen". Auch wenn ich das Rentenalter noch nicht erreicht habe: Die Meldungen, dass die Grünen einen Pflicht-Test für ältere Autofahrer fordern, hat mich aufgeschreckt. Zeit für einen kurzen Check.

Durch die Straßen von Legden

Andre Jung, Inhaber der gleichnamigen Fahrschule, lenkt mich durch die Straßen von Legden. Allzu große Tücken sollten nicht auf mich warten, aber immerhin bin ich ortsfremd. Also geht es erst mal vom Parkplatz am Rathaus ganz langsam los. Ein erstes Lob: Ich habe auf rechts vor links geachtet. Doch schnell weist mich Andre Jung auf die großen Ziffern über dem Lenkrad hin. 57 km/h leuchtet da auf - ehrlich gesagt nicht zu schnell für mich, aber eindeutig für den Fahrlehrer.

Gut, dass es erst einmal in eine 30 km/h-Zone geht. Gemächlich genug, um über die Vorschläge der Grünen zu reden, für Menschen ab 75 Jahren generelle Fahrtests einzuführen, weil ab diesem Alter die Unfallhäufigkeit signifikant steige. Und auch Unfallforscher hatten Ende Januar vor dem Verkehrsgerichtstag in Goslar eine gesetzliche Verpflichtung zu Testfahrten mit geschulten Beobachtern gefordert.

"Alter fängt im Kopf an"

"Fahrtests werden sich nicht durchsetzen lassen", sagt Jung und ist damit ganz auf der Linie des Bundesverkehrsministeriums. "Pflicht-Tests für Senioren am Steuer wird es nicht geben", teilte das Ministerium mit. "Wir setzen auf Freiwilligkeit."

"Alter fängt schließlich im Kopf an", sagt Jung. Er kennt 75-Jährige, die versiert jedes Jahr tausende Kilometer fahren. Aber natürlich wird er ab und zu auch angesprochen, ob er dem Vater, der Mutter nicht das Autofahren ausreden könne. Das macht er nicht. Mit dem Führerschein, so Jung, hat man "den Geschmack von Freiheit und Abenteuer". Und wer will sich den schon nehmen lassen.

Mehr ältere Fahrschüler

Er und seine Kollegen stellen allerdings fest, dass häufiger ältere Autofahrer in ihre Fahrschulen kommen. Sie wollen sehen, ob sie noch fit für den Verkehr sind. Jung erzählt von einer Frau, die nach längerer Krankheit noch einmal im sicheren Auto des Fahrlehrers Praxis sammelt. Eine andere ältere Fahrschülerin, die einen neuen Job hat, übt den ungewohnten Weg. Alltägliche Ziele wie den Supermarkt oder die Apotheke fährt er häufig in solchen Fällen an.

Wir biegen inzwischen auf die Landstraße ein. Keine Zeit mehr zu plaudern. "Hätten Sie den Radfahrer rechtzeitig gesehen", mahnt Jung und wenig später, inzwischen wieder im Zentrum Legdens, erwischt es mich dann doch. Ich versäume die Wartepflicht. Ich habe zwar niemanden gefährdet, aber in einer Prüfung hätte Jung gebremst. Das heißt: durchgefallen. Zu viele Punkte habe ich auch beim Theorietest. "Keiner, der länger seinen Führerschein hat, würde heute bestehen", behauptet der Fahrlehrer. Immerhin: Mit ruhigem Gewissen schickt er mich wieder auf die Straße. Glück gehabt.

 

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