Till Honermann ganz nah bei den Tieren in seinem Ausbildungsbetrieb in Velen © privat
Ausbildung

Für Till Honermann aus Legden ist Landwirt (s)ein Traumberuf

Landwirtschaft ist häufig in den Schlagzeilen. Und nicht nur positiv. Ist Landwirt dennoch ein Traumberuf oder eher ein Albtraum? Till Honermann aus Legden hat die Frage für sich beantwortet.

Till Honermann ist 19 und hat ein ganz klares Berufsziel: Landwirt. Trotz aller Herausforderungen, die dieser Berufsstand erlebt, gab es für ihn eigentlich keine echte Alternative. Till kommt vom Hof. Genauer: Der elterliche Betrieb betreibt Milchvieh-Haltung plus Nachzucht und Ackerbau. Insofern ist ihm von Kindesbeinen an vertraut, was es bedeutet, in heutiger Zeit als Landwirt zu bestehen.

Seine Haltung dazu: „Ja, ich weiß, dass es uns nicht einfach gemacht wird, dass es Druck von allen Seiten gibt, aber das spornt mich sogar an.“ Auch um zu zeigen, wie er sagt, dass Landwirt immer noch einer der schönsten und abwechslungsreichsten Berufe sei.

Harte Zeiten für Landwirte

Die Situation sei für viele Landwirte momentan prekär, einige Betriebe hätten schon aufgegeben, weitere folgten sicher noch. Die Auslöser: ständig sinkende Preise für Schweine und Milch zum Beispiel, Verbraucher, die sich für Tier- und Umweltschutz stark machten, aber nicht bereit seien, den Preis dafür zu bezahlen, und immer mehr Bürokratie.

Er habe sich die Entscheidung, die Ausbildung zu absolvieren, daher wirklich nicht leicht gemacht. Von den Eltern sei auch kein Druck in diese Richtung gekommen. Schließlich aber sei ihm klar geworden: „Ich bin gerne bereit, das Risiko anzunehmen.“

Ob das auch irgendwann in die Nachfolge auf dem Familienbetrieb mündet, sei noch nicht klar, aber auch nicht ausgeschlossen. Bei seinen Geschwistern, die Schwester ist 17, der Bruder 12 Jahre alt, sei auch alles noch offen. Und irgendwie habe er schnell herausgefunden, dass er auf jeden Fall etwas in der Branche machen werde.

Letztlich hätten ihn aber auch Praktika, in denen er andere Berufsfelder ausprobiert habe, darin bestärkt. Zum Beispiel sei ihm das durch ein Praktikum im Bereich Landmaschinentechnik bei der Firma Kemper bewusst geworden: „Mit Maschinen beschäftige ich mich auch gerne, aber mit Tieren zu arbeiten, das hat mich am meisten gereizt.“

Kein Druck von den Eltern

Die Entscheidung für den landwirtschaftlichen Berufsweg kam dann auch bei Till Honermanns Eltern gut an: „Sie haben es mir aber immer offengelassen, was ich machen möchte.“ Nach dem Realschulabschluss 2018 und dem Fachabitur startete er die landwirtschaftliche Ausbildung 2020. Jetzt befindet er sich im dritten Lehrjahr und sammelt auf dem Ausbildungsbetrieb von Michael Jünck in Velen neue Erfahrungen: „Natürlich geht es hier auch um einen Milchviehbetrieb, aber die Landwirtschaft ist so vielfältig und jeder Betrieb setzt die Dinge eben auch wieder anders um.“

Vier Klassen in der Berufsschule in Münster

Offenbar befindet er sich mit seinem Berufswunsch in guter Gesellschaft, denn in der Berufsschule in Münster, die Teil der Ausbildung ist, drückt er zurzeit mit 20 Schülern und Schülerinnen in insgesamt vier Klassen die Schulbank, um dem Abschluss als Landwirt auch in der Theorie näher zu kommen. „Münster ist auch wirklich groß“, sagt er.

Kein enormer Zulauf so wie in Sachsen erkennbar

Dass es aber neuerdings zu einem enormen Zulauf auf den Beruf als Landwirt gekommen sei, wie jüngst aus einigen Regionen in Sachsen berichtet wurde, habe er allerdings nicht festgestellt. Ein Exot sei er mit seinem Berufsziel aber in seinem privaten Umfeld auch nicht: „Ein Großteil der Freunde sind nicht Landwirte, aber haben irgendwie einen Bezug zur Landwirtschaft. Wir sind hier im Münsterland.“

Seine weiteren Pläne: „Eigentlich würde ich ganz gerne weitermachen und die Fachschule in Borken als staatlich geprüfter Betriebswirt abschließen.“ Dafür ist ein praktisches Jahr als Geselle Voraussetzung. Das könnte er zu Hause, aber auch auf einem anderen Betrieb realisieren. Das alles untermauert, dass Landwirt wirklich Till Honermanns Traumberuf ist.

  • Die Zahlen der Ausbildungsverträge, die die Landwirtschaftskammer NRW dokumentiert hat, zeigt eigentlich keine großen Ausreißer nach oben oder unten.
  • Am 31. Dezember 2010 wurden 1382 junge Menschen zum Landwirt/zur Landwirtin ausgebildet, 2015 gab es einen Höchststand mit 1599; in den vergangenen drei Jahren gab es 1488; (2018), 1.448 (2019) und 1429 (2020) Landwirte-Azubis im Kammerbereich.
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