Gemeinde sucht ständig Häuser und Wohnungen für Flüchtlinge

Dezentrale Unterbringung

Wenn Friedhelm Kleweken über die Herausforderungen für 2016 spricht, kommt er nicht am Thema Flüchtlinge vorbei. Knapp 160 Flüchtlinge aus mehr als 20 Nationen leben inzwischen in Legden und Asbeck.

19.01.2016, 18:38 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Im Augenblick ist die Zuweisung nicht so groß. Aber fünf bis sechs kommen pro Woche“, sagt Bürgermeister Friedhelm Kleweken. Bis jetzt ist es gelungen, alle dezentral unterzubringen. Im ehemaligen Pastorat in Asbeck genauso wie in angemieteten Wohnungen und Häusern. Zehn Übergang

seinrichtungen und private Wohnungen nennt Kleweken. „Wir sind immer auf der Suche nach neuen Wohnungen und Häusern, zum Mieten oder Kaufen“, sagt der Bürgermeister und erzählt, dass gerade wieder zwei Häuser erworben wurden. Sie werden jetzt hergerichtet.

Appell an Legdener

Auch beim Neujahrsempfang am vergangenen Sonntag im Dormitorium hat er einen entsprechenden Appell an die Gäste gerichtet. „Wir bemühen uns, den Immobilienmarkt zu durchforsten.“ Noch ist es gelungen, nicht nur einfach auf die Lage reagieren zu müssen. „Mit einer großen Kraftanstrengung“, wie Kleweken sagt und lobt zum einen seine Mitarbeiter im Rathaus, aber auch die vielen ehrenamtlichen Helfer. „Doch wenn in diesem Jahr wieder eine Million Menschen nach Deutschland kommen, wird es schwierig.“ Auf jeden Fall vermeiden will Kleweken, dass eine Turnhalle für Flüchtlinge genutzt werden muss. Sie seien zu wichtig für Schulen und Sportvereine. Auch die Errichtung von Wohncontainern hält er für keine gute Lösung. Sie könnte jedoch unvermeidbar werden.

Ehemalige Schulpavillons belegt

In den ehemaligen Schulpavillons neben der Brigidenschule leben inzwischen Flüchtlinge. Die Entscheidung, die von der Schule nicht mehr benötigten und eigentlich zum Abriss bestimmten Gebäude für Flüchtlinge zu nutzen, war im vergangenen Herbst nicht unumstritten. Nach der Ratsentscheidung waren die Pavillons hergerichtet und mit Toiletten und Duschgelegenheiten ausgestattet wurden. Die Klassenräume wurden aufgeteilt, dass jeweils zwei bis vier Personen dort leben können. Vor Weihnachten zogen die ersten Flüchtlinge ein. Elf Männer sind es zurzeit. Für 18 ist, so Kleweken, maximal Platz.

In Abstimmung mit der Schulleitung, so der Bürgermeister, hatte die Gemeinde an die Eltern der Brigidenschüler geschrieben. „Wir nehmen die Sorgen und Ängste der Eltern ernst“, sagt Kleweken. Nach den ersten Wochen hat er ein „friedvolles Miteinander“ festgestellt.

Integration ist ein wichtiges Ziel. „Sie funktioniert in den Kindergärten und Schulen sehr gut“, betont Kleweken. Für Flüchtlinge mit einer hohen Bleibeperspektive gibt es Intensiv-Sprachkurse. Nächstes Ziel ist, Arbeit für sie zu finden.

Integration Point

Dazu hat jetzt die Arbeitsagentur in Kooperation mit dem Kreis Borken und den Kommunen das Pilotprojekt „Integration Point“ gestartet. Hier wird nach Ausbildungsstand, Sprachkenntnissen, Können und Interessen gefragt und ein genaues Profil der Flüchtlinge erstellt. Anschließend können Praktika vermittelt oder berufsbegleitende Sprachkurse angeboten werden. Bocholt machte kürzlich den Anfang. Im Laufe des Jahres wird auch Legden an der Reihe sein. Etliche Flüchtlinge, so Kleweken, haben bereits eine Beschäftigung gefunden. Einige jobben im Dorf Münsterland, andere übernehmen auf dem Bauhof leichte Tätigkeiten.

Es bleibt viel zu tun. Kleweken hat es beim Neujahrsempfang so ausgedrückt: „Die Integration wird Jahre dauern, vielleicht eine ganze Generation.“   

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