Gezogene Zähne auch für Arzt teuer

Legden Darf ein Zahnarzt ohne Zustimmung des Patienten oder seines Betreuers Zähne ziehen? Mit dieser Frage musste sich heute das Schöffengericht in Ahaus befassen. Angeklagt war ein Zahnarzt, der einer an Demenz erkrankten Bewohnerin eines Altenheims in Legden 14 Zähne gezogen hatte, ohne sich vor die Zustimmung des rechtlichen Betreuers einzuholen.

06.01.2009, 16:16 Uhr / Lesedauer: 1 min

Die Sache zur Anzeige gebracht hatte der Sohn der Patientin, ein Jurist, der als ihr Betreuer eingesetzt ist und als Nebenkläger auftrat.

Ein Arzt dürfe ohne Zustimmung des Patienten - in diesem Fall des Betreuers - keinerlei Eingriffe in die körperliche Unversehrtheit eines Menschen machen, belehrte der Richter den Angeklagten zum Auftakt der Verhandlung. Dabei spielten aus strafrechtlicher Sicht die Motive für den Eingriff eine eher untergeordnete Rolle, hieß es.

"Götter in Weiß"

Der Begriff "Mein Körper gehört mir" sei durch das Grundgesetz geschützt und müsse Bestand haben. Und "Götter in Weiß" dürfe es in Deutschland nicht geben.

In seiner Vernehmung führte der Zahnarzt aus, dass er die Patientin seit 2004 wegen Parodontose in Behandlung gehabt habe. Dabei habe sich gezeigt, dass sich der Zustand der Zähne trotz aller Bemühungen seinerseits im Lauf der Zeit so weit verschlechterte, dass er als einzige Möglichkeit die Extraktion gesehen habe, um weiteren Schaden von der Patientin abzuwenden und die Entzündung im Mund zu stoppen.

"Riesenversäumnis"

Über diesen Therapie-Weg habe er Heimleitung und zuständige Betreuerin im Sommer 2006 auch informiert. Dass er aber vor dem Eingriff selbst kein Einverständnis eingeholt habe, nannte er ein "Riesenversäumnis". Bei so einem großen Eingriff hätte selbst das O.K. des Betreuers nicht ausgereicht, da wäre die Zustimmung eines Richters nötig gewesen, stellte das Gericht klar.

Die Nebenklage stellte die Notwendigkeit der Therapie in Frage, denn es gäbe bei Parodontose verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Dieser Argumentation wollte das Gericht nicht folgen. Es sei davon auszugehen, dass bei Alzheimer-Patienten die Extraktion als Mittel der Wahl bleibe, während bei Patienten, die eine Behandlung aktiv unterstützten, andere Therapien möglich seien. Auf Antrag der Verteidigung wurde das Verfahrens gegen die Zahlung eins Bußgelds von 5000 Euro eingestellt. jok

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