Greifvögel mit E605 getötet

Illegales Gift

Woher das Gift stammt, ist unklar, sicher aber ist: Die im Frühjahr tot aufgefundenen Greifvögel wurden vergiftet. E605 führt der toxikologische Abschlussbericht auf, der auch der Münsterland Zeitung vorliegt. Für den örtlichen NABU-Vertreter Anlass, eine dringende Warnung auszusprechen. Denn: E605 ist ein Kontaktgift - und illegal.

LEGDEN/HEEK

, 29.09.2016, 17:16 Uhr / Lesedauer: 1 min

"Das ist kein Kavaliersdelikt", betont Heinz Nottebaum. Der Vertreter des Naturschutzbunds Deutschland in Legden (NABU) warnt jeden davor, das verbotene Pflanzenschutzgift E605 in Umlauf zu bringen. Nicht allein, weil er sich damit strafbar macht, sondern auch der Gefahren wegen: "Mir liegt daran, dass die Bevölkerung weiß, dass immer noch Menschen im Wald mit E605 hantieren."

"Das ist eine Straftat"

Der Legdener hatte nach einem längeren Urlaub davon erfahren, dass die im Frühjahr tot aufgefundenen Mäusebussarde mit E605 vergiftet wurden (wir berichteten). Der Naturschützer zeigt sich erschüttert von der "Unverfrorenheit", mit der offenbar vergiftete Köder ausgelegt wurden, um die geschützten Greifvögel zu töten. "Das ist eine Straftat", sagt er. Und was noch schlimmer ist: Auch für Menschen ist das Gift bei entsprechender Dosis tödlich. Es reiche, damit in Berührung zu kommen. Nottebaum denkt dabei etwa an Kindergartengruppen, die zu Naturerkundungen in den Wald gehen. "Das ist ein Kontaktgift."

Komitee gegen den Vogelmord eingeschaltet

Zum Hintergrund: An den Ostertagen im März waren an zwei Stellen im Legdener und Heeker Gemeindegebiet insgesamt vier tote Mäusebussarde gefunden worden, die Zeichen einer Vergiftung aufwiesen. Der Heeker Herbert Moritz hatte daraufhin das "Komitee gegen den Vogelmord" eingeschaltet, das in staatlichem Auftrag die illegale Verfolgung von Greifvögeln bekämpft. Die Bussarde aus Legden kamen zur toxikologischen Untersuchung zum Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt. Am 10. Mai dann das Ergebnis: "Bei dem nachgewiesenen Wirkstoff handelt es sich um das parathionhaltige Pflanzenschutzmittel E605. Somit kann hier abschließend der Verdacht einer Vergiftung als Todesursache bestätigt werden." Nottebaum glaubt, dass der Schuldige unter den Jägern zu suchen ist, denen Greifvögel oft ein Dorn im Auge sind. Er appelliert an deren Einsicht: "Da wäre mal ein Ehrenkodex fällig."

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Substanzen wie E 605 und andere Carbamate sind seit Jahren verboten.
Restbestände aus früheren Jahren könnten noch bei Landwirten oder Gartenbaubetrieben lagern, vermutet Axel Hirschfeld vom Komitee gegen den Vogelmord.
Das Geschäft mit den früher als Pflanzenschutzmittel eingesetzten Giften blüht im Verborgenen weiter: aus China, der Schweiz oder Belgien gebe es immer wieder illegalen Schmuggel mit Giften.
Von 1000 Fällen illegal getöteter Greifvögel in Deutschland sind laut Hirschfeld 347 im Labor als „gesicherte Vergiftungen“ festgestellt worden.
27 Mal davon wurde E 605 als Ursache ermittelt (Carbofuran: 96; Aldicarb: 36).
Die Aufklärungsquote geht gegen Null: Nur ein rechtskräftiges Urteil steht den ermittelten Vergiftungen gegenüber.
Problematisch ist zudem, dass vergiftete Vögel selbst zu Giftködern werden, wenn Aasfresser sie finden. 

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