Großer Bahnhof für Hermann Hinse

Eisernes Priesterjubiläum

Acht oder neun Jahre alt war er, da sprach ihn der Gemeindepfarrer auf dem Schulhof an. „Willst Du nicht so jemand werden wie ich“, fragte er den kleinen Hermann Hinse. „Ja, habe ich gesagt“, so erzählt er, „und das habe ich durchgehalten bis heute.“ Am Sonntag feiert der Legdener sein Eisernes Priesterjubiläum.

LEGDEN

, 04.08.2017, 18:04 Uhr / Lesedauer: 2 min
Hermann Hinse feiert sein Eisernes Priesterjubiläum.

Hermann Hinse feiert sein Eisernes Priesterjubiläum.

Großer Bahnhof für Hermann Hinse: Mit der Kutsche wird es morgen zum Festgottesdienst um 10.30 Uhr in die Kirche St. Brigida gehen. Es ist ein besonderer Tag für den Pfarrer: Vor 65 Jahren wurde er in Münster zum Priester geweiht. 40 waren sie damals, so erinnert er sich, „das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen.“ Heute leben noch sieben.

Emeritiert, aber nicht untätig

91 Jahre ist er inzwischen und längst emeritiert. Untätig ist er nicht. Im Altenwohnhaus St. Josef, wo er im betreuten Wohnen in einer kleinen Wohnung lebt, feiert er regelmäßig Gottesdienste. Immer wieder mal hat er sich vorgenommen, kürzerzutreten. Zuletzt hatte er das an seinem 90. Geburtstag angekündigt. Doch er wird gebraucht. Mit kleinen, schnellen Schritten eilt Hermann Hinse zur Kapelle im Altenwohnhaus. Eine Bewohnerin spricht ihn an, bittet um einen Besuch bei ihrem Mann. Hinse hört zu, erzählt, wie er zuletzt den Mann angetroffen hat. Bald wird er wieder vorbeischauen. Dann steht er in der Kapelle. Dort wird jeden Samstag die Vorabendmesse gehalten. Auch Legdener, die nicht im Altenwohnhaus leben, kommen dazu.

"Bis ich 100 werde"

Manchmal sind es 50 Menschen. Und in die Zimmer wird die Messe auch übertragen. Überlegungen, diese Vorabendmesse wegfallen zu lassen, kann Hinse nicht verstehen. Es sei ein wichtiger Termin für viele der Bewohner. „Ich möchte noch mehrere Jahre die Samstagsgottesdienste mit kurzen Predigten übernehmen“, sagt er, überlegt kurz und lächelt: „Bis ich 100 werde. Schreiben Sie das ruhig.“

Bruder Elija Pott hält die Predigt

Am Sonntag  wird er keine Predigt halten. Dafür kommt Bruder Elija Pott vom Kloster Nütschau nach Legden. Die beiden kennen sich aus Dörenthe, wo Hinse 21 Jahre als Pfarrer gearbeitet hat. „Ich habe ihn begleitet von der Erstkommunion bis zur Priesterweihe“, erzählt er. Damals hat Hinse die Primizpredigt in Dörenthe gehalten, jetzt kann sich der Benediktiner-Pater revanchieren.

Viele Erinnerungen hat Hermann Hinse. An seine Priesterweihe 1952, die in der Lamberti-Kirche in Münster stattfand, weil der Dom noch zerstört war. An seine erste Kaplanstelle in Wettringen, wo die Schwester des Pfarrers ein strenges Regiment führte. „Pünktlich um 10 Uhr abends wurde die Türkette vorgelegt. Einmal kam ich zu spät, da musste ich mir eine andere Unterkunft für die Nacht suchen“, sagt er und lacht.

Nur ein paar Tage an der Front

Und dann taucht immer wieder Dörenthe auf, das ihm in 21 Jahren zur Heimat wurde. Die Kolpingsarbeit war ihm dort wichtig, erinnert er sich. Und die Begegnung mit den Messdienern. Jetzt am Sonntag erwartet er viele Gäste aus seiner ehemaligen Gemeinde. Nicht dabei sein kann Maria Dinkler, die Hinse bis zu ihrem Tod im vergangenen Dezember 56 Jahre als Haushälterin begleitet hat. Aber auch die Kriegszeit ist nicht vergessen. Vor die Aussicht gestellt, zur Waffen-SS zu müssen, meldeten er und sein Bruder sich freiwillig als Offiziersanwärter. Hinse landete bei der Fliegertruppe, besuchte Lehrgänge. Zum Fliegen ist er nicht mehr gekommen. „Ich musste nur ein paar Tage an die Front“, ist er noch heute dankbar „dass ich niemanden erschießen musste.“ Sein Versprechen, Pfarrer zu werden, das hat ihn durch diese Zeit begleitet und gestützt, sagt er. Nach seinem Berufswunsch gefragt, habe er Offizier angegeben. Gedacht hat er im Stillen „Offizier in der Kirche Jesu Christi“. Und so ist es gekommen.  

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