Großer Mann auf kleinem Stühlchen

Spahn besucht Kindergarten

Jens Spahn ist beeindruckt. „Das ist der größte, massivste Kindergarten, den ich seit Langem gesehen habe“, sagt er am Montag bei seinem Besuch im Haus des DRK am Roggenkamp.

LEGDEN

, 18.09.2017, 18:37 Uhr / Lesedauer: 2 min
Jens Spahn besucht den DRK-KIndergaften in Legden und bekommt auch ein Bild geschenkt.

Jens Spahn besucht den DRK-KIndergaften in Legden und bekommt auch ein Bild geschenkt.

Der CDU-Politiker steckt mitten in der heißen Endphase des Wahlkampfs. Acht Termine stehen Montag auf seinem Programm. Es wird ein langer Tag werden. Um 8 Uhr morgens steht er im Eingang des neuen DRK-Kindergartens.

Auch Bürgermeister Friedhelm Kleweken ist gekommen. Man kennt sich seit 20 Jahren, der Ton ist locker. Ein Vater kommt herein. Im Arm seine nach der Mama schreiende Tochter. „So war ich auch früher“, sagt Spahn und lacht. Dirk Holz, Fachleiter des Bereichs Kinder- und Jugendhilfe beim DRK Borken, führt durch die Räume.

Neuer Name

Seit Kurzem, so erzählt er dem Gast, gibt es auch einen Namen: „Haus Mühlenbach“. So heißt der Kindergarten und so heißt das ganze Haus. Es sei ein guter Name, auch für die Wohngruppe für sieben Jugendliche mit Autismus, speziell Asperger-Syndrom, die im zweiten Obergeschoss eingerichtet wird.

Jens Spahn fragt nach. Ja, so antwortet Holz, es gibt bereits zwei Anmeldungen und 2018 soll die Wohngruppe voll sein. „Es gibt nur zwei, drei Einrichtungen dieser Art im Land“, sagt er nicht ohne Stolz. Menschen mit Asperger hätten Schwierigkeiten in der sozialen Interaktion, sie seien aber normal bis hoch-intelligent. „Werden solche Spezialbegabungen gefördert?“, fragt Jens Spahn. Dirk Holz: „Wir therapieren die Jugendlichen auch. Aber uns geht es vor allem um die Förderung der sozialen Interaktion.“

Bild als Geschenk

In einer der beiden Kindergartengruppen trifft die Gruppe wieder auf das kleine Mädchen, das so nach seiner Mutter schrie. Inzwischen sitzt es sicher und ruhig im Arm der Erzieherin Anna Heimann. Sie und andere Kinder schauen vorsichtig zu dem großen Mann im dunklen Anzug, der auf dem kleinen Stühlchen etwas merkwürdig aussieht. Doch dann bricht ein Mädchen den Bann, zeigt Spahn ihr Bild von einem Regenbogen und gibt es dem Politiker mit großer Geste: „Für dich“. Und malt gleich wieder los.

Zeit für den 37-Jährigen, sich mit Ann-Christin Hahn zu unterhalten. Sie leitet den Kindergarten, in dem sieben Erzieherinnen arbeiten. 70 Bewerbungen habe es gegeben, hört Spahn staunend. „War auch ein Mann darunter?“. Ann-Christin Hahn verneint. Und noch ein Fakt verblüfft den Politiker.

Migrationshintergrund

Die Hälfte der zurzeit 42 Kinder haben Migrationshintergrund. Das hätte er in Legden nicht erwartet. Sebastian Hammelehle sicher auch nicht. Der Spiegel-Redakteur begleitet Spahn einen Tag lang beim Wahlkampf in Spahns Heimatregion. Der Politiker fragt und hört mehr zu, als dass er selbst spricht. Irgendwann entspinnt sich ein Austausch über die Situation der Erzieher.

Nicht so sehr die Bezahlung, als die Ausbildungssituation findet er bedenkenswert. „Vier Jahre Ausbildung mit wenig Geld“, berichtet Ann-Christin Hahn. Spahn kommentiert: „Das wird noch eine große Baustelle.“ Und er fragt nach den Wünschen des Kindergartenträgers. Nach kurzem Zögern nennt Dirk Holz „die finanzielle Ausstattung“. Und erläutert, dass er vor allem ältere Einrichtungen meint, die wegen der höheren Personalkosten oft defizitär seien.

Programm geht weiter

Jens Spahn will das mitnehmen, nach Düsseldorf und Berlin. Erst einmal geht es am Montag weiter durch das Münsterland bis abends ins Festzelt zum Auftritt von Edmund Stoiber.

Unsere Zeitung berichtet pro Partei von einer Wahlkampfveranstaltung in jedem Ort ihres Verbreitungsgebietes. Die Parteien wurden vor dem Wahlkampf schriftlich gebeten, ihre Wunschtermine zu nennen. Wenn keine Berichterstattung erfolgt, liegt das an der fehlenden Rückmeldung. Mit diesem Bericht beenden wir die Serie.

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