Haus-zu-Haus-Beratungen haben begonnen

Altbausanierung und Klimaschutz

Zum dritten Mal an diesem Abend klingelt Matthias Gerwing in Legden an einer Tür. "Guten Abend, ich bin der Energieberater." So oder so ähnlich stellt er sich in diesen Tagen vielen Hausbesitzern vor. Roswitha und Bernhard Schlätker bitten ihn gerne in ihr Haus. Sie sind vorbereitet. Und sie haben viele Fragen.

LEGDEN

, 07.02.2017, 18:47 Uhr / Lesedauer: 3 min

"So müsste es immer sein", freut sich Gerwing, dass er bei diesem Termin in die Tiefe gehen kann. Er lacht: "Obwohl ich dann mein Pensum niemals schaffen würde." 200 Hausbesitzer besuchen er und sein Kollege Thomas Venhorst in Legden und Asbeck für die Haus-zu-Haus-Beratung zum Thema Altbausanierung und Klimaschutz, die der Kreis Borken anbietet.

Das Ehepaar Schlätker wohnt nicht in einem der ausgewählten Gebiete, hat aber einen der 20 Extra-Termine bekommen. Sie beschäftigen sich schon lange mit dem Thema. "Ich habe mich deshalb sofort gemeldet", sagt Roswitha Schlätker. Und ihr Mann erläutert, warum: "Wir wollen renovieren und altersgerecht umbauen, bevor wir in Pension gehen." Erste Angebote haben sie bereits eingeholt. Und jetzt bietet ihnen die Aktion die Chance, noch einmal neue Ideen zu bekommen.

Viele Fragen

1983 haben sie gebaut. Das Haus sieht gut aus. Aber viele Dinge sind seitdem nicht mehr angerührt worden. Zum Beispiel die Holzfenster. Bernhard Schlätker bombardiert Gerwing mit Fragen: "Was macht man am sinnvollsten? Kann ich einfach nur die Scheiben austauschen und ein Dreifach-Glas einbauen? Oder müssen auch die Holzrahmen raus? Ist Holz besser oder Kunststoff? Was ist dann mit den Rolladenkästen? Wie kann ich den Einbruchschutz verbessern? Und was muss ich tun, um die KfW-Förderung zu bekommen?"

Der Energieberater wirft erst einmal einen Blick auf die Fensterrahmen. Möglich, dass Platz ist für eine Dreifachverglasung. Und bei den Rollladenkästen könnte Dämmung helfen, die Werte so zu verbessern, dass Förderung möglich wird. "Wenn sie handwerklich geschickt sind, können Sie das selbst machen", sagt er zu Schlätker. Der winkt lachend ab: "Davon können sie hundertprozentig nicht ausgehen."

Unbekannte Begriffe

Viel wird besprochen an dem Abend. Es geht um Energieeffizienz 100, um Primärenergiewerte oder den U-Wert, der den Wärmedurchgang beschreibt. Für das Ehepaar bekannte Begriffe. Aber: "Je mehr man weiß, desto mehr Fragen hat man", sagt Roswitha Schlätker.

Denn da ist ja auch noch die Heizung. Also geht es runter in den Keller. "Für die Wärmedämmung immer ein Problem", sagt Matthias Gerwing, während er über die offene Treppe hinunterläuft. Im Heizungskeller fällt ihm sofort auf: "Hier ist es ja warm." Der geübte Blick fällt auf die Wand, wo manche Rohre nicht gedämmt sind.

Pumpen austauschen

Doch wichtiger ist der Blick auf die Pumpen. Die Brennwertanlage haben Schlätkers vor 14 Jahren erneuert. Jetzt gibt es viele Möglichkeiten. Gerwing zählt auf: Eine Optimierung der Anlage, Pufferspeicherung oder Solarthermie sind Möglichkeiten. Schon der Austausch der Pumpen gegen Effizenzpumpen für wenig Geld könne sich schnell auszahlen. Nebenbei hat er so manchen Tipp, nach was das Ehepaar fragen muss, wenn es konkret mit Handwerksunternehmen spricht. "Ich bin aus Leidenschaft Energieberater", erzählt er. Das spürt man.

Erst die Hülle

Und noch einen Tipp hat er: "Wenn Sie mehr machen wollen, dann erst die Gebäudehülle." Denn wenn die gut gedämmt ist, gibt es für die Heizungsoptimierung andere, bessere Voraussetzungen.

Vieles ist möglich. Bernhard und Roswitha Schlätker wollen auch ein Badezimmer barrierefrei bauen. Das ganz große Paket wird es wohl nicht werden. 250.000 Euro, das haben sie sich schon mal sagen lassen, könnte das kosten. Viel zu viel. Aber auch mit weniger lässt sich viel erreichen. Darüber werden sie jetzt in Ruhe sprechen. Matthias Gerwing hat derweil Feierabend. Am Tag darauf klingelt er wieder an Türen.

Aktion des Kreises Borken

Bis 26. Februar klingeln die Energieberater an den Haustüren in ausgewählten Wohngebieten in Legden und Asbeck. Die 200 Hauseigentümer wurden schriftlich von der Aktion informiert. Viele Beteiligte kommen für das Projekt zusammen. Neben dem Kreis Borken sind dies die Kreishandwerkerschaft, die Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis und die Gemeinde Legden. Sie zahlt 1700 Euro. 2500 Euro übernimmt die Sparkasse.

Neben der ausführlichen Beratung inklusive Rundgang kann es auch nur eine Kurzberatung geben. Auf jeden Fall überreichen Matthias Gering und Thomas Venhorst eine umfangreiche Informationsmappe. Hausbesitzer, die unabhängig von der Beratungskampagne eine Energieberatung wünschen, finden im Internet eine Liste mit Energieberatern aus der Region.

 www.alt-bau-neu.de/kreis-borken 

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