Hilfe beim Weg aus der Finanzfalle

Schuldnerberatung

Die Klienten von Marlies Lausmann sind jung oder alt, Männer oder Frauen. Sie haben einen Job oder auch keinen. Aber sie haben alle das gleiche Problem, das sie sie in die Sprechstunde der gelernten Bankkauffrau ins Haus Weßling führt: Sie geben dauerhaft mehr Geld aus, als sie verdienen. Sie sind überschuldet.

LEGDEN

, 11.03.2015, 17:04 Uhr / Lesedauer: 2 min
Marlies Lausmann berät zwei Mal im Monat Schuldner im Haus Weßling

Marlies Lausmann berät zwei Mal im Monat Schuldner im Haus Weßling

Seit fünf Jahren weist die Schuldnerberatungsstelle des Caritasverbandes vor Ort in Legden Wege aus der Schuldenfalle. Und wenn Marlies Lausmann ihr Büro im Haus Weßling öffnet, bleibt sie nie lange allein. "Auch auf dem Dorf gibt es Schuldner. Die Menschen hier haben die gleichen Probleme, wie die in der Stadt."

Da hat es sich bewährt, ein wohnortnahes und niedrigschwelliges Beratungsangebot zu schaffen. Lausmann: "Die Menschen kommen heute viel früher zu uns als noch vor Jahren." Und früher heißt eben auch: Die Karre ist leichter aus dem Schuldensumpf zu ziehen, wenn sie noch nicht zu tief eingesunken ist.

Vielfältige Gründe

Was aber führt Menschen in die Überschuldung? Die Gründe sind vielfältig, sagt Marlies Lausmann. Da ist zum Beispiel der junge Mann, der mit seinem Handyvertrag nicht mehr klar kommt.

Oder die Alleinerziehende, die als Geringverdienende ihre Stromrechnung nicht mehr begleichen kann. Der Vater, der nach der Trennung seinen Unterhaltspflichten nicht nachkommt. Oder der Senior, der nach seinem Eintritt in die Rente den Kredit nicht mehr bedienen kann. Und dann kommt noch eins zum anderen. Am Ende türmen sich oft verschiedene Schuldenberge auf. Lausmann: "Offene Forderungen von fünf bis zwanzig verschiedene Gläubigern sind die Regel. Manchmal sind es sogar noch mehr."

Professionelle Beratung

So kommen die Schuldner mit großen Angstgefühlen in Lausmanns Sprechstunden. Angst, weil sie längst den Überblick verloren haben, weil sie keinen Ausweg sehen. Und weil sie sich offenbaren müssen.

Aber die routinierte Beraterin nimmt ihren Klienten schnell die größten Sorgen. Zum Beispiel indem sie Soforthilfe in der Kirchengemeinde vermittelt, damit der der Strom nicht abgeschaltet wird. "Es gibt aber keine Geschenke. Die Soforthilfe muss zurückgezahlt werden."

Schneisen ins Schuldendickicht

Damit das gelingen kann, schlägt Lausmann gemeinsam mit ihren Klienten Schneisen ins Schuldendickicht: Welche Kreditverträge gibt es? Wo sind noch Außenstände? Wie hoch sind die Einnahmen? Was wird für den Lebensunterhalt gebraucht? Wie viel bleibt zur Begleichung der Schulden übrig. Oft ist es nicht genug, um den Schuldenberg abzutragen.

Im zweiten Schritt sucht Marlies Lausmann daher das Gespräch mit den Gläubigern: Banken, Inkassofirmen, Versorgungsunternehmen oder Versandhandel. Außergerichtliche Vergleiche sind das Ziel. Zur Not auch ein gerichtlicher Vergleich oder eine Privatinsolvenz. Vier bis fünf Jahre kann dieser Weg allerdings dauern. Und er verlangt dem Schuldner Disziplin und Genügsamkeit ab. Am Ende winkt aber die Freiheit, wieder sein eigener finanzieller Herr zu sein. "Das ist schon ein schönes Gefühl, wenn wir diesen Weg erfolgreich bis zum Ziel gehen können."

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