Brandschutz im Kabeltunnel wird nicht Aufgabe der Legdener Feuerwehr

rnAmprion-Höchstspannungsleitung

Der Kabeltunnel, der 380 KV-Höchstspannung unter Legden hindurch führen wird, wird eines der größten Bauvorhaben in Legden. Beim Erörterungstermin war Bürgermeister Friedhelm Kleweken sauer.

Legden

, 05.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Der erste Tunnel unter Legden wird 2100 Meter lang. In der Röhre wird unterirdisch über Kabel 380 KV-Höchstspannung transportiert. Das gab es noch nie in Deutschland. Für Amprion ist der Kabeltunnel ein Pilotprojekt, das wegweisend werden könnte. Auf dem Weg dahin gibt es deshalb viele Fragen und Bedenken.

Das Planfeststellungsverfahren ist die letzte Hürde, die der Übertragungsnetzbetreiber Amprion nehmen muss, bevor gebaut werden kann. Für den Erörterungstermin am Mittwoch und Donnerstag im Hotel des Dorfs Münsterland sind gleich zehn Vertreter des Unternehmens – Fachleute, Projektleiter, Juristen – gekommen.

Brandschutz im Kabeltunnel wird nicht Aufgabe der Legdener Feuerwehr

Amprion war mit zehn Vertretern zum Erörterungstermin ins Hotel Dorf Münsterland gekommen. © Ronny von Wangenheim

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Das macht Legdens Bürgermeister Friedhelm Kleweken sauer. Zu kurzfristig terminiert sei der Termin gewesen. „Ich konnte deshalb gestern nicht die ganze Zeit dabei sein“, so Kleweken am Donnerstag im Gespräch mit der Münsterland Zeitung. Mit Blick auf die große Amprion-Delegation ergänzt er: „Da wird eine ländliche Gemeinde ganz klar benachteiligt.“

Viel Kritik am Brandschutzkonzept

Mit Vehemenz vertritt er die Interessen der Gemeinde Legden. Das große Thema: der Brandschutz. Amprion sieht Brandbekämpfung und Rettungsdienst in der Zuständigkeit von Kreis und Gemeinde. Dr. Elisabeth Schwenzow vom Verwaltungsvorstand des Kreises weist dies in der gemeinsamen Stellungnahme von Kreis und Gemeinde zurück.

Die Freiwilige Feuerwehr, in der Ehrenamtliche aktiv sind, sei nicht für diese Lage unter der Erde ausgestattet und ausgebildet, heißt es da. „Für eine Kabelverlegung mit Wechselstrom liegen kaum Erfahrungen vor“, so Elisabeth Schwenzow. „Eine Werksfeuerwehr wäre zweckmäßig.“ Doch die Voraussetzungen dafür sind, so zeigt der weitere Verlauf, nicht gegeben.

Elisabeth Schwenzow hat noch eine Vermutung: Für die hochspezialisierte Aufgabe entstünden erhebliche Kosten. „Durch die Zuständigkeit der Gemeinde versucht Amprion, eigene Kosten auf örtliche Kommunen umzurechnen“, so die Vertreterin des Kreises. Auch da kommt prompt ein Dementi.

Amprion will sich nicht festlegen

Das Problem: Amprion will das Konzept nicht genauer fassen, weil in der jetzigen Phase noch nicht einmal die Verfahrenstechnik feststeht. Vollschnittmaschine oder Teilschnittmaschine – diese Entscheidung treffe letztendlich die ausführende Firma, die erst noch gefunden wird. Friedhelm Kleweken kommentierte: „Es ist unverständlich, dass sich Amprion nicht auf eine Vollschnittmaschine festlegen kann.“

Die Frage ist entscheidend: Bei einer Vollschnittmaschine wird kein Mensch in der Baustelle neun Meter unter der Erde eingesetzt, bei der Teilschnittmaschine aber schon, zudem wird dann mit Überdruck gearbeitet.

Nach einigen Diskussionen und hartnäckigem Nachsetzen von Kreis und Gemeinde werden Absichtserklärungen von Christiane Rövekamp, Dezernentin der Bezirksregierung Münster, im Protokoll festgehalten: Amprion sagt zu, als Schnittstelle für die Verantwortlichkeit die Erdoberfläche zu nehmen. Feuerwehr und Rettungsdienste kommen für Unterstützungsleistungen aber in Frage. Ihr Einsatzbereich soll aber nicht im Tunnel liegen.

Brandschutz im Kabeltunnel wird nicht Aufgabe der Legdener Feuerwehr

Christiane Rövekamp, Dezernentin bei der Bezirksregierung Münster, und Sachbearbeiterin Petra Dahmen vor den Plänen zum Kabeltunnel. © Ronny von Wangenheim

Vieles mehr wird besprochen an den beiden Tagen, wobei auch Anwohner und Grundstückseigentümer zu Wort kommen. Mögliche Lärmbelästigungen oder zu viel Licht in der Nacht wollen einige Anwohner im Vorfeld abwenden. Andere wichtige Themen sind auch die Schäden an Straßen oder Gebäuden, die während der Bauarbeiten entstehen können.

Hier sind Fakten

? Was beinhaltet das Amprion-Projekt?

5,2 Kilometer lang ist das Legdener Teilstück der 150 Kilometer langen 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung, die von Wesel nach Meppen führt. Von Süden als Freileitung ankommend, folgt sie der ehemaligen 220-KV-Leitung, die derzeit demontiert wird, geht im Beikelort unter die Erde in Richtung Reithalle. Ab dort werden in offener Bauweise bis Asbeck die Kabel zwei Meter tief in die Erde gelegt.

? Was wird man über der Erde vom Kabeltunnel sehen?

Es werden drei Schachtbauwerke gebaut, die nach der Fertigstellung zu Zugangsbauwerken umgewandelt werden. Sie haben die Größe eines eingeschossigen Gebäudes. Über ein Treppenhaus geht es hinunter. Es ist ausreichend groß, um eine Trage zu tranportieren. Zusätzlich wird eine Hebeeinrichtung eingebaut.

Brandschutz im Kabeltunnel wird nicht Aufgabe der Legdener Feuerwehr

So werden die eingeschossigen Zugangsschächte aussehen. © Amprion

? Wie groß ist der Tunnel?

Der Tunnel hat einen Querschnitt von 3 Meter innen und 3,60 Meter außen, in der Mitte ist eine freie Höhe von 1,20 bis 2 Meter. Die Kabel werden in Dreierbündeln an den Seiten angebracht.

Brandschutz im Kabeltunnel wird nicht Aufgabe der Legdener Feuerwehr

Der Tunnel hat einen Außenquerschnitt von 3,60 Metern. In der Mitte kann jemand aufrecht gehen. © Amprion

? Wie ist der Zeitplan?

Wenn das Planfeststellungsverfahren bis Ende des Jahres abgeschlossen ist, könnte Amprion 2020 mit dem Bau starten. Allein für den Tunnelbau hat Amprion bei einer früheren Präsentation im Rat der Gemeinde Legden mit eineinhalb bis zwei Jahren gerechnet. Mit der Fertigstellung der gesamten 150 Kilometer langen Strecke rechnet Amprion momentan weiterhin noch mit Ende 2021.

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