Kochlöffel verbindet Menschen aus aller Welt

Kochen mit Flüchtlingen

Es brutzelt, gart und brät in der Küche der Sekundarschule Legden. Ein besonders leckerer und einladender Duft zieht schon in den Flur der ersten Etage. Kartoffelgratin mit Hawaiischnitzel und ein Erdbeer-Dessert stehen auf der Speisekarte - einer Speisekarte für Schüler und Flüchtlinge. Kochen verbindet. Trotz Sprachbarrieren.

LEGDEN

, 06.04.2016, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mohebullah Marufkhil kommt aus Afghanistan. Vor drei Jahren ist er geflohen, nun lebt er in Legden. Sogar Arbeit hat er bekommen, reinigt nach Feierabend den Schlachthof Tönnies. Doch so viel Glück wie der junge Mann - er wird auf 23 Jahre geschätzt, in seiner Heimat sind Geburtsurkunden nicht üblich - haben nicht alle. Viele Flüchtlinge klagen über Langeweile, sie wollen arbeiten, sich integrieren. Stattdessen sind sie oft müde. Müde vom Nichtstun.

Einige Schüler der Sekundarschule Legden Rosendahl können zwar an der momentanen Situation nichts ändern, aber sie können wenigstens ein bisschen helfen, einfach da sein und mit den jungen Männern aus Afghanistan oder Pakistan in Kontakt treten. Seit dem Sommer 2015 darf sich die Schule in Legden "Schule gegen Rassismus" nennen.

Stark gegen Rassismus

70 Prozent aller Beteiligten an der Schule haben eine Liste unterschrieben und sich stark gemacht gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung. Eine AG am Nachmittag unter der Leitung von Lehrerin Claudia Böckmann trifft sich mit 12 Schülern der 6. bis 10. Klasse regelmäßig, um Aktionen zu planen. "Wir wollten etwas Praktisches machen. Mit Flüchtlingen gemeinsam. So haben die Kinder auch ein Bild vor Augen, wer die Geflüchteten sind und was für eine Geschichte sie haben", sagt Claudia Böckmann.

Aktiv und motiviert ist die Gruppe allemal. In der Turnhalle haben sie mit den Flüchtlingen schon Sport gemacht und die Männer haben pakistanisches Essen gekocht, "ganze fünf Stunden lang. Sie waren mit so einer großen Freude dabei", sagt Böckmann.

Kommunikation wichtig

Nun wird der Löffel umgedreht - auf dem Speiseplan steht nun deutsches Essen. Der 20-jährige Shaknawaz Khan geht in der Sache voll auf, fühlt sich wohl. "Die Kommunikation mit den Deutschen ist sehr wichtig für uns. Es ist super hier. In Deutschland möchte ich bleiben", sagt er.

Doch im Gespräch mit ihm und den anderen Flüchtlingen scheinen sie eine große Sorge zu haben: Das Misstrauen vieler Bürgern in Legden. "Natürlich haben wir überwiegend nette Menschen getroffen. Doch einige in der Gemeinde sind leider nicht so freundlich zu uns. Sie haben Vorurteile", sagen Shaknawaz Khan und seine Freunde.

Weitere Treffen in Planung

Die Schüler, Lehrer und Paten in Legden haben sie allerdings voll auf ihrer Seite. Weitere Aktionen sind zwar noch nicht geplant, aber die AG will sich weiter mit den Flüchtlingen treffen. Rezepte und Sportarten gibt es ja genug.

Lesen Sie jetzt