Die Kinder bedankten sich mit vielen bunten Luftballons beim Tema Münsterland für einen weiteren Spielplatz zum Austoben. © Schulze Beikel
Team Münsterland

Legdener bauen Spielplätze in Bad Neuenahr-Ahrweiler wieder auf

Das „Team-Münsterland“ hat sich erneut auf den Weg nach Ahrweiler gemacht, um dort einen von der Flut zerstörten Spielplatz zu sanieren. Für die Redaktion hat Simone Schulze Beikel das Team begleitet.

Spielplätze, ist das wirklich das, was das Ahrtal jetzt am dringendsten braucht? Diese Frage habe ich mir auch gestellt als wir am vergangenen Samstagmorgen um 5 Uhr mit dem Bus Richtung Ahrweiler fahren, das von der Hochwasserkatastrophe besonders schwer getroffen wurde.

Mit mir sitzen 30 weitere Helfer im Bus, acht Personen sind schon seit zwei Tagen vor Ort. Wir fahren nach Lohrsdorf, einem Stadtteil von Bad Neuenahr-Ahrweiler, direkt an der Ahr gelegen.

Vor Ort wartet ein circa Fußballplatz großes Gelände auf uns. Das Schwemmgut bestehend aus jeder Menge Holz und Müll– zwei Pkw-Anhängern und zwei Autos hat unsere Vorhut bereits am Freitag entfernt. Am Samstagabend soll dieser „Acker“ – denn nach mehr sieht es am Morgen wirklich nicht aus – ein Spielplatz sein. Das Einzige, das noch entfernt daran erinnert, dass dies früher mal ein Ort war, an dem Kinder sich beschäftigen konnten, sind zwei Tore, von denen eins von der Flut umgekippt wurde, ein Basketballkorb und ein undefinierbares Metallgestell. Das war wohl mal eine Schaukel.

Alles durch Spenden

Einen Spielplatz baut man natürlich nicht an einem Tag mit Schüppe und Besen auf. Alle dafür benötigten Maschinen, das Baumaterial, die Spielgeräte, die Tieflader, um die Gerätschaften nach Ahrweiler zu bringen, die Zaunelemente, das Werkzeug, die Verpflegung für die freiwilligen Helfer – ja sogar der Kraftstoff wird von Unternehmen aus dem Münsterland gespendet beziehungsweise kostenlos zur Verfügung gestellt. Viele Firmen biete ihre Hilfe an und stellen ihre Mitarbeiter frei, damit diese vor Ort helfen können. Einige Chefs sind sogar selbst vor Ort und unterstützen beim Aufbau.

In Lohrsdorf ist die Freude riesig. Wir werden am Samstag von zahlreichen Einwohnern begrüßt, die uns bereits ein leckeres Frühstück bereitgestellt haben. Nach einer kurzen Besprechung geht es direkt los. Es wird gebaggert, gemäht, es müssen etwa 200 Meter Zaun gesetzt werden und zahlreiche Spielgeräte so errichtet, dass die Kinder sicher Spaß daran haben können. Dank guter Vorbereitung liegt alles bereit. Viele der gut 40 Helfer waren schon dabei, als in den vergangenen Wochen zwei andere Spielplätze im Stadtgebiet saniert wurden und wissen genau, was zu tun ist.

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Legdener im Einsatz im Ahrtal

Doch, wie kommt man darauf nach Ahrweiler zu fahren und Spielplätze aufzubauen? Mark Terhörst und Pascal Delord erzählen mir von der Whats-App-Gruppe der LSV (Land schafft Verbindung). Ein Verein, in dem sich Landwirte miteinander vernetzen. Hierrüber entstand der Kontakt ins Münsterland. Daniel Thomas, Mark Terhörst und André Hackenfort ergriffen die Initiative, stellten Kontakte nach Ahrweiler her und organisierten zu Hause zeitgleich Helfer und Unterstützung in Form von Material und Maschinen. Mittlerweile war das Team Münsterland bereits drei Mal vor Ort, um Spielplätze wieder instand zu setzen.

Braucht das Ahrtal Spielplätze?

Zurück zur Ausgangsfrage. Braucht das Ahrtal Spielplätze? Ich mache mir vor Ort ein Bild von der Situation. Die Flutkatastrophe ist mittlerweile zehn Wochen her. In der Gemeinde Neuenahr-Ahrweiler sind weit über 50 Prozent der Gebäude vom Hochwasser beschädigt worden. Die Straße entlang der Ahr war tagelang nicht befahrbar, die Bahngleise hängen nackt am Berg der Unterbau wurde weggespült.

Und auch die Menschen, die Glück hatten und ihr Zuhause und ihr Hab und Gut nicht in den Fluten verloren haben, kämpfen mit der maroden Infrastruktur. Zwei Wochen wurde das Ahrtal mit Energie aus Notstromaggregaten versorgt, mittlerweile haben fast alle bewohnten Häuser wieder Strom. Momentan wird eine provisorische Gasleitung verlegt, damit die Menschen deren Gasheizung noch funktioniert bald wieder Heizen können. Hatten die Häuser eine Ölheizung die bei der Katastrophe zerstört wurde, wird das in diesen Eigenheimen in diesem Winter wohl nichts mehr mit dem Heizen.

Trinkwasser wird an vier Stellen vom THW aufbereitet und an die Menschen verteilt, für Brauchwasser stehen jedem Haushalt ein IBC-Container der täglich befüllt wird zur Verfügung. Sogar eine mobile Kläranlage wurde durch das Deutsche Rote Kreuz aufgebaut und so lange betrieben, bis die eigentliche repariert ist.

Zurück zu den Kindern. Auch wenn bei weitem nicht alle Schulen und Kindergärten nutzbar sind, die Kinder werden im Schichtsystem bis in den Abend hinein unterrichtet und nehmen dafür Anfahrtswege von bis zu einer Stunde auf sich. „Teilweise werden die Kinder sogar mit Booten über die Ahr gefahren, um zur Schule zu kommen“, erzählt mir eine Mutter im Gespräch. Ähnlich sieht es bei den Kindergärten aus.

Unterkunft für Helfer

Die üblichen Freizeitbeschäftigungen ruhen nach wie vor. Viele der Turnhallen und Sportstätten sind zerstört, und die die noch nutzbar sind werden für die Unterkunft der Helfer benötigt. „Die Kinder leiden wirklich sehr“, erzählt mir eine andere Mutter. „Erst Corona und jetzt die Flut. Es gibt kaum Möglichkeiten, wo sie sich austoben können“, erzählt sie weiter.

Ich bin überzeugt. Das Ahrtal braucht dringend Spielplätze! Und auch der Spielplatz den wir uns heute vorgenommen haben ist gegen 18 Uhr fertig. Die Kinder können sich jetzt an einer Schaukel, einer Rutsche, zwei neuen Wipptieren, einer Wippe, einer kombinierten Wipp-Schaukel, dem Basketballkorb und einer Tischtennisplatte austoben. Das Gelände ist ordentlich eingezäunt, der Rasen gemäht und auch die beiden Tore sind wieder so im Boden verankert, dass dem Spielvergnügen nichts im Wege steht. Die Kinder sind so dankbar, dass sie die „Inbetriebnahme“ des Spielplatzes mit vielen bunten Luftballons feiern.

Für heute ist erst mal Feierabend, doch für das Tema Münsterland ist nach dem Spielplatzaufbau vor dem Spielplatzaufbau. Im Hintergrund laufen schon die Planungen für die nächste Spielplatzsanierung. Daniel Thomas, Mark Terhörst, André Hackenfort und Moritz Vallböhmer machen sich am 5. Oktober auf den Weg, um die Örtlichkeit des nächsten Spielplatzes in Augenschein zu nehmen und die Planungen zu konkretisieren.