Legdener schlägt grundlos zu und begründet das mit unkontrollierbaren Wutausbrüchen

rnDorf Münsterland

Fußtritte ins Gesicht, als sein Opfer am Boden lag: Diesen Vorwurf stritt ein 26-Jähriger ab. Er wollte die Einstellung des Verfahrens. Um belastende Zeugenaussagen kam er nicht herum.

Legden

, 22.10.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dummheit und Wut – dies beides nannte der Legdener Angeklagte als Grund für seinen Angriff im Dorf Münsterland. „Ich habe seit Langem das Problem, dass ich Wutanfälle bekomme“, sagte er: „Wutanfälle, die ich manchmal nicht kontrollieren kann.“ Dem 25-jährigen Opfer, ebenfalls aus Legden, brachte das eine Gehirnerschütterung, Prellungen, abgebrochene Zähne und viele Schmerzen ein.

Zum zweiten Mal wurde verhandelt. Nachdem der erste Prozesstag abgebrochen werden musste, weil es dem Richter nicht gut ging, musste am Montag alles noch einmal von vorne beginnen. Vielleicht war es ein Glück für den Angeklagten. Denn diesmal hatte er anders als vor sechs Wochen einen Verteidiger an seiner Seite, der ihn geschickt durch die Verhandlung leitete. Dazu gehörte auch, dass sich der Angeklagte bei dem Opfer entschuldigte.

Der Verteidiger machte mit vielen Manövern früh deutlich, dass er eine Einstellung des Verfahrens für seinen Mandanten anstrebte. Kein einfacher Plan. Schließlich stand der 26-jährige wegen gefährlicher Körperverletzung und Anstiftung zur Sachbeschädigung vor Gericht.

„Er fiel wie ein Baumstamm zu Boden und prallte auf den Asphalt.“
Die Zeugin

Grundlos ins Gesicht geschlagen

Was war passiert? Der 26-Jährige hatte einen 25-jährigen Legdener zunächst ins Gesicht geschlagen. Grundlos, wie das Opfer angab. Grundlos und ohne ein Wort zu sagen, wie auch eine 32-jährige Zeugin aussagte. Vielleicht aber war sie selbst der Grund. Denn die Selmerin hatte zuvor abgelehnt, mit dem Angeklagten nach Hause zu fahren, weil sie lieber in der Disco weiterfeiern wollte. Die beiden hatten früher eine „Art Beziehung“ gehabt.

„Ich hatte den Eindruck, sie hat sich über mich lustig gemacht“, sagte er am Montag aus. Sie sprach davon, dass er einen aggressiven Eindruck gemacht habe – „aggressiv wie immer“. Dann sah er sie zusammen mit dem anderen Mann stehen – die beiden sahen sich auf dem Handy Bilder vom Sohn des Opfers an. „Als ich gesehen habe, dass der junge Mann lachte, da habe ich ihn angegriffen.“

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Nach einem oder mehreren Faustschlägen lag der Mann am Boden. Die Zeugin sah das so: „Er fiel wie ein Baumstamm zu Boden und prallte auf den Asphalt.“ Was dann geschah, ließ sich am Montag nicht einwandfrei rekonstruieren. Das Opfer hat aus dem Augenwinkel Fußtritte gesehen, die Zeugin sah ebenfalls Fußtritte, konnte aber nicht sagen, ob gegen Kopf oder Oberkörper, der Angeklagte bestritt die Tritte.

In Arztberichten ist von Tritten nicht die Rede

Der Verteidiger betonte, dass in den Berichten des Krankenhauses und der Ärzte immer nur von Faustschlägen, nie von Tritten die Rede sei. Das Opfer, zugleich Nebenkläger, argumentierte, dass er kurz bewusstlos und danach nicht richtig orientiert war. Zudem wurden bei ihm 1,56 Promille gemessen. Vielleicht sei er deshalb etwas unpräzise gewesen. Erst später habe er sich wieder klar erinnert.

So freundeten sich alle Parteien am Ende mit der Einstellung des Verfahrens gegen „heftige Auflagen“, so der Verteidiger, an. Ausschlaggebend für den Richter war, dass der Mann bisher unbelastet ist. Zudem sagte er als Wiedergutmachung eine Zahlung von 4000 Euro an das Opfer zu. Die Zeugin soll 200 Euro erhalten. Denn kurz nach dem Vorfall im Dorf Münsterland hatte der Angeklagte einen Freund angestiftet, die Fensterscheibe ihres Autos einzuschmeißen.

Antiaggressionstraining gefordert

Dem Anwalt des Nebenklägers war das zu wenig. „Wenn ich mir vorstelle, dass er das nächste Mal einen Wutanfall kriegt und sich im Grunde jemanden wahllos raussucht“, sagte er. „Na dann prost Mahlzeit“, kam der Zwischenruf der Zeugin von der Zuschauerbank. So wurde dem Angeklagten als dritte Auflage ein Antiaggressionstraining verordnet.

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