Legdener überfällt in 24 Stunden drei Frauen

Prozess am Landgericht

Verdrängt, versucht zu vergessen, normal weitergelebt - drei Frauen haben nach den Überfällen eines Legdeners ihr Leben wieder im Griff. Gestern, über ein Jahr später, kamen aber im Verfahren gegen den 25-Jährigen vor dem Landgericht Münster die Gefühle wieder hoch. Der Angeklagte hatte sie innerhalb von 24 Stunden überfallen, an drei verschiedenen Orten.

LEGDEN

, 13.04.2016 / Lesedauer: 3 min
Legdener überfällt in 24 Stunden drei Frauen

Das Landgericht in Münster.

Flüchten konnte eine 20-jährige Ahauserin, die in der Nähe des Bahnhofs in einer Seitengasse überfallen wurde. Der Legdener kam ihr mit dem Fahrrad entgegen, wendete dann und drückte sie gegen die Wand. Doch die 29-Jährige diskutierte erst - "ich weiß gar nicht mehr warum" - wehrte sich, sogar noch, als sie am Boden lag. Nach einem Tritt zwischen die Beine konnte sie fliehen.

Wegen Schlägen in die Rippen und gegen den Kopf musste sie zwei Tage ins Krankenhaus. Lange, so berichtete sie gestern, ging es ihr schlecht. Kopfschmerzen und Albträume begleiteten sie über zwei Monate. "Ich habe intensiv versucht, alles zu vergessen." Am Ende hatte sie eine Frage an den Angeklagten, die dieser bejahte: "Warst du auf Drogen?"

In Tränen ausgebrochen

Eine 31-jährige Ahauserin brach in Tränen aus, als sie auf Fotos den Tathergang rekonstruieren sollte. Sie hatte gerade gegen 9 Uhr die Spielhalle an der Bahnhofstraße geöffnet, als der Legdener hereinkam, einen Kaffee bestellte, dann aber schnell eine Softair-Pistole zückte und Geld forderte. Da der Frau die Hände so zitterten, dass sie nicht die Schublade aufbekam, räumte der Angeklagte das Geld in eine mitgebrachte Tüte.

Nur wenige Minuten dauerte es. Als die Polizei, per Notknopf von der Ahauserin alarmiert, sich meldete, war der Täter schon fort. Viel länger dauerte es, bis sie zurück in den Alltag fand. Zwei Wochen blieb sie zu Hause, danach arbeitete sie eine Zeit nur halbtags. "Angst habe ich immer noch."

Mit Waffe bedroht

Ähnlich schnell ging es in einer weiteren Spielhalle, ebenfalls an der Bahnhofstraße, zu. Hier bedrohte der Angeklagte, der kurz nach 6 Uhr morgens klingelte, ebenfalls die 49-jährige Spielhallenaufsicht und eine Reinigungskraft mit der Waffe und zwang sie, ihm das Geld aus der Kasse zu geben. "Ich habe das verkraftet", erzählte sie gestern Richter Eberhard Groesdonk. Für sie war es der zweite Überfall in der Ahauser Spielhalle.

Bereits zum Prozessauftakt in der vergangenen Woche hatte der Legdener seine Taten eingeräumt. Per Brief hatte er sich bei allen Opfern entschuldigt. Eine Geste, die bei diesen eher Bestürzung auslöste, weil er offensichtlich ihre Adressen kannte. Gestern nutzte er die Gelegenheit, sich bei allen Zeugen persönlich zu entschuldigen. "Ich kann es nicht rückgängig machen. Es tut mir ehrlich leid", sagte er. Wie ehrlich gemeint das war, das war allen nicht ganz klar. Die 49-jährige Zeugin betonte: "Ich nehme die Entschuldigung nicht an."

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