Löschen, Bergen, Mauern

Asbeck "Sollen wir etwas unternehmen nach Feierabend? Oder vielleicht am Samstag?" Asbecker Feuerwehrleute stellen sich diese Fragen schon gar nicht mehr. Wo sie jede freie Minute verbringen, ist ohnehin klar: nicht auf dem Fußballplatz und auch nicht an der Theke der Dorfkneipe, sondern auf der Baustelle ihres neuen, Feuerwehrgerätehauses.

10.01.2008, 14:16 Uhr / Lesedauer: 2 min

<p>Mit 16 Jahren einer der jüngsten - und der fleißigsten: Anthony Kösters. </p>

<p>Mit 16 Jahren einer der jüngsten - und der fleißigsten: Anthony Kösters. </p>

"Bergen, Löschen, Retten" - mit diesem Dreiklang kommen die Blauröcke, die statt der schicken Uniformen zurzeit meistens Arbeitsanzüge tragen, längst nicht mehr aus: "Mauern, Verputzen, Dachdecken" muss es zusätzlich heißen - eben alles, was nötig ist, um einem Mannschaftstransporter, einem Löschfahrzeug und 32 aktiven Feuerwehrleuten ein neues Zuhause zu geben.

Rudof Heidbrink lächelt zufrieden, obwohl ihm eiskalter Regen ins Gesicht schlägt - egal. Hauptsache, sein Heimatdorf hat ihn und den Löschzug, den er leitet, nicht im Regen stehen gelassen. Vor ihm steht der Grund der Freude: ein zweigeschossiges Gebäude, im Erdgeschoss rot geklinkert, im Obergeschoss noch verhüllt mit Plastikbahnen und ganz oben mit einer Sirene versehen, die sich trotzig in den grauen Himmel reckt.

So trotzig, wie auch die Feuerwehr reagierte, als die Gemeinde Legden, zu der Asbeck zählt, ihr lediglich einen Anbau an das fast 60 Jahre alte, baufällige Gerätehaus zugestehen wollte. Heidbrink will eigentlich gar nicht mehr darüber sprechen - und tut es auch nicht, während er jetzt doch quer über die Straße eilt, die rote Baustellentür aufreißt und in das warme, nach frischer Farbe riechende Gebäude tritt.

Kleine Finte

Inzwischen laufe alles prima, kein Grund, an die Unstimmigkeit von einst zu erinnern - und an die kleine Finte: Nur, wenn der Gemeinderat einem Neubau zustimme, erklärten die Floriansjünger damals, seien sie auch bereit, Selbsthilfe im großen Umfang zu leisten Sollten sich die Volksvertreter allerdings für den günstigeren, aus Sicht der Wehr aber wenig zweckmäßigen Anbau entscheiden, dann würden sie auf Mitarbeit verzichten - komplett. Die zunächst noch erhebliche Preisdifferenz zwischen den beiden Modellen sank so auf nur noch 15 000 Euro. Der Rat war überredet - zumal sich der Löschzug bereit erklärte, zusätzlich zu seiner Arbeitsleistung im Wert von allein 75 000 Euro auch noch 20 000 Euro in bar zu sammeln, zusätzlich zu den 140 000 Euro aus der Gemeindekasse.

Es ist Samstag, 14 Uhr. Das Mittagessen - eine Spende des örtlichen Metzgers - ist verzehrt und die Arbeit wieder im vollen Gange. Haben die Asbecker denn gar keine anderen Verpflichtungen? "Natürlich", betont Heidbrink. "Wir sind doch Feuerwehrleute." Drei Mal hätten sie im vergangenen Halbjahr alles stehen und liegen lassen müssen, um zum Einsatz zu fahren. "Außerdem müssen wir regelmäßig üben" - zusätzlich zum Einsatz auf dem Bau, versteht sich.

Und was sagen die Familien? Alle lachen im Obergeschoss. Die meisten Angehörige seien doch selbst aktiv, erklären die Männer, "und alle anderen wissen, wo sie uns immer antreffen können" - zumindest noch bis zur Einweihung des Gerätehauses Marke Eigenbau im Frühjahr. Sylvia Lüttich-Gür

<p>Unten Arbeitshose, oben Einsatzjacke: Das entspricht zwar nicht der Kleiderordnung der Feuerwehr, aber dem Alltag in Asbeck. Antonius Höseler, Michael Knob und Rudolf Heidbrink (v. l.) sind drei der zahlreichen ehrenamtlichen Bauarbeiter.  MLZ Fotos (2) Lüttich-Gür</p>

<p>Unten Arbeitshose, oben Einsatzjacke: Das entspricht zwar nicht der Kleiderordnung der Feuerwehr, aber dem Alltag in Asbeck. Antonius Höseler, Michael Knob und Rudolf Heidbrink (v. l.) sind drei der zahlreichen ehrenamtlichen Bauarbeiter. MLZ Fotos (2) Lüttich-Gür</p>

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