Meteorologe Jürgen Weiß betreibt eine Messstation im Garten

Wetteraufzeichnungen

Wenn Legden in der Wetterschau nach den Tagesthemen kommt, ist das erstmal etwas Besonderes. So auch als Sven Plöger im Juli verkündete, dass es bisher das trockenste Jahr seit 1978 war. Doch so selten kommt das gar nicht vor, dass man etwas über Legden hört. Für die nötigen Daten sorgt Meteorologe Jürgen Weiß. In der heutigen Folge von „Legden extrem“ geht es ausnahmsweise nicht um extreme Orte, sondern um extreme Wetterlagen.

LEGDEN

von Von Jessica Beck

, 17.08.2013, 08:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Jürgen Weiß hat im Garten seiner Eltern Stationen für Wetteraufzeichnungen.

Jürgen Weiß hat im Garten seiner Eltern Stationen für Wetteraufzeichnungen.

Nach zehn Jahren Forschungsarbeit an der Uni suchte Weiß eine neue Herausforderung: einen privaten Wetterdienst. Seitdem arbeitet er für die Firma Meteomedia in Bochum – und die wiederum stellt die Daten unter anderem für die Wetterschau vor der Tagesschau und nach den Tagesthemen zur Verfügung. Die Sendungen werden in den Bavaria Studios in Münster produziert. Die kleine Station im elterlichen Garten ist immer noch privat, „aber ich stelle meinem Arbeitgeber die Daten zur Verfügung“, erklärt Weiß. Wenn etwas Besonderes auftritt, bereitet er die Daten auf und gibt sie weiter nach München. So auch im Fall des trockensten Julis seit 1978. „Es ist ungewöhnlich, dass es im Juni und Juli so wenig Regen gibt“, erklärt Weiß. Doch ganz so schlimm, sehe es gar nicht aus. „Es gab Zeitpunkte, wo es heftig geregnet hat. Aber über den Monat gleichmäßig verteilt ist besser als einmal Starkregen.“ Mit Blick auf seine Aufzeichnungen verweist er auf den 17. Juli 1986, wo es 74,4 Liter pro Quadratmeter geregnet hat – innerhalb von anderthalb Stunden. Im August 2010 war es sogar noch mehr: 108 Liter pro Quadratmeter, aber auf einen längeren Zeitraum verteilt. „Die normale Monatssume im August beträgt 80 Liter“, erklärt er. Zum Vergleich: Sven Plöger sprach in seiner Wetterschau von nur 301 Litern pro Quadratmetern im gesamten Jahr.

Einen Rekord hätte Legden in diesem Jahr auch fast noch geknackt: Am 2. August hatte Weiß 36,1 Grad gemessen. „Es gab nur einen Tag seit 1978, der heißer war – aber nur ein Zehntel am 8. August 2003“, sagt der Meteorologe, der auch Radiobeiträge macht. Wenn nun jemand meint, am 2. August mehr gemessen zu haben, den muss Weiß enttäuschen: „Die Messungen gelten nur nach internationalem Standard: zwei Meter über Gras in einer belüfteten, weißen Schutzhütte.“ Und so eine steht auch im Garten der Eltern. Parallel zu der vollautomatischen Messung, deren Daten Weiß über Handy abrufen kann, macht er immer noch Handmessungen, „damit ich die alten mit den neuen Messungen vergleichen kann“. Apropos vergleichen: „Man kann zwar einen leichten Trend beobachten, dass es wärmer wird, aber ich würde das nicht so dramatisch sehen. Heute ist immer alles gleich eine Klimakatastrophe“, sagt Weiß. Dabei seien alle Extreme auch früher schon da gewesen.

Sein Vater macht jeden Morgen die Niederschlagsmessung, nimmt die Kanne aus dem silbernen Auffangbehälter und gießt sie in einen Messkolben. In der kleinen weißen Lamellenhütte, die zwei Meter über dem Gras thront, befinden sich noch zwei alte Quecksilberthermometer von 1978 – für Höchst- und Tiefsttemperatur. Aber auch ein elektrischer Fühler übermittelt die Daten per Funk ins Haus. Die eigentliche Messung wird aber nebenan gemacht. Dort surrt ein Lüfter leise. Er wird von einer Solarzelle betrieben und sorgt dafür, dass die Fühler nicht überhitzen. Vom Prinzip her ist die neue Technik ähnlich aufgebaut wie das Lamellenhäuschen. Auf dem Dach und im Garten drehen sich die Windmesser und geben bei jeder Umdrehung einen elektrischen Impuls ab – je schneller, desto windiger. Aber dort gibt es in diesen Tagen weniger Bewegung und somit auch keine Extremwerte. Aber wenn, dann wird sie Jürgen Weiß aufzeichnen und weitergeben. Und dann taucht Legden vielleicht wieder im Radio oder Fernsehen auf.

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