Michael Rotz zeigt sein Modell beim Heimatverein im Haus Weßling

Zurück ins Jahr 1827

Die Kirche St. Brigida hatte nur einen Turm und die Häuser an der Stiege hatten noch 60 gute Jahre vor sich, bevor sie in einem Großbrand vernichtet wurden. Viel hat sich geändert in Legden seit 1827. Das zeigt das Bronzerelief von Michael Rotz, das er der Öffentlichkeit vorstellte.

LEGDEN

, 21.08.2016, 18:20 Uhr / Lesedauer: 2 min
Michael Rotz (r.) zeigte am Sonntag den Besuchern das von ihm geschaffene Bronzerelief. Josef Herdering (l.) und Gerd Heuser vom Heimatverein zeigten sich beeindruckt.

Michael Rotz (r.) zeigte am Sonntag den Besuchern das von ihm geschaffene Bronzerelief. Josef Herdering (l.) und Gerd Heuser vom Heimatverein zeigten sich beeindruckt.

Viele Interessierte ließen sich am Sonntag im Haus Weßling am Busshook 6 erklären, welches Haus heute noch steht und was sich alles über die Jahrzehnte verändert hat. „Das lässt sich viel besser erkennen, wenn man es dreidimensional vor sich sieht“, sagt Rotz. Der 50-jährige Legdener hat aus Modelliermasse die vielen Häuser akribisch nachgebildet. Die Kirche diente ihm dabei als Maßstab. „Wir wussten, dass der alte Turm bis zur Kugel unterhalb des Kreuzes 39 Meter hoch war“, erläutert Michael Rotz.

Gelernter Holzbildhauer

Eine alte Karte der Flur 10 aus Legden von 1827 – entstanden vom 23. bis 29. Juli „unter Leitung des Kat. Geometer Delius durch den Eleven Jürgens chartiert“ – brachte ihn auf die Idee. Der gelernte Holzbildhauer und Schreiner, der heute als Krankenpfleger arbeitet, hat Spaß an historischen Themen. Und am Modellieren – eine Fertigkeit, die er während seiner Ausbildung zum Holzbildhauer im traditionsreichen Oberammergau erlernte. Viele historische Fotografien hat er gesichtet und schließlich mehrere Monate an dem Modell gearbeitet.

Kleine Details zu erkennen

Als er es seinen Vereinsfreunden im Heimatverein präsentierte, war die Begeisterung groß. Schnell stand der Entschluss fest, das „einmalige Kunstwerk“ in Bronze zu gießen. Mit dem Guss wurde die Glocken- und Kunstgießerei Petit & Gebr. Edelbrock in Gescher beauftragt. „Sie haben großartige Arbeit geleistet“, urteilt Rotz, „ich habe es schier nicht glauben können, dass es so gut geworden ist.“ Selbst kleine Details wie die Fenster sind noch gut zu erkennen.

Haupt- und Kirchstraße oder Busshook sind gut auszumachen. Man sieht deutlich, wie eng die Straßen waren, wie verwinkelt die Häuser teilweise zueinanderstanden. Rotz weist auf ein kleines Haus in der Nähe der Hauptstraße. „Hier stand bis 1946 das älteste Haus Legdens mit einer Torinschrift von 1546.“ Äußerst spannend fand es Michael Rotz, das Gebiet um die Stiege nachzubilden, 1884 brannten hier die Fachwerkhäuser ab, während die meisten Bewohner auf dem Düstermühlenmarkt feierten. Hier war Detektivarbeit gefragt, da es keine alten Fotos gibt.

Fester Platz gesucht

„Faszinierend“, so das Urteil eines Besuchers im Haus Weßling. Das findet auch der Heimatverein. Er will für den Bronzeguss einen festen Platz auf einem Sockel im öffentlichen Raum finden.

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