Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung nachts auf dem Schulhof mit Tritten verletzt

rnGefährliche Körperverletzung

Auf dem Schulhof der Sekundarschule war einem Rathaus-Mitarbeiter vor die Brust getreten worden. In der zweiten Gerichtverhandlung kam eine ganz neue Version des Tat-Abends auf den Tisch.

Legden

, 29.01.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der angeklagte 29-jährige Legdener macht derzu Beginn der Gerichtsverhandlung im Amtsgericht Ahaus energisch klar: „Ich war das nicht, ich war nicht da, das muss eine Verwechslung sein.“ Der Vorwurf lautet gefährliche Körperverletzung.

Der Angeklagte soll nachts auf dem Schulhof der Sekundarschule einen Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung mit seinen Tritten verletzt haben. Zur ersten Hauptverhandlung Anfang Dezember war ein wichtiger Zeuge nicht erschienen, deshalb wurde die Verhandlung am Dienstag weitergeführt.

Opfer identifizierte 29-Jährigen eindeutig als Täter

Der Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung blieb auch diesmal bei seiner Aussage, dass er Anfang Juni 2019 gegen zwei Uhr morgens in Zivil mit seinem Fahrrad am Schulhof in Legden vor gefahren war, um nach dem Rechten zu sehen. Als er eine Gruppe junger Männer darum gebeten hat, das Gelände zu verlassen, wurde ihm zwei Mal vor die Brust getreten. Einen 29-Jährigen Legdener habe er damals eindeutig als Täter identifiziert.

Seine dokumentierten Verletzungen nach dem Vorfall sprechen für die Geschichte des Ordnungsbeamten, meint der Richter. Er glaubt ihm. Der Bericht des Arztes bestätigt Prellungen, eine verstauchte Hand, Schürfwunden und eine anschließende Schleimbeutelentzündung, deren Heilung einige Monate dauerte.

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Die zweite Version

Interessant wird es im Gerichtssaal, als der zweite Zeuge, der beim ersten Termin nicht erschienen war, seine Erinnerung schildert. Er ist ein guter Freund des Angeklagten und wohnt ebenfalls in Legden. Auf dem Weg zu einem Freund war er an diesem Abend am Schulhof vorbeigekommen. Die Jugendlichen habe er nicht gekannt, sie hätten ihn damals zunächst angepöbelt. „Sowas ist aber schnell geklärt, dann haben sie mir einen Becher Wodka gegeben und wir haben zusammen getrunken“, erzählt er weiter.

Als der Rathaus-Mitarbeiter die Jugendlichen bat zu gehen, kam es zu einer Rangelei zwischen ihm und der Gruppe, so der neue Zeuge. „Man muss auch vor Jugendlichen nicht auf Chef tun“, versucht er den Vorfall herunterzuspielen. Er selbst sei „nur der Gute gewesen und direkt dazwischen gegangen“, denn er kenne den verletzten 56-Jährigen von früher. Mehrmals stellt der Zeuge klar: „Ohne mich wäre es viel schlimmer ausgegangen“.

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Der 33-Jährige bleibt bei der Meinung, sein Freund der Angeklagte sei an diesem Abend nicht anwesend gewesen. Der Staatsanwalt hält seine Version für brüchig. „Warum sollten Sie dort bleiben, wenn Sie angepöbelt wurden?“, fragt er den Zeugen und lässt Skepsis durchblicken. Auch der Richter scheint seine Zweifel zu haben und weist ihn deshalb mehrfach und eindringlich darauf hin, dass er vor Gericht die Wahrheit sagen muss. Der Legdener gibt zu, dass „alle gut einen drin hatten“ und es deshalb schwer sei, sich an alles zu erinnern. Er bleibt aber bei seiner Aussage.

So schließt der Richter die Verhandlung mit einem Freispruch. Es sei möglich, dass der Angeklagte nicht derjenige war, der dem Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung den Tritt verpasste, so der Richter.

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