Nabu befürchtet: Kontaminiertes Deponiewasser gelangt in Legden in die renaturierte Dinkel

rnRemex-Müll

Die Mauer der Remex-Deponie im Gewerbegebiet ist zerstört: Abfall und kontaminiertes Wasser kann in die Dinkel gelangen. Die wurde gerade renaturiert. Der Nabu fordert, dass endlich etwas passiert.

Legden

, 20.02.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die weißen Betonsteine sind zerbrochen und damit keine wirkliche Abtrennung mehr zwischen Müll und Natur. Hinter der zerstörten Stützmauer türmt sich im Gewerbegebiet Heying Esch der Abfall. Mehr ist nicht geblieben von der Firma Remex Entsorgungsgesellschaft Borken.

Die Zustände am ehemaligen Remex-Standort hat Armin Siemes bereits im Juni vergangenen Jahres kritisiert. Alles streng überwacht, hieß es von der Bezirksregierung. Das mag der Vertreter des Nabu-Kreisverbandes angesichts kaputter Wände nicht glauben.

Kritik an der Situation bereits im Juni 2019

„Tonnenweise gelangte dort während der letzten schweren Stürme kontaminiertes Deponiewasser, Plastikmüll und wer weiß was noch in die angrenzende frisch renaturierte Dinkel“, sagt Armin Siemes. Der Nabu-Vertreter hatte bereits im Juni vergangenen Jahres die Situation bemängelt. Damals sei die Mauer noch nicht so zerstört gewesen, sagt er. Das müsse in den vergangenen Wochen oder Monaten passiert sein. Die Bezirksregierung Münster hatte noch im Juni erklärt, die Lagerung würde regelmäßig überwacht.

„Die Behörden sind, wenn wir uns die Bilder anschauen, offensichtlich blind wie die Maulwürfe“, sagt Siemes. „Die hinteren Absicherungen aus Beton, die wohl zur Absicherung der Müllberge und zum Schutz der Dinkel dienen sollen, sind durch den Druck der dort gelagerten rund 8000 Tonnen Müll komplett geborsten.“

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Vor Ort sieht man, dass Müll von der Deponie zwischen die Sträucher und dünnen Bäume gelangt ist. Die Dinkel führt zurzeit viel Wasser. Siemes kritisiert: „Ein Schutz vor weiteren Umweltverschmutzungen ist nicht in Sicht, ungehindert fließt weiterhin munter Oberflächenwasser durch den Müll, um dann kontaminiert in die Dinkel zu gelangen.“

Nabu-Schreiben an die Gemeinde Legden

Armin Siemes will das nicht länger hinnehmen. Er will wissen, inwieweit die Deponieverordnung eingehalten wird. Jetzt hat er bei der Gemeinde Legden die Zusendung der Baugenehmigung nebst Betriebsbeschreibung und aller gesetzlich erforderlichen Genehmigungen für die Mülllagerungen auf dem Betriebsgelände der Firma Remex angefordert. Der Nabu-Vertreter verweist dabei auf sein Recht auf Informationen, das sich aus dem Umweltinformationsgesetz ergebe.

Bis Herbst 2017 war die Remex Entsorgungsgesellschaft im Gewerbegebiet Heying Esch ansässig. Das Gelände wurde von Profilan übernommen und größtenteils bebaut. Nur am Rand türmt sich noch ein Haufen Müll auf dem ehemaligen Betriebsgelände hoch. Im Juni 2019 ergab die Nachfrage unserer Redaktion bei der Bezirksregierung Münster, dass die Lagerung des Mülls ordnungsgemäß ist.

Bezirksregierung: Anlage wird streng überwacht

„Die Anlage wird streng und engmaschig überwacht“, hatte Andreas Winnemöller aus der Pressestelle der Bezirksregierung informiert. Gerade weil hier sehr viel Müll lagere, solle der Abfall möglichst schnell zu einer Verbrennungsanlage gebracht werden. „Es darf auch kein zusätzlicher Abfall aufgenommen werden“, so Winnemöller. Gefahren aufgrund fehlender Abdichtungen für Grundwasser und angrenzende Dinkel, wie sie Armin Siemes schon damals vermutet hatte, hat es im Juni laut Pressestelle nicht gegeben.

Damals hatten wir auch bei Rudolf Gnodtke, Geschäftsführer der Remex Entsorgungsgesellschaft, nachgefragt. Ihm zufolge wurde die Annahme von Abfällen bereits am 30. September 2017 eingestellt. „Danach wurden nur noch Mengen aufbereitet und fachgerecht entsorgt.“

Engpässe in Verbrennungsanlagen

Die Bezirksregierung sprach von einem angemessenen Rahmen, in dem der Müll abgefahren werden müsse. Rudolf Gnodtke im Juni: „Der dort lagernde Abfall wird regelmäßig abgefahren so wie wir Kontingente in den Verbrennungsanlagen bekommen.“

Genau das sei aber das Problem. Denn in den Verbrennungsanlagen gebe es bundesweit zu wenig Kapazitäten. Der Remex-Geschäftsführer hatte zudem erklärt, das Bestreben sei es, den Restmüll so schnell wie möglich fachgerecht zu entsorgen. Erkennbar kleiner ist der Haufen seitdem nicht geworden.

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