Pfarrer Axel Heinekamp startet in Legden

Einführung am Sonntag

Die Umzugskartons sind weitestgehend ausgepackt, die Büromöbel nach der Fußbodenauffrischung wieder eingeräumt. Noch einen kurzen Urlaub in Bayern gönnt sich Axel Heinekamp. Dann startet er in Legden. Die Einführung des neuen Pfarrers ist an diesem Sonntag um 10 Uhr in der Kirche St. Brigida.

Legden

, 08.09.2016, 18:31 Uhr / Lesedauer: 2 min
Pfarrer Axel Heinekamp startet in Legden

Pfarrer Axel Heinekamp wird am Sonntag in St. Brigida in sein Amt eingeführt.

Bis auf den abendlichen Spaziergang hat er noch nicht viel gesehen von Legden. Das wird sich ändern. Er weiß, dass viele Menschen, viele Vereine und kirchliche Organisatoren ihn kennenlernen wollen. Was sonst noch auf ihn zukommt - er ist gespannt. Konfrontiert wurde er jetzt erst einmal mit der Tatsache, dass Johannes Schultewolter überraschend Legden verlässt. "Ich kann das alles gar nicht leisten, was vorher zwei gemacht haben", sagt er, wohl wissend, dass er in der ersten Zeit sehr aufmerksam beobachtet werden wird.

Pastoralreferent fehlt

Seine Hoffnung ist, das bald ein Pastoralreferent oder eine Pastoralreferentin kommt. Die Stelle ist ausgeschrieben. Gemeinsam könne man dann etwas Neues aufbauen. Wer was wie macht und verantwortet - da findet der 48-Jährige klare Worte: "Der Pastoralreferent soll nicht der Dackel sein." Viele Menschen an einen Tisch bringen, das ist mehr sein Ding.

Heinekamp ist durchaus für Veränderungen, wie er sagt. Doch erst einmal will er Verlässlichkeit. "Für ein Jahr will ich die Standards aufrechterhalten." Parallel will er sehen, wo man später neue Wege gehen kann.

"Was wollen die Menschen von uns?"

Kirche mit ihren verschiedenen Einrichtungen in die heutige Zeit zu bringen, so sieht er seine Aufgabe. "Ich erlebe Kirche so, dass Liturgie immer weniger nachgefragt wird", sagt Heinekamp. Dafür aber die großen Fragen. Glaubwürdigkeit ist da für ihn ein Stichwort. "Was wollen die Menschen von uns" - diese Frage beschäftigt ihn.

So einige Gedanken hat er sich über seine Zeit in Legden gemacht. Er weiß: "Erst einmal brauche ich mir über das Spielbein keine Gedanken machen." Das Spielbein - das ist für den Geistlichen die Karitas. Kindergarten, Flüchtlinge, die menschlichen und wirtschaftlichen Nöten hinter den Klinkerfassaden - das interessiert ihn.

Er will Kontakte pflegen. Aber: "Ich möchte nicht so verstanden werden, dass ich auf jeder Katzenkirmes rumturne." Er präzisiert: "Ich bin gerne mal da und gerne auch wieder weg. Ein Schützenfest beispielsweise wird nicht würdiger, nur weil ich die ganze Zeit da bin."

Sozialmanagement studiert

Für seine Aufgabe ist er gut vorbereitet. Parallel zu seiner Tätigkeit als Seelsorger in Ennigerloh hat er von 2012 bis 2015 Sozialmanagement an der Katholischen Hochschule studiert. Hier ging es darum, Kompetenzen für die Leitungen sozialer Dienstleistungsunternehmen zu erwerben. "Der Betriebswissenschaftler spricht anders als die Pflegedienstleitung. Alle müssen aber an einem Strang ziehen." Als Pfarrer war Heinekamp im Studiengang in der Minderheit. Aber es passt. Schließlich ist er als Pfarrer Arbeitgeber, muss auch ökonomische Anforderungen meistern.

Gastfreundliches Haus

Ist er mit diesem Studium eigentlich nicht überqualifiziert für die Stelle im kleinen Legden? Heinekamp lächelt. Dafür stimme jetzt die Work-Life-Balance. Es wird noch einmal ein Neubeginn. Heinekamp hat zwei Haushalte zusammengeführt, weil seine Mutter ebenfalls ins Pfarrhaus gezogen ist. "Es soll ein gastfreundliches Haus werden", sagt er und: "Das erste Mal in meinem Leben, dass ich nach der Arbeit nicht nach Hause fahre, sondern sagen kann: Mein Zuhause ist hier."

Bisher war sein Berufslauf wechselhaft. 2005 trat er seine erste Pfarrstelle in Lünen an, übernahm dort als Dechant Verantwortung. Doch 2010 verließ er die Pfarrei auf eigenen Wunsch - die Vorbereitung einer Fusion mehrerer Gemeinden hatte zu viele Schwierigkeiten, auch menschlich, mit sich gebracht. Es war keine einfache Zeit, so klingt es durch. Wenig später übernahm er eine Pfarrstelle in Oer-Erckenschwick. "Das war nicht gut überlegt, auch von meiner Seite", sagt Heinekamp. Neun Monate später ging er wieder. Die Konsequenz war damals das Studium. "Ich habe überlegt, wo meine Stärken sind." Netzwerken - das reizt ihn bis heute.

Doch zurück in die Gegenwart. Zurück nach Legden. Was macht Axel Heinekamp, wenn er freie Zeit hat? Ein ausgeprägtes Hobby habe er nicht. Oder doch: "Ich fülle gerne Preisauschreiben aus", sagt er und lächelt: "Und ich gewinne auch."

 

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