Pilotprojekt für 380-Kilovolt-Leitung

Unterirdische Kabel

Die Herausforderung kommt zum Schluss: Für das Legdener Teilstück der 150 Kilometer langen 380-Kilovolt-Höchstspannungsleitung, die zuletzt gebaut wird, startet Amprion ein Pilotprojekt. Neun Meter tief unter Legden wird ein Spezialbohrer den Tunnel für die Kabel vorantreiben. Am Montagabend stellte Dieter Picklapp von Amprion die Pläne im Gemeinderat vor.

LEGDEN

, 27.06.2017, 18:29 Uhr / Lesedauer: 2 min
Pilotprojekt für 380-Kilovolt-Leitung

Wie hier in Borken wird es auch in Legden aussehen, wenn die insgesamt zwölf Kabel auf der 23 Meter breiten Trasse in offener Bauweise verlegt werden.

5,2 Kilometer lang ist der Abschnitt 5b zwischen den Übergabestationen Legden-Süd und Asbeck. 2,3 Kilometer davon werden im Tunnelbohrverfahren verlegt. Der Rest kommt auch unter die Erde, allerdings nur zwei Meter tief. Dafür werden während der Bauzeit breite Gräben ausgehoben. Zurzeit führt über Legdener Gebiet eine 220-Kilovolt-Leitung mit insgesamt 30 Freileitungsmasten. Sie werden alle verschwinden.

"Die neue Leitung ist seit Jahren angekündigt. Aber wenn jetzt die neue Technik mit der Tunnelbauweise kommt, hat sich das Warten gelohnt", kommentierte Sigrid Goßling für die SPD-Fraktion. Positive Resonanz gab es auch von CDU und UWG. Eine Großbaustelle, für die keine Straßen gesperrt werden, das kommt in Legden gut an. B474, Bahnlinie, Straßenkreuzungen, Mühlenbach, ein Wald - das alles hat bei Amprion zu der Entscheidung für die Tunnel-Variante geführt.

Tunnelbohrverfahren

Das Verfahren ist nicht neu. Amprion nutzt zum Beispiel die Erfahrungen der Emschergenossenschaft, die so Abwasserrohre unter die Erde legt. "Wir haben es noch nicht eingesetzt", so Picklapp. Sieben Tage, 24 Stunden lang wird der Bohrer in neun Meter Tiefe arbeiten. Und das eineinhalb bis zwei Jahre lang, so Dieter Picklapp. "Pro Woche werden 50 Meter geschafft." Stück für Stück werden die Rohre mit einem Durchmesser von vier Metern eingesetzt. Das gelingt für 1000 Meter, dann reicht der Druck nicht mehr aus.

Deshalb werden Muffenbauwerke gebaut, wo die Maschine neu ansetzen kann. Hier werden später die Kabel verbunden. "Es sind die einzigen Räume, die man begehen kann", so Picklapp. Hier wird auch die Lüftungstechnik eingebaut. Denn die einzelnen Kabel entwickeln Wärme. "Nach fünf bis sechs Tagen Vollgas mit Wind und Sonne setzen die Lüfter ein", so Picklapp.

Die kleinen Gebäude sind auch das einzige, was man später von der Stromleitung sehen wird. "Der Tunnel kann überbaut werden, wenn es die in Legden übliche Bauweise ist", informierte der Teil-Projektleiter aus dem Bereich Genehmigungen die Kommunalpolitiker.

Offene Bauweise

Danach geht es in offener Bauweise weiter. Die Kabel, es sind insgesamt neun nebeneinander, werden in zwei Metern Tiefe verlegt. Sie sind so dick und schwer, dass nach 1000 Metern ein Gewicht von 40 Tonnen erreicht wird. Deshalb müssen Muffen eingesetzt werden, um die Kabelabschnitte zu verbinden. "Die Muffen werden auch unter der Erde gesetzt. Die Landwirtschaft wird nicht beeinträchtigt", machte Picklapp deutlich. Wegen der Wärmeentwicklung müssen die einzelnen Adern mit einem 90-Zentimeter-Abstand gelegt werden. Die Trasse ist somit 23 Meter breit, während der neun- bis zwölfmonatigen Bauphase sogar 40 Meter.

Auch die Verlegung von Erdkabeln ist für Amprion neu. Erstmals eingesetzt hat der Übertragungsnetzbetreiber mit Sitz in Dortmund das Verfahren in dem Streckenabschnitt Raesfeld. Hier läuft seit einem Jahr der Testbetrieb.

Zeitplan und Kosten

Im Herbst werden die Eigentümer informiert. Später gibt es eine Bürgerversammlung. Für 2018 wird mit dem Planfeststellungsverfahren bei der Bezirksregierung Münster gerechnet. 2020/21 könnte der Legdener Abschnitt fertig sein. Noch plant Amprion die Fertigstellung der gesamten 150 Kilometer für 2021.

Zum Vergleich: Für ein Kilometer Freileitung wird mit 1,4 Millionen Euro gerechnet. Bei der Kabelverlegung in offener Bauweise sind es rund 10 Millionen. Für die Tunnel-Variante gibt es noch keine Kostenschätzungen. "Das Zehnfache der Freileitung" hält Picklapp für denkbar.

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