Projekt und Theaterstück gegen sexuellen Missbrauch

Brigidenschule

LEGDEN. „Mein Körper, der gehört mir allein!“ schallt es laut durch die Flure der Brigidenschule. Das Lied, das die Viertklässler begeistert anstimmen, ist Teil des Theaterstücks „Mein Körper gehört mir!“, das die Theaterpädagogische Werkstatt Osnabrück in der Grundschule aufführt.

von von Alicia Boonk

, 21.01.2011, 17:58 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jede Theaterstunde wird daher mit dem „Körpersong“ eingestimmt, um den Kindern die Befangenheit zu nehmen. Danach stellen sich die Schauspieler zunächst als reale Personen vor, bevor sie in ihre Rollen schlüpfen. Sie treten auf als Mann, der sich im Internetchat als Kind ausgibt, als Exhibitionist, der sich vor einer Schülerin entblößt, oder als Jugendlicher, der seinen Bruder missbraucht. Während und zwischen den Spielszenen wenden sich die Theaterpädagogen immer wieder an ihr junges Publikum und regen es zum aktiven Mitdenken an: „Wie fühlt sich das Mädchen jetzt gerade? Was hättet ihr gemacht?“ So wird es den Grundschülern leicht gemacht nachzuvollziehen, wie andere Jungen und Mädchen ihre Nein-Gefühle erkennen. Das Stück wird durch eine passende Unterrichtsreihe zu Geschlechtererziehung ergänzt, damit die Kinder weniger befangen mit dem Tabuthema umgehen können. Vor allem, wenn es um die Frage nach dem Schuldigen geht, zeigen die Grundschüler jedoch Unsicherheiten. Da setzen die Theaterpädagogen an und verdeutlichen, dass allein der Täter und nicht etwa das Opfer die Schuld trägt.

Die Viertklässler sind zum Abschluss des Stücks begeistert. Die Botschaft scheint angekommen zu sein: Problemlos können sie die drei Fragen, die die Schauspieler ihnen für zweifelhafte Situationen an die Hand geben, wiederholen: „Habe ich ein Ja- oder ein Nein-Gefühl? Weiß jemand, wo ich bin? Bekomme ich Hilfe, wenn ich sie brauche?“ Lehrerin Mechthild Grünewald hat bemerkt, dass das Stück die Acht- bis Zehnjährigen auch nach dem Pausenklingeln noch beschäftigt: „Sie stimmen den Song immer wieder an; einige spielen sogar Szenen nach.“

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