Reporterin der Münsterland Zeitung macht den Selbsttest

Eingekleidet für 15 Euro

Shopping für Frauen könnte so einfach sein: Mit unbegrenzten Mitteln an Geld und Zeit würden wir mühelos den Kleiderschrank mit endlich passablen Klamotten füllen.

LEGDEN

02.04.2017, 18:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für das zweite Legdener "Ladies-Shopping" am Freitagabend hat die Redaktion der Münsterland Zeitung den Schwierigkeitsgrad für ihre Reporterin erhöht: 20 Euro Budget und fünf Stunden Zeit für ein komplettes Outfit sind eine wahrhafte Herausforderung. Mal schauen, wie viel Zeit am Ende übrig bleibt. Ein großes Vorbild ist eine TV-Serie im Privatfernsehen. Bei "Shopping Queen" treten fünf Kandidatinnen gegeneinander an, bekommen ein Thema vorgegeben und müssen in vier Stunden und mit je 500 Euro das passende Outfit dazu erkaufen. Klingt machbar.

Ladies Time! Kurz nach der Öffnung der Kleiderbörse ist der Saal im Pfarrheim schon gut gefüllt. Mit dem blauen Euro-Geldschein und einem heroischen Auftrag im Gepäck eile ich erstmal zielstrebig zu den Tischen, auf denen sich bergeweise Kleidung in meiner mir passenden Größe 38/40 stapelt. Doch mir fehlt ein Plan. Im echten Leben bin ich keine Frau, die loszieht, um sich miteinander harmonierende Kleidung in einem Rutsch zu kaufen.

Entschlossen zugreifen

Eher die Frau, die im Vorbeihasten ein scheinbar schönes Teil aus dem Augenwinkel erspäht, routiniert nach der Größe schaut, dann in Windeseile beschließt: Könnte passen! - und entschlossen zugreift. Ohne einen Gedanken daran zu verschwenden, ob der Rest meiner Kleidung zum neu erworbenen Schnäppchen passt. Das Dilemma hängt in Hülle und Fülle in meinem Schrank.

Jetzt das hier. Ich entschließe mich zu Inspiration und schreite den Tisch von links nach rechts ab: zuerst die Hosen, Shorts und Röcke, danach T-Shirts und Pullover, Blusen hängen extra. Zielstrebig werfe ich mir alles über den Arm, was mir gefällt, passen könnte und kombinierbar erscheint: schwarze Haremshose, eine Chino in taupe und eine graue Hose im klassischen Stil. Der Preis ist mir erstmal egal. Bei den T-Shirts lasse ich Pailletten und Glitzeraufdrucke links liegen.

Bei den Blusen fällt mir eine quergestreifte in knalligen Farben ins Auge. Meins! Die Dame gegenüber guckt neidisch und gibt zu: "Ich schaue heute mal nur nach allem, was nicht schwarz ist. Davon habe ich daheim genug." Nebenan hängen dicht an dicht die treuen Begleiter von Abschlussbällen und Schützenfesten: bodenlange Kleider aus schweren Stoffen. Nichts für mich. Bei den Sommerkleidern finde ich auch keine Versuchung. Was ich auf den ersten Blick mag, ist mir entweder zu klein oder in 52/54 viel zu groß. Schade. In den Übergrößen gäbe es sonst nicht viel im Angebot, doch auch die Nachfrage sei gering, weiß Annette Matschke vom Orga-Team der KFD. Auch Schuhe werde ich keine finden. "Die wollte bei unserer ersten Veranstaltung einfach niemand kaufen." Erfahrungswerte.

Unter dem Budget

Wie die der Umkleidekabinen. Irgendwie gibt es immer zu wenige. Ich teile mir meine solidarisch mit zwei anderen Frauen. Werfe mir aus meinem Kleiderberg immer wieder neue Sachen über und posiere vor dem Spiegel. Shopping ist anstrengend. Ich entscheide mich für die Chinos, ein altrosa farbiges Shirt in Übergröße, das ich galant vorn in die Hose stecke, damit es lässig wirkt, und eine lange Kette mit dem Peace-Symbol.

Es fehlen Tasche, Gürtel und Tuch. Die königsblaue Designertasche sprengt mein Budget um ein Vielfaches. Stattdessen wähle ich eine simple Stofftasche in beige für vier Euro und ein blaues Tuch mit weißen Sternen. Das mit den bunten hat mir jemand vor der Nase weggeschnappt. Bevor ich zur Kasse eile, muss ich zusammenrechnen: Mit 15 Euro Gesamtpreis liege ich sogar unter der Vorgabe...

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