Rückblick auf „versoffene Jugend“

Autor Hermann Wenning

Hermann Wenning beschreibt in seinem zweiten Buch ungeschönt den Weg in die Alkoholabhängigkeit. Für Legdener ist es eine besondere Lektüre.

LEGDEN

, 28.09.2017, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Beim Blumenkorso hat Hermann Wenning sein Buch bereits vor dem Erscheinungsdatum präsentiert und so manches Buch signiert. „Ich liebe Legden“, sagt er, dass er sich seiner Heimatgemeinde und den Legdenern weiter verbunden fühlt.

Beim Blumenkorso hat Hermann Wenning sein Buch bereits vor dem Erscheinungsdatum präsentiert und so manches Buch signiert. „Ich liebe Legden“, sagt er, dass er sich seiner Heimatgemeinde und den Legdenern weiter verbunden fühlt.

Hier in Legden ist Hermann Wenning aufgewachsen, hier hat er eine Jugend erlebt wie so viele andere. Alkohol gehörte dazu: im Sportverein, bei Volksfesten, im Freundeskreis. Für Wenning wird es eine „versoffene Jugend“.

Unter diesem Titel hat der 53-Jährige die Geschichte dieser Jahre aufgeschrieben. Das Buch endet etwa 1994 mit dem ersten Griff zu einer Ecstasy-Tablette. Wie es weiterging für den Legdener, die Drogenabhängigkeit, die Kriminalität, das Gefängnis, das Leben danach, hat Wenning in seinem Buch „Lauf zurück ins Leben“ beschrieben.

Suchtprävention

Damit ist er seit Jahren vor allem in Schulen unterwegs. Suchtprävention ist sein großes Thema. Dafür opfert er Urlaub und Freizeit. Rund 50 Termine hat der in Hamm lebende Autor jedes Jahr.

Gerade ist er zurück aus Borken, wo er vor einer Klasse gelesen hat. Jetzt sind es Kapitel aus „Versoffene Jugend“, die die Schüler hören. „Das fehlte bisher“, nennt Wenning eine Motivation, das Buch zu schrieben. Für ihn ist Alkohol die gefährlichste Droge, weil sie überall erhältlich ist.

Gespannte Stille

Am meisten Eindruck, so berichtet er, macht es, wenn er liest. „Da kann man oft eine Stecknadel fallen hören.“ Mit 13 Jahren hatte er die erste Alkoholvergiftung, mit 18 Jahren kam er nur haarscharf mit dem Leben davon, als er betrunken mit seinem Mofa unterwegs war – wenn er diese Kapitel liest, ist er ganz nah dran an dem Leben der Jugendlichen heute.

Früher wurde Alkohol noch mehr verharmlost. Heute wird mehr darauf geachtet, dass Jugendliche keinen Alkohol kaufen können. Und doch sagt Hermann Wenning: „In Sachen Prävention müsste mehr passieren.“ Oft würde Alkoholismus mit Charakterschwäche in Verbindung gebracht. So sieht es Wenning nicht. Die Lektüre zeigt: Oft ist es die falsche Entscheidung zum falschen Zeitpunkt, die den Weg weiter hinein in die Abhängigkeit weist.

Nichts ausgelassen

Hermann Wenning lässt nichts aus: Nicht die unbeschwerte Kindheit, nicht den Spaß am Laufen, der ihn seit seiner Kindheit begleitet. Aber eben auch nicht die Verlockung, die der Alkohol ausübt. „Kein Bock auf Schule“, „Alkoholsucht auf dem Lande“, „Empfehlungen eines Psychiaters“, „Versackt im Moonraker“, „Tanz in den Mai“ oder „Letztes Aufbäumen“ heißen einige der vielen Kapitel in dem Buch.

Am Ende, so erzählt Wenning, haben Schüler immer eine Frage: „Trinken Sie noch?“ Nein, kann er dann sagen, seit mehr als zwölf Jahren keinen einzigen Schluck.

Versoffene Jugend, Hermann Wenning, Marix-Verlag, 14,90 Euro, ISBN: 978-3-7374-1072-4

 

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