Schuhhaus Franke in Legden berät in Corona-Zeiten per Videotelefonie

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Das hätte sich Wilhelm Franke 1880 nicht träumen lassen. Im Schuhhaus Franke beraten seine Nachkommen in der Coronakrise per Videotelefonie und arbeiten mit einem sehr großen Schuhkarton.

Legden

, 10.04.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Barbara Franke hat sich umgestellt. Die Corona-Pandemie fordert die Einzelhändler. Und fordert auch die Einzelhandelskauffrau in ihrem Schuhhaus Franke in Legden. 140 Jahre besteht das Geschäft im Mai. Aber Zeiten wie diese gab es noch nie. „Es ist eine Herausforderung“, sagt sie: „Aber man wundert sich, wie erfinderisch man wird.“ Sie ergänzt: „Da spreche ich für alle kleinen Läden.“

Als sie ihren Laden schließen musste, da habe sie schon geweint, erzählt Barbara Franke. Jetzt ist die Zeit, wo jeder seine Frühjahrsgarderobe herausholt, die Stiefel wegstellt und neue Sandalen will – doch die Türen ihres Geschäfts an der Schulstraße mussten zu bleiben.

Nach einem kurzen Innehalten hat die 51-Jährige längst wieder Mut und Energie. Sie tut das, was sie am liebsten mag: Mit den Kunden reden, sie beraten, und das nicht nur zu Schuh-, sondern auch schon mal zu Lebensfragen, wie sie erzählt. Nur: Das alles passiert jetzt per Telefon.

Kunden holen Karton mit vielen Schuhpaaren an der Tür ab

Wie läuft also so ein Schuhkauf ab? Am Telefon erzählen die Kunden, was sie gerne hätten. Barbara Franke macht Vorschläge – viele ihrer Kunden kennt sie gut. Dann packt sie Schuhe in einen sehr großen Karton und für die Kinder eine kleine Aufmerksamkeit. Zwei Paare sind es oder auch mal sechs. Die Kunden klingeln an der Tür, holen den Karton ab und bringen später zurück, was sie nicht kaufen wollen. In einem Umschlag wird dann das Geld mitgegeben.

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Ob der Schuh drückt, das können die Kunden in Ruhe testen. Ob er ihnen steht, dabei berät Barbara Franke per Videotelefonie. „Die Kunden machen ein Video und schicken es mir“, erzählt sie. So kann sie beurteilen, ob der Kinderschuh die richtige Größen hat. Und sie kann ihre Meinung sagen, ob der gewählte Schuh auch wirklich zur Kleidung passt. „Das hätte ich mir vor sechs Wochen noch nicht träumen lassen“, sagt Barbara Franke.

Die Kauffrau hat sich vor drei Wochen sofort erkundigt, was sie noch darf und was nicht. Sie wollte auf jeden Fall weiter machen. Das ist wirtschaftlich wichtig. Schließlich ist die Frühlingsware schon längst im Laden. „Wir bestellen immer ein halbes Jahr im Voraus.“ Aber auch für die Psyche sei das Weitermachen wichtig gewesen, sagt die Legdenerin.

Stammkunden kommen nicht nur aus Legden

Gefreut hat sie sich, dass viele Stammkunden anriefen, und fragten, wie es weiter gehen würde. Die kommen nicht nur aus Legden, so Barbara Franke, sondern auch aus Coesfeld, Stadtlohn oder Münster. „Das Wetter ist verlockend“, erzählt sie, „jetzt ist Sandalen-Zeit. Und man möchte jetzt knallige Farben tragen.“ Gelb, orange auch grün, das sind die neuen Farben in dieser Saison.

140 Jahre Schuhhaus Franke

  • 1880 gründete Wilhelm Franke seine Schuhmacherwerkstatt mit Neuanfertigungen und Reparaturen.
  • Sein Sohn Hermann übernahm nach dessen Tod 1905 mit 20 Jahren die Werkstatt und verkaufte ab 1924 auch Konfektionsschuhe.
  • 1959 übernahm Anton Franke, der Gertrud Lesting geheiratet hatte, den Betrieb.
  • 1968 wurde das alte Haus nach etlichen Umbauten durch einen Neubau mit größeren Räumen ersetzt.
  • Orthopädieschuhmachermeister Willi Franke (62) und seine Frau Barbara setzen die Tradition fort.

Barbara Franke würde sich allerdings jetzt mit der Herbst- und Wintersaison beschäftigen, Vertreter empfangen oder selbst zu Lieferanten fahren und Ware bestellen. Das liegt alles auf Eis. „Wie und was wir bestellen werden, liegt noch in den Sternen.

Mit dabei sind dann immer wieder mal auch ihre vier Kinder. Tochter Barbara Pleus hilft regelmäßig. Sie ist wie ihre Brüder Philipp, Patrick und Jannik im Laden groß geworden. „Es ist gut, die junge Generation mit dabei zu haben. Sie bringen eine andere Moderichtung ins Spiel“, sagt die 51-Jährige.

Barbara und Willi Franke sind die vierte Generation

Sie selbst hat in Münster Schuhverkäuferin im Schuhhaus Zumnorde gelernt, dann ihrer Ausbildung die Einzelhandelskauffrau hinzugefügt und ihren Mann Willi Franke kennengelernt. 1989 übernahmen sie das elterliche Geschäft in Legden. Sie sind damit die vierte Generation.

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