Siamak Nourani beginnt in Legden ein neues Leben

Zukunftspläne nach der Flucht

Er hat schon viel gemacht in seinem Leben: Siamak Nourani hat als Schweißer gearbeitet, war Herrenausstatter und wollte Biogärtner werden. Nourani ist Flüchtling. Wenn er nach der Zukunft gefragt wird, geht sein Blick in die Ferne. Mit seinem Herzen ist er im Iran verwurzelt. Doch mit viel Engagement gestaltet er sein Leben in Legden. Jetzt hat er eine Vollzeitarbeitstelle angetreten. Und er hat Pläne.

LEGDEN

, 26.08.2016, 18:19 Uhr / Lesedauer: 2 min
Siamak Nourani arbeitet jetzt bei der Technik Team GmbH in Ahaus. Dort schweißt er Teile an für Rutschen, die in den Lagern von Online-Versandhändlern wie Amazon eingesetzt werden. Er hat große Pläne.

Siamak Nourani arbeitet jetzt bei der Technik Team GmbH in Ahaus. Dort schweißt er Teile an für Rutschen, die in den Lagern von Online-Versandhändlern wie Amazon eingesetzt werden. Er hat große Pläne.

Er dürfte der erste der in Legden lebenden Flüchtlinge sein, der einen Vollzeitjob hat. Sagt Bruno König, der sich gemeinsam mit seiner Frau Waltraud Wasgien-König um Siamak Nourani und dessen Frau Roya kümmert. Seit zwei Wochen arbeitet der 38-Jährige als Schweißer bei der Technik Team GmbH in Ahaus. Das ist ein Riesenerfolg für den Iraner – und kein leicht erkämpfter. Schließlich lebt er bereits seit 19 Monaten in Legden.

Seinen Asylantrag hat er schon vor mehr als einem Jahr gestellt. Seitdem wartet er auf sein Interview, wartet er auf die Entscheidung.

Residenzpflicht bindet an Legden

Solange er kein anerkannter Flüchtling ist, besteht für ihn Residenzpflicht. Er konnte jetzt für seinen Job nicht nach Ahaus umziehen. Das wäre praktisch gewesen. Denn frühmorgens fahren keine Busse, sein iranischer Führerschein wird nicht anerkannt und mit dem Fahrrad wird es spätestens im Winter ein Problem. Da war es Glück, dass ein Kollege auch aus Legden kommt und ihn mitnimmt. Morgens um 5.10 Uhr.

„Super“ sei die Arbeit und die Kollegen nett. „Man hilft sich gegenseitig“, erzählt er. Lob hat auch Firmenchef Wilhelm Göcke für den neuen und engagierten Mitarbeiter. Für ihn war es keine Frage, ihn nach dem Probearbeiten einzustellen. „Nationalitäten spielen für mich keine Rolle.“ Dafür aber Arbeitsgenehmigungen. Und da haperte es anfangs. „Ich musste Druck beim Arbeitsamt machen“, sagt Göcke. Er ist überzeugt, dass viel mehr Unternehmen Flüchtlinge einstellen würden, wenn es nicht so viele Hürden gäbe.

Fotos wurden zum Verhängnis

Viele Schwierigkeiten hat der Iraner, der ursprünglich nur seinen Cousin in München besuchen wollte, schon gemeistert. Er habe ein gutes Leben in Tabriz in Ost-Aserbaidschan gehabt, sagt er. Auch wenn das Leben härter wurde, die Polizei immer wieder in seinem Geschäft für Bekleidung auftauchte und es wochenlang schloss – weil er Krawatten verkaufte oder die Schaufensterpuppe eine Perücke trug. Dass er evangelischer Christ ist, hat er möglichst niemandem erzählt.

Dann wurden ihm und seiner Frau während des Urlaubs in Deutschland Fotos auf Facebook zum Verhängnis. „Was habt ihr gemacht“, fragte die Schwester am Telefon, nachdem die Polizei bei beiden Familien aufgetaucht war. Die Erklärung: Auf Fotos waren Kirchen zu erkennen.

Ihr könnt nicht mehr zurückkommen. Hier wartet auf euch die Verhaftung: Das war die Botschaft an das Ehepaar, das seit acht Jahren verheiratet ist. „Roya wollte das nicht akzeptieren“, erzählt Nourani, der Iran sei doch ihre Heimat. Ein halbes Jahr hat sie in der Türkei darauf gewartet, ungefährdet zurückkehren zu können. Doch ein Zurück gibt es zurzeit nicht.

Idee für das Leben in Legden

Dafür ein Leben in Legden. Das Ehepaar konnte schnell eine kleine Wohnung beziehen. Sie haben im Dorf Münsterland als Abräumer und in der Spülküche gearbeitet. Doch beide wollen mehr. Nourani erhielt die Chance, eine Ausbildung zum Biogärtner zu machen. Doch dann entwickelte sich eine Allergie. In der Berufsbildungsstätte BBS in Ahaus machte er schließlich eine Fortbildung zum Schweißer. Dort entstand der Kontakt zur Technik Team Gmbh.

Am liebsten aber würde er sich selbstständig machen. Er hat sich bereits genau umgesehen in Legden, überlegt, was im Dorf noch fehlt. Seine Idee: Eine Eisdiele zu eröffnen, wo es auch frisch gepresste Fruchtsäfte gibt, wo sich aber auch Menschen treffen und Spiele aus vielen Ländern gespielt werden können. Vom Eismachen hat er keine Ahnung. Dafür aber ein Flüchtling, der in seiner Heimatstadt Bagdad bereits als Eisproduzent gearbeitet hat. Gemeinsam könnten sie es schaffen.

Die Integrationslotsen suchen Verstärkung, vor allem bei den Deutschkursen montagabends in der Sekundarschule. Kontakt: Johannes Kuiper im Jugendhaus Pool, Tel. (02566) 90 97 97.

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